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03. Juli 2012 10:32 Uhr
Unibibliothek München
Sensationsfund: Forscher entdecken Waldseemüller-Karte
Martin Waldseemüller aus Wolfenweiler hat 1507 die berühmte Weltkarte geschaffen, auf der erstmals die Bezeichnung "Amerika" verwendet wird. Nun tauchte ein weiteres Exemplar auf – laut Uni München ein "Sensationsfund."
Zwei Forscherinnen entdeckten die wertvolle, rund 500 Jahre alte Karte zufällig in der Münchner Unibibliothek. Sie wurde im 19. Jahrhundert wahrscheinlich aus Versehen in einen Band mit Drucken zur Geometrie eingebunden, wie Bibliotheksdirektor Klaus-Rainer Brintzinger sagte. "Wir haben einen Sensationsfund gemacht."
Bei dem Werk handelt sich um eine etwas jüngere und kleinere Globuskarte Waldseemüllers, dessen drei Quadratmeter große Weltkarte berühmt geworden ist. Sie gilt als Geburtsurkunde Amerikas, weil der neu entdeckte Kontinent dort erstmals unter der Bezeichnung "America" auftaucht. Waldseemüller gilt als Taufpate. Bei der Namensgebung hat er sich allerdings geirrt. Er hielt den Seefahrer Amerigo Vespucci für den Entdecker des Kontinentes, nicht Christoph Kolumbus.
Von den kleineren Globuskarten waren bis zum Münchner Fund nur vier Exemplare bekannt, eins davon wurde 2005 im Auktionshaus Christie’s für umgerechnet mehr als 800 000 Euro versteigert. Die Münchner Karte unterscheidet sich nach Angaben von Sven Kuttner, der in der Uni-Bibliothek die Abteilung "Altes Buch" leitet, von den bekannten Exemplaren. Ihre Herkunft sei nicht vollständig geklärt, sie sei aber vermutlich einige Zeit nach dem Erstdruck aus dem Jahr 1507 entstanden.
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Vor mehr als 200 Jahren sei das Exemplar dann vermutlich versehentlich in den Geometrie-Band mit Drucken aus dem frühen 16. Jahrhundert eingebunden worden. Die Bibliothekare hätten die Bedeutung der Karte damals nicht erkannt, sagte Kuttner. Der Band versank "im Dornröschenschlaf" der Bibliothek an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Bis jetzt. Kuttner sagte: "Seit dem Zweiten Weltkrieg hat es einen Fund dieser Dimension nicht mehr gegeben." Auf ihrer Website hat die Bibliothek weitere Angaben zu der Karte veröffentlicht.
Das weltweit vierte bisher entdeckte Exemplar befindet sich übrigens in Offenburg. An einem Tag des Jahres 1993 kam die Spezialistin für Alte Drucke der Freiburger Universitätsbibliothek Vera Sack mit zittrigen Knien zu ihrem Chef. Sie kümmerte sich derzeit um die Bände der Offenburger Gymnasialbibliothek, rund 1600 Bände, darunter viele Wiegendrucke aus den Kindertagen des Buchdrucks, die sich zu jener Zeit zur Restaurierung in Freiburg befanden. Eben hatte sie, eingebunden zwischen die Seiten 210 und 211 einer "Nikomachischen Ethik" des Aristoteles von 1541, ein Exemplar der Globensegmentkarte des Martin Waldseemüller von 1507 gefunden. Die Expertin berichtete aufgeregt, dass es weltweit sonst nur noch drei bekannte Exemplare dieses Taufscheins Amerikas gibt. Die Offenburger Weltkarte, die heute im Museum im Ritterhaus aufbewahrt wird, ist die Nummer vier.
Martin Waldseemüller wurde um 1470 in Wolfenweiler geboren. Er studierte in Freiburg Mathematik und Geographie und lehrte später im Kloster im heutigen Saint-Dié-des-Vosges. Dort veröffentlichte er 1507 seine berühmte Weltkarte, die er zusammen mit dem Elsässer Philologen Matthias Ringmann geschaffen hatte. Waldseemüller starb um das Jahr 1522 herum. Auf dem Gelände der Freiburger Uni erinnert eine Gedenktafel daran, dass das Elternhaus des Kartographen in Freiburg stand. Es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.
- Für Waldseemüller nach Washington: Horst Reuter aus Schallstadt und Martin Lehmann aus Freiburg waren bei einem Symposium zu Gast
Autor: dpa, pd, rab



