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21. Juni 2012
Selbst das Ambiente spielt in der Bergkirche mit
"L’Art du bois" brachte Renaissance- und Barockflöten, Gambe, Theorbe und Cembalo der jeweiligen Zeit gemäß zum Klingen.
TENINGEN. Es gibt Konstellationen, die sind in sich so stimmig, dass ein positives Ergebnis voraussehbar ist: Renaissance- und Barockflöten, Gambe, Theorbe und Cembalo in der Bergkirche in Nimburg, ein Bilderbuch-Sommerabend und Interpreten, die professionell und virtuos einen guten Namen haben. Befriedigend viele Besucher waren zum musikalischen Bankett von "L’Art du bois" gekommen trotz des gleichzeitig beginnenden Spiels der deutschen Nationalmannschaft. Sie wurden mit einem außergewöhnlichen Konzertgeschehen belohnt. "L’Art du bois" spielte das Programm, mit dem es bei den Leipziger Bach-Festwochen gastierte. Das Konzert wurde vom Südwestfunk für eine Sendung aufgezeichnet: Zwei Indizien, die deutlich machen, dass das Ensemble seit der Gründung 2004 einen Namen hat für engagierte und professionelle Befassung mit alter Musik, dass es bei internationalen Festspielen gefragt ist und für exklusive Qualität steht.
Margret Görner und Lena Hanisch (Blockflöten und Traversflöte), Maria Ferré (Theorbe), Amelie Chemin (Gambe) und Johannes Keller (Cembalo) präsentierten ein Programm, das einem musikalischen Bankett nachempfunden war, aus verschiedenen Zutaten und in diversen Gängen serviert, konzentriert auf die "Erzeugnisse" einer bestimmten Region und Zeit. Stringent waren Komponisten aus dem norddeutsch-sächsischen Raum ausgesucht, die Verbindung untereinander hatten. "Manche kannten sich, und wenn nicht, schätzten sie sich sehr", so Flötistin Lena Hanisch, die durch eine informative Moderation das Programm lebendiger werden ließ. Werke von J. H. Schein, J. P. Sweelinck, S. Scheidt und J. H. Kapsberger ergaben eine Einheit, die durch die Stringenz und Authentizität in den Wiedergaben überzeugte. Die Flötistinnen schöpften das Spektrum der Blockflötenfamilie aus, Johannes Keller spielte in der Suite von Schein einen Satz und die Fantasie von Sweelinck solo, ausdrucksvoll und ganz dem Instrument zugewandt. Anders als in seinen Parts im Ensemble, in denen er den Bezug zum kammermusikalischen Miteinander forcierte und die intensive und lebendige Kommunikation untereinander mittrug.
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Die ganz eigene Klangfarbe des Cembalos bedeutete einen Kontrast. "Die Symphonia aus dem A" von Scheidt fiel durch ihre dunkle Färbung aus dem Rahmen, auffällig klangschön die Theorbe und virtuos die Gambe. Die eingängige Melodie des Liedes "Mein junges Leben hat ein End" von Sweelinck, gespielt von Margret Görner (Sopranblockflöte), faszinierte durch Veränderungen in den Strophen.
Mit der Epoche wechselten die Flöten (barocke Griffart und Traversflöte). Die professionelle Handhabung von Instrumenten und Literatur, verbunden mit Virtuosität, kammermusikalischer Erfahrung und Spielbegeisterung, ergaben ein optimales Zusammenwirken und rundum erfreuliches Hörerlebnis. Dass das Ambiente mitspielte, samt zwitschernder Vögel, ist für die Musik in der Bergkirche inzwischen ein unbezahlbares Markenzeichen.
Autor: kar



