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04. Februar 2012

TALBLICK: Gepflegte Rituale

In acht Jahren hat Dietrich Berger nur einmal in einer Gemeinderatssitzung gefehlt. Und auch das nicht just for Fun, sondern weil er nach einem Termin im Kultusministerium nicht mehr rechtzeitig zurückgekommen ist. Dabei ist Berger nicht einmal Mitglied des Gemeinderats. Doch der frühere Rektor der Realschule Seelbach ist jedoch – wie es so schön heißt – ein Mann der ersten Stunde. Vom Start an war er bei Seelbach-TV dabei, das die Gemeinderatssitzungen aus dem Seelbacher Bürgersaal im Internet übertragt. Ursprünglich auf zwei Jahre konzipiert, ist das Projekt inzwischen im neunten Jahr angelangt. Berger, der mit Schülern der Realschule die Übertragungen bewerkstelligte, nutzte seinen Abschied von der kommunalpolitischen Bühne zu einem kurzen Rückblick in der ihm eigenen Art. "Drei Väter hat Seelbach-TV", stellte er fest: Kay-Uwe Martens, Professor an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl, der das Projekt ins Leben rief und auch heute noch begleitet, als Stammvater; Klaus Muttach und Thomas Schäfer als Alimentenzahler. Sich selbst bezeichnete er als Ziehvater, der vier Schülergenerationen nicht nur an den Geheimnissen einer TV-Übertragungen teilhaben ließ, sondern auch an den Ritualen ("Es ist alles gesagt, nur noch nicht von mir" zum Beispiel) einer Gemeinderatssitzung. "Dank für acht Jahre gepflegte Rituale", sagte er denn auch zum Abschied doppeldeutig. (Wer’s ironisch aufgefasst hat, liegt sicher nicht falsch.) Drei Bürgermeister, wobei er Franz Griesbaum, der vom Weggang Klaus Muttachs bis zum Amtsantritt Thomas Schäfers die Amtsgeschäfte im Seelbacher Rathaus leitete, drei Gemeinderatswahlen listete er in seinem Rückblick auf. Und Berger verhehlte nicht, dass ihm die Tätigkeit bei Seelbach-TV tiefe Einblicke gebracht hat, die ihm halfen, das Wesen des Homo Schutteralensis zu ergründen und es zu verstehen, wenn er nach den Sitzungen die Schüler nach Hause gefahren hat. Wer außer ihm (und vielleicht ein paar Liebespaaren, die die Zweisamkeit in der Einsamkeit suchten) hat denn schon die monddurchfluteten Nächte im Laulisgraben kennengelernt, fragte er in die Runde der Gemeinderäte und führte ihnen deutlich vor Augen, was ihnen entgeht, derweil sie im Sitzungssaal über Friedhofssatzungen und gesplittete Abwassergebühren brüten.

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Sprachprobleme

"Der (Die, Das) spricht für sich." Die Informationen, die Der (Die, Das) von sich preisgibt, sind meist rudimentär und stellen nur den zufrieden, der sich mit einem gepflegten Viertel- bis Halbwissen zufrieden gibt. Ein Beispiel: Was erzählt die Hohengeroldseck über sich? Mittelalter, Ritter, Zerstörung. Nun gibt es Menschen, denen das nicht genügt, die mehr wissen wollen. Denen soll geholfen werden, ihre Wissenslücken zu verkleinern. Auf zehn Infotafeln gibt es bald weitergehende Informationen. Schüler des Kooperativen Bildungszentrums werden die Inhalte erarbeiten und dann zusammen mit Schülern der elsässischen Partnerschule Rosheim ins Französische übersetzen. Ja, zweisprachig sollen die Tafeln sein, erläutert Bürgermeister Thomas Schäfer in der Gemeinderatssitzung. Die Frageviertelstunde ist schon lang vorbei, deshalb kann der Beobachter nicht fragen, warum nicht auch Englisch. Als könne er Gedanken lesen, meldet sich Gemeinderat Michael Heid und stellt fest, dass es wohl zu viel Platz auf der Tafel benötigt, würde man den Text auch ins Englische übersetzen. Aber, so Heid weiter, die Überschrift könnte man ja ins Englische übersetzen. Die Tafeln einfach etwas größer machen, dann hätte auch eine englische Übersetzung noch Platz, denkt der Beobachter und... sieht plötzlich das Problem. Es gibt keine Partnerschule in einem englischsprachigen Land. Wer übersetzt dann den Text ins Englische?

Autor: Theo Weber