Sehnsucht nach Überwindung irdischer Trübsal

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 08. Oktober 2018

Klassik

Hanno Müller-Brachmann und die Festival Strings interpretierten Bach zum Abschluss des Markgräfler Musikherbstes.

Ein großer Bach-Abend in der vollbesetzten Altweiler Kirche beschloss die 19. Ausgabe des Markgräfler Musikherbstes, die eine besonders strahlende und erfolgreiche war: Zum Abschluss der Klassikreihe beeindruckte der Bassbariton Hanno Müller-Brachmann, begleitet vom Orchester Festival Strings und Mitgliedern des Kammerchors Markgräflerland unter Leitung von Piotr Borkowski, als grandioser Solist in Solokantaten von Bach für Bass, Streichorchester, Oboe, Chor und Basso continuo.

Als "Sohn der Region, der es international zu Ruhm gebracht hat", hieß der Weiler Kulturamtsleiter Tonio Paßlick den renommierten Sänger willkommen, der in diesem Jahr Artist in Residence beim Markgräfler Musikherbst war. Das sakrale Programm war ideal zugeschnitten auf die Atmosphäre und Akustik der schönen Altweiler Kirche. In der Solokantate "Ich habe genug" BWV 82 war bewegend zu hören, wie Hanno Müller-Brachmann seine volltönende, kraftvoll und dunkel timbrierte Stimme wunderbar zu Innerlichkeit und verklärtem Ausdruck sublimiert. Exzellent in der Wortdeutlichkeit und beseelt in der Textausgestaltung interpretierte er die Arien und Rezitative dieser von Todes- und Abschiedsgedanken erfüllten Kantate. Lieblich, tonschön und lupenrein umrankte die Solooboe von Anja Tritschler mit filigranen Arabesken und melodischem Wohlklang den Gesang des Basssolisten in der Eingangsarie. Ruhe und friedliche Stimmung lag über der von Müller-Brachmann balsamisch entrückt gesungenen Aria "Schlummert ein, ihr matten Augen". Getragen vom weichen, wiegenden Streicherklang des Festivalorchesters ergab sich eine exemplarische Bach-Interpretation, die in der Schlussarie "Ich freue mich auf meinen Tod" in gelöstem Sologesang und lebhaftem Streicher- und Oboenklang gipfelte.

Reduziert in der instrumentalen Besetzung, dafür mit Beteiligung von Chorstimmen, erklang die Kantate "Der Friede sei mit Dir" BWV 518, in der Basssolist Müller-Brachmann seine mächtige Stimme geschmeidig durch die Rezitative und Arien führte. Wiederum kreist diese geistliche Kantate um die Sehnsucht nach Tod und himmlischem Leben. Etwas Tröstliches hatte Müller-Brachmanns Gesang in der zentralen Arie "Welt ade, ich bin dein müde", virtuos umspielt von Magdalena Rezlers Solovioline und den Continuospielern. Im Schlusschoral "Hier ist das rechte Osterlamm" traten die Chormitglieder mit vortrefflich transparenter Durchzeichnung der Stimmen hervor.

Zu den bedeutendsten Kantaten Bachs gehört "Ich will den Kreuzstab gerne tragen" BWV 56, die zum Abschluss aufgeführt wurde. Hier imponierte einmal mehr die enorme dramatische Gestaltungskraft und bildkräftige, plastische Deklamation von Hanno Müller-Brachmann, der Bachs Musik mit unmittelbar erfühlter und erfüllter Emotionalität, gesammeltem Ernst und Gewichtigkeit direkt auf den Zuhörer wirken lässt. Er lässt Wort und Klang ideal verschmelzen, gibt diesem Gleichnis des Lebens eine ebenso leidenschaftliche wie verinnerlichte Stimme. Das ist Bach-Gesang von großer Tiefe und Intensität, wenn der Solist an der Stelle "Da leg ich den Kummer auf einmal ins Grab" dem verinnerlichten Schmerz Ausdruck verleiht und in der Aria "Endlich, endlich wird mein Joch" höchst wendig in der Stimmführung die Überwindung der irdischen Trübsal ausdrückt. Auch in dieser Kreuzstab-Kantate beeindruckte das sprechende und feinsinnige Oboenspiel von Anja Tritschler, der nuancierte Klang der Streicher in den Motiven, in denen die Wellenbewegungen nachempfunden werden, und das packende Continuospiel. Den abschließenden Choral "Komm, o Tod, du Schlafes Bruder" sang der von Bezirkskantor Rainer Marbach vorzüglich einstudierte Kammerchor trostvoll in ergreifender Schlichtheit. Die aus Studenten und ehemaligen Professoren bestehenden Festival Strings Markgräfler Musikherbst spielten zur Abrundung dieses mit großem Beifall bedachten Konzerts klangschön die berührende "Air" von Bach.