Bad Säckingen

Selbstversuch: Mit 50 Sachen auf Wasserski über den Rhein

Jannik Jürgens

Von Jannik Jürgens

Do, 06. September 2018 um 13:32 Uhr

Bad Säckingen

Die Ski schlackern hin und her und der Fahrtwind peitscht durchs Gesicht: Ein BZ-Redakteur hat sich beim Wasserskiclub Bad Säckingen auf die Bretter gewagt.

Dass Wasserskifahren nicht ungefährlich ist, musste schon der US-amerikanische Erfinder dieser Sportart, Ralph Samuelson, schmerzvoll erfahren. Im Jahr 1927 verletzte er sich bei einem Sprung so stark am Rücken, dass er die Ski an den Nagel hängen musste. BZ-Redakteur Jannik Jürgens hat sich davon nicht abschrecken lassen. Mit Hilfe der Mitglieder des Wasserskiclubs Bad Säckingen traute er sich auf die Bretter.

Ich gebe zu: Es ist einer der angenehmeren Termine. Während die Kollegen in der Redaktion schwitzen, darf ich zum Wasserskiclub nach Obersäckingen radeln. Die Sonnenstrahlen bringen die Luft auf der Straße zum Flimmern. Doch allein das Wort Wasserski sorgt bei mir für Abkühlung im Kopf. Unbeschwertheit, Entspannung, ein lockeres Lebensgefühl: All das verbinde ich damit. Beim Wasserskiclub in Obersäckingen scheint man das ähnlich zu sehen. Christian Geng, Vorsitzender, schlägt zur Begrüßung ein, zieht ein Paar Ski aus der Garage und drückt sie mir in die Hand. Das Vereinsheim liegt direkt am Rhein. Am Anlieger baumeln die Boote in den sanften Wogen des Rheins. "Dann steig mal ein", sagt Geng und deutet auf ein Motorboot. Mary heißt es und gehört Tim Hannusch, der ebenfalls Mitglied im Wasserskiclub ist.

In der Theorie scheint Wasserskifahren ganz einfach

Doch bevor es losgeht, muss Hannusch erst einmal die Leine entwirren. Ich lege die Schwimmweste an und verspüre prompt einen stechenden Schmerz im Rücken. Mir schießt es durch den Kopf: Hab ich mich jetzt schon verletzt, obwohl ich noch gar nicht im Wasser bin? Ich ziehe die Weste aus und merke, wie eine Wespe davonfliegt. Der Stich schmerzt, ist aber halb so wild. "Du gehst ja jetzt ins Wasser, das kühlt", sagt Hannusch und erklärt mir, wie der Start aus dem Wasser funktioniert: "In die Hocke gehen, die Arme ausstrecken und dann einfach hochziehen lassen." Ganz einfach also.

Doch dann liege ich im Wasser und das ganze erscheint mir weit weniger einfach als in der Theorie. Die breiten Ski lassen sich nur schwer nach vorne und in die Senkrechte bekommen. Und dann muss ich die Leine noch zwischen die beiden Ski bugsieren. Ich soll mich am Dreieck der Leine festhalten und ein Zeichen zum Start geben. Nach einigem Gepaddel schaffe ich es dann doch in die Ausgangsposition. Ich gebe das Signal, Tim Hannusch gibt Gas, die Leine reißt mich nach vorne, ich versuche mich festzuklammern, werde aus dem Wasser gehoben – und mir rutscht das Dreieck durch die Hände. Das war nichts. Doch Hannusch dreht um, steuert sein Boot an mir vorbei und ruft mir aufmunternd zu: "Jetzt noch etwas länger durchhalten."

Also nochmal. Ich fische nach der Leine, gebe das Zeichen, das Boot schießt los und tatsächlich: Beim zweiten Versuch komme ich aus dem Rhein. Im Kielwasser des Motorboots schlackern die Ski bedrohlich hin und her, doch nach einigen Metern bekomme ich mehr Kontrolle. Vorher haben wir ausgemacht, dass ich per "Daumen hoch" höheres Tempo fordern kann – und das mache ich jetzt, denn das ganze fängt an, mir richtig Spaß zu machen. Ich bretter über den Rhein, Tim Hannusch beschleunigt auf 40, vielleicht 50 Kilometer pro Stunde. Der Fahrtwind peitscht mir durchs Gesicht, das Vereinsheim haben wir längst hinter uns gelassen.

Das Flow-Gefühl zaubert mit ein breites Grinsen ins Gesicht

Ich erinnere mich ans Alpine Skifahren und versuche, durch Aufkanten und Druck auf den Außenski eine Kurve zu fahren. Der Ski reagiert sofort, ich steuere über die Bugwelle und surfe auf dem spiegelglatten Rhein. Ein Flow-Gefühl der Extraklasse stellt sich ein und zaubert mir ein breites Grinsen ins Gesicht.

Hinter den Hindernissen der Pontoniere in Sisseln schlägt Tim Hannusch plötzlich eine 180-Grad-Kurve ein. Wieder erinnere ich mich ans Skifahren und denke: Geschwindigkeit bringt Sicherheit. Die Kurve fahre ich ganz außen und entsprechend schießt mich die Fliehkraft um die Kurve. So schnell war ich bisher noch nicht auf dem Wasser unterwegs. Tim Hannusch auf dem Boot freut sich und gibt Gas in Richtung Obersäckingen.

Doch ich merke, dass meine Arme immer länger werden. Ein paar Meter halte ich noch durch, dann muss ich die Leine loslassen. Christian Geng, der uns mit seinem Boot begleitet hat, winkt mir rüber. "Und wie war’s?" Mir fällt es schwer, meine Begeisterung in Worte zu fassen. "Hammer", sage ich. Doch das breite Grinsen in meinem Gesicht spricht ja sowieso für sich. Einmal versuche ich noch zu starten, falle wieder ins Wasser und entscheide , es gut sein zu lassen. Schließlich will ich mein Glück auch nicht überstrapazieren.
Beim eingetragenen gemeinnützigen Verein des Wasserskiclubs Bad Säckingen kann jeder, der möchte, gegen eine Gebühr Wasserski fahren. Er existiert seit mehr als 40 Jahren und hat ungefähr 50 Mitglieder. Der Verein bietet auch Bootsfahrten auf dem Rhein an und hat sein Vereinsheim direkt am Rhein an der Heinrich-Hübsch-Straße gegenüber vom Technischen Hilfswerk. Kontakt unter mehr.bz/wasserskiclub