Freilichtspiele in Seelbach

Zorro-Premiere in Seelbach: Angesichts der Fremdenfeindlichkeit ein sehr aktuelles Stück

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Do, 06. September 2018 um 17:30 Uhr

Seelbach

Es ist die 15. Inszenierung der Freilichtspiele in Seelbach. Katja Thost-Hauser ist Regisseurin des Stücks Zorro. Ein Gespräch über Castings, Ungerechtigkeit und ein Pferd.

Es ist die 15. Inszenierung der Freilichtspiele in Seelbach, und was das Bühnenbild und die Zahl der Mitwirkenden betrifft die bislang größte: Morgen, Samstag, ist Premiere für "Zorro". Juliana Eiland-Jung sprach vorab mit der Regisseurin und Intendantin Katja Thost-Hauser.

BZ: Frau Thost-Hauser, kannten die jüngeren Mitwirkenden Zorro überhaupt, als sie das neue Stück ankündigten?

Katja Thost-Hauser: Kennen, das ist heute so eine Sache. Kann sein, dass manche noch nie etwas von Zorro gehört hatten, aber da wird dann ja sofort auf dem Smartphone gegoogelt – und dann sieht man sich vielleicht eine der Zorro-Verfilmungen an und weiß Bescheid.

BZ: Wie weit haben Sie sich bei dieser Inszenierung an die Vorbilder aus den Verfilmungen gehalten?

Thost-Hauser: Als ich die Idee dazu hatte, Zorro auf die Bühne zu bringen, hatte ich auch gleich Thomas Koziol als Hauptdarsteller vor Augen. Er kann reiten und fechten, aber er ist kein jugendlicher Zorro, sondern ein Mann im mittleren Alter. Und damit stand fest: Mein Zorro ist kein junger Held, sondern ein Mensch Mitte vierzig, der vom Leben gezeichnet ist. Nach dem Tod seiner Frau wurde er aus der Bahn geworfen. Dadurch, dass er erkennt, dass er – wieder – gebraucht wird, findet er auch wieder zurück ins Leben.

BZ: Also Familiendrama statt Robin Hood-ähnlicher Legende?

Thost-Hauser: Es ist jedenfalls kein linearer Zorro, sondern einer, der eine Entwicklung durchmacht. Er merkt, dass es auf ihn ankommt, und hilft den Acjachemen-Indianern, die sich gegen den Gouverneur wehren, der sie für den Tod seines Vaters verantwortlich macht. Es ist in gewissem Sinn ein sehr aktuelles Stück, wenn man die Fremdenfeindlichkeit und die Ungerechtigkeit heute betrachtet. Aber natürlich gibt es ein Happy End.

BZ: Sind im Ensemble auch neue Köpfe dabei?

Thost-Hauser: Wir haben drei Mitwirkende, die das erste Mal dabei sind, manche machen seit drei oder vier Jahren mit, Gisela Griesbaum dagegen war von Anfang an dabei. Das Ensemble ist wirklich besonders. Die Jüngste ist vier, der Älteste 82 Jahre alt. Es ist schön zu sehen, dass wir jetzt junge Erwachsene dabeihaben, die schon als Kinder mitgewirkt haben. Auch im Hintergrund arbeiten viele Helfer mit, das würde sonst gar nicht gehen.

BZ: Dieses Jahr spielt ja sogar ein Pferd mit. Wie castet man ein Pferd?

Thost-Hauser: Zuerst hatte ich überlegt, ob Thomas Koziol sein eigenes Pferd mitbringen könnte. Aber da wäre der Transport eine große Strapaze geworden. Dann habe ich über eine Freundin aus Nürnberg, die beruflich mit Pferden zu tun hat, ein bühnenerfahrenes Pferd vermittelt bekommen. Es war schon mehrfach beim Hornberger Schießen dabei, ist Publikum und Schüsse also gewohnt. Sonst würde das ja gar nicht gehen. Das Pferd hatte nur eine Stunde Anreise und bleibt zwei Wochen hier in Seelbach – macht also auch ein wenig Urlaub hier.

BZ: Wie hat sich der tierische Schauspieler denn eingefügt bei den Proben?
Thost-Hauser: Das ging alles völlig ohne Probleme. Der Friesenhengst ist ganz ruhig und ist sogar bei der ersten Probe schon die Stufen zur Bühne hochgelaufen, ohne auch nur einmal zu zögern. Wir haben geklatscht und Lärm gemacht, aber nichts hat ihn aus der Ruhe gebracht. Nur als er Zorro zum ersten Mal mit Maske gesehen hat, hat er einmal kurz gestutzt.

BZ: Und was machen Sie, wenn es regnet? Reitet dann Zorro im Bürgerhaus auf einem Steckenpferd?

Thost-Hauser: Wir hoffen natürlich auf gutes Wetter und werden auch nicht beim ersten Tropfen nach drinnen verlegen – auch wenn das Bühnenbau-Team extra ein zweites, kleineres Bühnenbild für die Innenaufführung gebaut hat. Unser Zorro ist zwar eine Mischung aus Komödie und Tragödie, aber mit dem Steckenpferd würden wir Zorro lächerlich machen. Das wollen wir auf keinen Fall.

Freilichtspiele Seelbach "Zorro": Aufführungen jeweils um 18 Uhr im Klostergarten (bei Regen im angrenzenden Bürgerhaus) am 8. September sowie am 9., 12., 14., 15. September, Nachmittagsvorstellung am 16. September, 15 Uhr. Karten im Vorverkauf um 3 Euro vergünstigt für 15, 19 und 23 Euro, Abendkasse 18 bis 26 Euro, bei Kultur- und Touristinfo Seelbach, Tel. 07823/949 452, E-Mail: tourismus@seelbach-online.de