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19. Mai 2014

Kompromissloser Pädagoge mit Badekappe

Robbi Pawlik alias Rudi Schaluppke im Seelbacher Bürgerhaus.

  1. „Geh duschen, Mann!“ Foto: w. künstle

SEELBACH (bzl). Leichtfüßig bissige und "chlorreiche" Komik hat Robbi Pawlik als Bademeister Rudi Schaluppke im Rahmen der Seelbacher Kulturtage geboten. Der Rheinländer verstand es, von der ersten Minute an seinem Publikum im Bürgerhaus zu gefallen. Mit Witzeln und Lästern über die Schwimmbadgäste, mit gerappten Baderegeln oder einer Modenschau der unansehnlichsten Badekappenkulturen machte er mit seinem Programm "Funky Arschbombe" regelrechte Wellen. Und wer den Beckenarbeiter zur Weißglut brachte, den schickte er zum Duschen in die Kabine.

"Am Beckenrand musst ’de Druck machen", erklärte der Bademeister dem großen Publikum in traditionsträchtigen Clogs, kurzem Höschen und im topmodischen weißen Polozwirn, unter dem sich der körpereigene Rettungsring abzeichnete. Als Fachangestellter für Bäderbetriebe – wie es heute heiße – würde die Berufung zuweilen aber zum Kindertröster, Sozialpädagogen, Animateur oder Stilberater ausarten. Im Kosmos seines Wirkungsobjektes, dem Zollstocker Kombibad in einem Kölner Brennpunktviertel, muss sich Rudi Schaluppke nämlich mit einer bunten Badeklientel herumärgern. "Da wird man zum Magister, zum Innen- und Außenbeckenminister, wenn das Pädagogenpack Sport-schwimmunterricht gibt und die Esoteriktanten beim erlebnisgestützten Unterricht das Nabel-Chakra anregen."

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Für emotionale Wellen sorgen da auch die kleine Amanda-Cheyenne und Malte-Anselm, die in Anwesenheit ihrer allwissenden Waldorfmütter das Seepferdchen machen. In Schaluppkes feuchtem Imperium tummeln sich außerdem seine pubertierenden Freunde mit Migrationshintergrund. Die finden ihren "Schaluppki, Alter. . . " richtig cool und hart, denn ihr Bademeister "isst keinen Honig – der isst die Bienen".

Überhaupt müsse er sich mit einer Jugend abgeben, die keinen vollständigen Satzbau mehr drauf habe: "Ich bin nicht die Supernanny für Pisaopfer und Intelligenzallergiker", gibt er ihnen immer wieder zu verstehen.

Auch die Haarprachten könnten einem Dienstleister am Beckenrand ganz schön zusetzen, erklärte Rudi. Vor allem die mit den Rastalocken, deren tierisches Innenleben ständig die Ansaugfilter verstopfen würden. Da verpasst er gerne mal einen 30 Liter-Müllbeutel als Badekappe. Und wem’s nicht gefällt, mit dem macht er kurzen Prozess: "Geh duschen!", lautet entsprechend der kompromisslose Aufdruck seines Poloshirts.

Apropos Badekappen: Die verschiedenen Modelle stellte Schaluppke zum besonderen Amusement der Gäste auf dem Laufsteg vor – inklusive funky und körperbetonter Tanzeinlage. Sein Beruf erfordere aber auch die nötige Sensibilität bei einem Stilberatungsgespräch, wenn die 83- jährige Seniorin im Bikini mit Leopardenmuster seine Komplimente erhaschen wolle. Oder beim Gangsterrapper, der seinen Kampfhund mitbringt und wissen will, warum der nicht ins Schwimmbad darf. "Weil der trocken schon scheiße aussieht", gibt’s da von Schaluppke den diplomatischen Verweis.

Die lapidare Komik des Kölners schien das Geheimnis für die Lachattacken der Zuschauer zu sein. Manchmal war’s schon irgendwie genial blöd, was aber eben dieses unbeschwerte Vergnügen auslöste. Und wiederum Tiefgang hatte, der von den Geschichten über die Badegäste übertragbar war auf sämtliche gesellschaftliche Bereiche. Schaluppke zeigte sich als bestechender Symphatieträger – ganz nach dem Motto: "Alter, den muss man einfach gern haben."

Autor: bzl