Freiburg

Seit 30 Jahren watscheln Enten durch den Hof des Landgerichts

Lynn Sigel

Von Lynn Sigel

Do, 12. Juli 2018 um 14:59 Uhr

Freiburg

Während in den Gerichtssälen Angeklagte auf Stühlen verharren müssen, watscheln im Innenhof des Landgerichts Entenküken hinter ihrer Mama her. Seit rund 30 Jahren brüten sie ihren Nachwuchs dort aus.

"Dieses Jahr sind schon um die 60 Entenküken geschlüpft", sagt Elke Bohn, stellvertretende Verwaltungsleiterin des Landgerichts. "Und fast jede Woche kommt eine neue Schar dazu." Gerade sind zwei Enten mit ihrem Nachwuchs unterwegs, eine dritte brütet im Gebüsch. Ab und zu kommen auch die Erpel vorbei.

"Verscheuchen lässt sie sich ungern"Elke Bohn
Bis die Enten etwa acht Wochen nach dem Schlüpfen fliegen können, bleiben die Familien im Landgericht. Meistens seien es zwischen acht und zwölf Küken pro Gelege, die, immer in der Nähe ihrer Mutter, ihre Kreise in einem der beiden Teiche ziehen. Aber auch an den großen Glasscheiben die den Hof zum Gerichtsgebäude hin abschließen, haben die Enten Gefallen gefunden. Eine Entenmutter blockiert regelmäßig die Tür zum Innenhof und beobachtet, was drinnen vor sich geht. "Verscheuchen lässt sie sich ungern. Die findet uns genau so spannend wie wir sie", sagt Bohn.

Obwohl sie in einem der sichersten Gebäude Freiburgs das Licht der Welt erblicken, droht den Entenbabys jedoch Gefahr von oben. "Am Wochenende, wenn es hier ruhig ist, lauern Raben und Reiher auf den Dächern", sagt Bohn. Und die warten nur auf eine Gelegenheit, sich eines der Küken zu schnappen. "Nach jedem Wochenende ist die Schar geschrumpft."

Füttern ist verboten

Da ist es verständlich, dass die Entenmütter sehr besorgt um ihre Kleinen sind. Das hat auch die menschliche "Entenmama" Elke Bohn zu spüren bekommen, als sie versuchte, ein Küken zu befreien, das sich am Rand verhakt hatte. "Die Mutter war sofort zur Stelle und hat nach mir geschnappt."

Mittlerweile sind die Enten eine Attraktion: Von der Schusterstraße kommen regelmäßig Spaziergänger und Kinder ans Tor zum Innenhof, um die Küken zu beobachten. Etliche werfen auch Essensreste hinein. Das Landgericht hat reagiert und mit einem Verbotsschild für Recht und Ordnung gesorgt. Die Enten haben genügend Menü-Auswahl dank natürlicher Bepflanzung.