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19. August 2017

Bauernhöfe im Schuttertal (2)

Schwörerhof: Große Mühen schaffen einen Traum

Der Schwörerhof wurde von den heutigen Besitzern 1984 gekauft und aufwendig zu einem originalen Schmuckstück saniert.

  1. Karin und Udo Bucherer vor dem schmucken Hofhaus im Omersbach Foto: Beate Zehnle-Lehmann

  2. Der alte Schwörerhof Foto: Privat

  3. Umgeben von modernen Solardächern des Reiterhofes liegt im Seelbacher Omersbach der in den 1980er Jahren generalsanierte Schwörerhof. Foto: Michael Saurer

SEELBACH. Der Schwörerhof im Omersbach in Seelbach trägt die eingemeißelte Jahreszahl 1780. Wer das Bauwerk einst errichtet hat, ist jedoch nicht nachvollziehbar. Weder die Archive noch die ehemaligen Besitzer können Aufschluss darüber geben. Karin und Udo Bucherer wohnen seit 1987 in dem schmucken Schwarzwaldhof, den sie 1984 gekauft und in dreijähriger Bauzeit restauriert hatten. Damit wurde der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt und ein Zeugnis der Vergangenheit erhalten.

Auf dem Weg in den Omersbach, vorbei am Schloss Dautenstein, öffnet sich das Litschental, an dessen Südseite der Schwörerhof versteckt und in unberührt anmutender Natur liegt. Umgeben von viel gepflegtem Grün und einer bunten Blumenpracht erscheint das imposante Bauwerk wie in einem Bilderbuch. Eines wird dem Betrachter schon im Außenbereich klar: Hier steckt ganz viel Liebe drin. Die Vergangenheit des bäuerlich geprägten Lebens im Schuttertal wird mit jedem Blick auf das ländliche Kulturdenkmal präsenter, denn der Schwörerhof ist von Karin und Udo Bucherer originalgetreu wiederhergestellt worden.

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Das mag beim ersten Gedanken nicht unbedingt außergewöhnlich sein, allerdings ist die Restaurierung in diesem Fall wohl doch etwas Besonderes, denn das Bauernhaus war 1978 schon dem Abriss geweiht. Den verhinderte der damalige Mitarbeiter des Landesdenkmalamts und 2009 gestorbene Gerhard Finkbeiner, der auf ungewöhnliche Art auf das historische Bauwerk aufmerksam geworden war. Der Grund dafür war die Nachricht, dass eine Gruppe aus Seelbach, die den seit 1970 leerstehenden Hof als Treffpunkt genutzt hatte, ein "Abrissfest" feiern wollte. Die Umstände waren damals, dass der alte Hof seit dem Bau eines Aussiedlerhofes nebenan durch den Eigentümer Josef Schwörer nicht mehr bewohnt war und fortan als Proberaum von der Musikgruppe D’Gälfiäßler oder von der katholischen Jugend genutzt wurde.

Josef Schwörer erzählt dazu, dass zu diesem Zeitpunkt nicht klar war, welch historisches Gut das Ständer-Bohlen-Bauwerk darstelle. Und eine Restaurierung sei für ihn nicht möglich gewesen: "Mit dem Neubau des Aussiedlerhofs war ich finanziell ausgelastet. Die Renovierung des alten Hofs hätte ich nicht verkraftet", sagt der heute 89-Jährige.

Der Ursprung des Schwörerhofs ist auch für ihn ein Rätsel: Wer die Erbauer oder Bewohner vor den Schwörers waren, bleibt wohl unbeantwortet. Seiner Kenntnis nach sei der Hof Ende des 19. Jahrhunderts durch Kauf in die Hände seiner direkten Vorfahren übergegangen. Leider gebe es keinerlei Zeugnis über seine Familie hinaus bis hin zu den Anfängen. Umso schwerer wiegt die jüngste Vergangenheit des historischen Bauwerks, als die Familie Schwörer 1968 den angrenzenden Aussiedlerhof baute und für das alte Gehöft eine Abrissverfügung erlassen worden war, von der das Landesdenkmalamt nichts gewusst hatte. Mit der Nachricht über das Abrissfest kam der Stein ins Rollen, und Gerhard Finkbeiner veranlasste umgehend ein Abrissverbot. In dieser Situation entschied Josef Schwörer im Einvernehmen mit den Behörden, den Hof vom geschlossenen Gut zu lösen und zu verkaufen. Voraussetzung für den Kauf war die Restaurierung.

Mit einem Architekten fand sich ein erster neuer Besitzer, der den Schwörerhof allerdings nicht lange sein Eigen nennen konnte. Denn seine Eigenleistungen liefen nicht konform mit den Bestimmungen des Denkmalamts zur Restaurierung des historischen Bauernhofs.

Hier kommen Karin und Udo Bucherer ins Spiel, die sich noch genau an die Annonce erinnern: "Alter renovierungsbedürftiger Schwarzwaldhof in Seelbacher Seitental zu verkaufen." Das junge Paar wohnte zu dieser Zeit in Reichenbach und plante ein Eigenheim. Die Suche in Neubaugebieten hatte sie nicht überzeugt, und so war die Zeitungsanzeige "ein Zufalls- und Glückstreffer" erzählen sie. Obwohl das Gebäude baufällig und unbewohnbar war, hätten sie sich augenblicklich vorstellen können, die Arbeit auf sich zu nehmen und sich hier ihr Zuhause einzurichten. Karin Bucherer, die aus Gutach stammt, schwelgt bei diesen Gedanken in Erinnerungen: "Als junges Mädchen hatte ich immer den Traum, einmal auf einem Bauernhof zu wohnen." Udo Bucherer erlebte dieses Ambiente in seiner Kindheit in Lahr-Burgheim in der Nachbarschaft eines Bauernhofs.

Dass eine harte Zeit auf sie zukommen würde, war ihnen angesichts des Zustands des Hofs klar, sagen sie. Im ersten Jahr der Restaurierung hätten sie nur ausgeräumt, saubergemacht und es wurden Arbeiten verrichtet, die weitere Schäden verhindert haben. "Der Mist lag noch im Stall und das Dach war undicht", so das Paar.

"Der Mist lag noch im Stall,

das Dach war undicht."

Udo Bucherer
Der nächste Abschnitt war die Restaurierung der Fassade und des Balkons, das ursprüngliche Aussehen mit der Ständer-Bohlen-Bauweise (Ständer = Eiche/ Bohlen = Tanne) und entsprechenden Sprossenfenstern wiederherzustellen. Für den hinteren Teil der Fassade wurden die alten Holzbestände verwendet, so dass das Gebäude auch heute, nach über zwei Jahrhunderten, in seinem originalen Zustand im Omersbach steht.

Die Liebe der Bucherers zur Kulturgeschichte ist auch im Inneren deutlich zu sehen, wo die ursprüngliche Konstruktion erhalten wurde. "Der höchste Raum ist 2,04 Meter hoch", sagt Udo Bucherer und lacht, denn bei einigen Türen muss er sich achtsam bücken. Eine harte Zeit sei es gewesen, in der sie auch manchmal die Kräfte verlassen hätten. Denn nicht nur der Bau bestimmte damals das Leben; auch die Berufe als Produktionsleiter und Lehrerin beanspruchten das damals junge Paar. Und zwischenzeitlich waren auch die Kinder Meike und Daniel zur Welt gekommen. Umso mehr genießen sie das kleine Paradies und die Lebensqualität, die sie sich mit Enthusiasmus und viel "Schweiß und Blut" geschaffen haben.

Autor: Beate Zehnle-Lehmannn