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17. März 2010 00:06 Uhr

Bangkok

Selbstversuch: Wie funktioniert eine Dating-Agentur in Thailand?

Frauen in Thailand haben es nicht leicht, wenn sie den (seriösen) Mann fürs Leben suchen. Darin, dachte unser Korrespondent, liegt eine Riesenchance. Tapfer meldete er sich bei einer Dating-Agentur zu einem Selbstversuch.

  1. Sie haben es geschafft: Gilrune Hamsem aus Norwegen und seine thailändische Braut Pranee Saentichak zeigen stolz die Hochzeitsurkunde. Foto: dpa

  2. Er ist noch solo: Willi Germund Foto: bz

BANGKOK. Die freundliche Dame von der Vermittlungsagentur hatte Pim in rosigsten Farben gepriesen. Haften blieb vor allem eine Bemerkung. Pim, eine Thailänderin Mitte 40, suche einen "mature gentlemen". Der Blick ins Wörterbuch zum Begriff "mature" wies ein gutes Dutzend Übersetzungen auf. Nicht alle fielen schmeichelhaft aus. Das Wort kann "voll ausgereift", "abgelaufen" oder "abgelagert" bedeuten.

Nun saß ich also erstmals Pim in einem kleinen Restaurant gegenüber. Ich trotzte der tropischen Hitze in einem Hemd mit langen Ärmeln. Pim kam in einem klimagerechten weiten Kleid. Erleichtert stellte ich bald fest: mature oder nicht, es spielte keine Rolle. Denn Pim war von der Konkurrenz, sprich einem anderen Dating Service und wollte mich nur informieren. "Das große Problem in unserer Branche", erklärte sie, "ist ganz einfach: Auf neun Frauen, die sich in Bangkok bei einem Dating-Service anmelden, kommt nur ein Mann."

Das hatte ich nicht erwartet. Erst im Herbst des vergangenen Jahres war eine Freundin aus Frust über meine vielen riskanten Reisen und unregelmäßigen Arbeitsstunden abgesprungen. Ein Freund überzeugte mich, mein Glück bei einer der neuen Vermittlungsagenturen zu versuchen, die gegen eine saftige Gebühr ihre Dienste für "viel beschäftigte Berufstätige" anbieten. Nach intensivem Verhör, das von der Religion über Hobbys bis zu detaillierten Angaben über persönliche Vorlieben reicht, arrangieren sie Treffen geeigneter Kandidaten.

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Thailands Hauptstadt mag zwar "Stadt der Engel" heißen. Rotlichtviertel und Kneipen bieten viel Unterhaltung. Aber wie in vielen Megastädten ist es schwer, feste Freundschaften zu schließen.

Nun eröffnete mir die gute Pim, dass ich mich einerseits als Hahn im Korb fühlen könnte – und wohl auch ein wenig übers Ohr gehauen worden war. Bei dem Männernotstand hätte ich wohl Geld verlangen können, statt 800 Euro für die im Vertrag versprochenen zwei Dutzend Treffen hinzulegen. Dennoch: Es tut mir nicht leid um das Geld. Denn nach neunjährigem Aufenthalt in Thailand eröffnete sich mir eine Welt, von der ich keine Ahnung hatte. Die "Stadt der Engel" ist voll von Frauen aus aller Welt in mittlerem Alter, die entschlossen Anschluss suchen. "Thailändische Männer in deinem Alter", erklärte mir Pim, "denken anders als Europäer oder Amerikaner. Sie sagen sich, dass sie fürs viele Geld auch junge Frauen zwischen 20 und 30 finden können." Für Frauen wie die 45-jährige geschiedene Augenärztin Jum kann dies die Hölle bedeuten. "Wir haben in Thailand einen Frauenüberschuss", erzählt die begeisterte Salsa-Tänzerin, "und von den Männern ist die Hälfte schwul." Angesichts solcher Sätze wähnte ich mich im siebten Himmel.

Zumal die 40-jährige Susan meinen wachsenden Glauben an mich selbst noch verstärkte. "Thailändische Männer kommen mit beruflich erfolgreichen Frauen wir mir nicht klar", klagte sie. "Sie wollen eher die brave Hausfrau, die alle Kapriolen der Ehemänner schweigend und leidend hinnimmt." Wir trafen uns in einem bekannten Restaurant, dessen Preise besser gesalzen sind als das Essen. Der Wein war gut, die Stimmung schnell ausgelassen. Dann folgte ein für mich schockierendes Geständnis. Susan, eine attraktive Frau, hatte in ihrem Leben keine einzige Beziehung gehabt. "Ich bin die älteste Tochter", erklärte die Geschäftsführerin einer Marketing-Firma. "Ich habe mich um die Eltern gekümmert, wie es von mir erwartet wird."

Da fiel mir eine thailändische Redewendung ein, die sich "schlechte Töchter" oft anhören müssen: "Dein Ehemann ist dir wichtiger als deine Familie." Individuelle Freiheit und Privatsphäre müssen in Thailand immer hintenanstehen, wenn es um den Familienverbund geht. Es ist einer der vielen kulturellen Unterschiede zum Westen, an denen viele thailändisch-westliche Ehen scheitern.

Der Amerikaner Chris Pizarro und die thailändische Autorin Vitida Vasant haben in einem Buch über thai-westliche Beziehungen eine Liste der Fallstricke aufgezählt. Einer der wichtigsten: Nam Jai. Das heißt wörtlich Wasserherz, gemeint ist Großzügigkeit. Nam Jai gehört zu den Eigenschaften, die ein Mann unbedingt braucht. Nicht nur die Angebetete, die ganze Sippe will von ihr profitieren. Das ist für viele Farangs, wie westliche Ausländer in Thailand genannt werden, schwer zu akzeptieren. Schließlich wachsen sie in der Überzeugung auf, dass pekuniäre Geschenke eine Beziehung kommerzialisieren. Westliche Ausländer gelten deshalb als "Kee Nieow", was, druckreif übersetzt, Geizkragen bedeutet. Darum versuchte ich jedes Mal, im Restaurant die Rechnung zu übernehmen – und handelte mir böse Blicke ein. Die Thailänderinnen wollten alle selbst bezahlen.

Die Bilanz meines Selbstversuchs fällt gemischt aus. Eine neue Beziehung hat sich auch nach 24 Dates nicht angebahnt. Aber ich habe gute Freundschaften geschlossen. Dazu gehört Pim. Sie erzählte mir kürzlich von elf Frauen aus ihrem Bekanntenkreis, von denen vier nie geheiratet haben. Sie stammten aus wohlhabenden Familien der Oberklasse. Pim sagte: "Ihre Familien haben niemanden akzeptiert, weil alle Heiratskandidaten nicht reich genug waren oder nicht aus den richtigen Kreisen stammten."

Autor: Willi Germund