Geprobt wurde, bis die Socken qualmten

hem

Von hem

Do, 30. April 2015

Sexau

Der Musikverein Sexau bot ein schwungvolles Frühjahrskonzert mit schwungvollen Gästen.

SEXAU (hem). Beinahe schon traditionell veranstaltete der Musikverein Sexau sein Frühjahrskonzert unter dem Motto: "MV Sexau & Friends in Concert" . In diesem Jahr waren die Arion-Singers aus Waldkirch unter der Leitung von Julia Rosenberger eingeladen. Zum Abschluss des Konzertabends trumpfte die Kapelle Polkablech, eine kleine, aber starke Freiämter Blechbesetzung um Dietmar Kern, mit ihrer böhmisch-mährischen Blasmusik nach Ernst Mosch & Co. auf. Die Hochburghalle war wie immer sehr gut besetzt, gab es doch Livemusik vom Feinsten. Vorsitzender Tobias Kern ging kurz auf das Programm ein. Anlass für die Einladung der Arion-Singers war Christa Birkle, deren stellvertretende Vorsitzende, die seit einigen Jahren in Sexau die musikalische Früherziehung übernommen hat und aushilfsweise dirigiert.

Zur vokalen Einstimmung hatten die Arion-Singers moderne Chorarrangements ausgesucht. Sie begannen mit "Top on the World" und ließen "Hijo de la Luna", ein spanisches Volkslied, erklingen. In "You raise me up" war das schöne Tenor-Solo von Frank Höfflin eindrucksvoll zu hören, bei "An Tagen wie diesen" wurde das Publikum zum kräftigen Mitsingen aufgefordert (was auch gelang) und "Über sieben Brücken" ging es nach "Kansas City". Die meisten Stücke waren Neueinstudierungen, die leichter einzuüben waren als die Zugabe, ein französisches Trinklied, französisch gesungen, zu dem die Choristen 90 Minuten zum Einstudieren von acht Takten benötigten, wie Rosenberger verkündete. Es war ein schweres Stück, das perfekt gesungen wurde, wie alle anderen auch. Langer Applaus war ihr Lohn.

Harald Koch, seit neun Jahren musikalischer Leiter der Sexauer Musiker, hatte für das Frühjahrskonzert eine bunten Strauß eingängiger Stücken zusammengebunden, die sich harmonisch ergänzten und sowohl den Musikern Spaß machten als auch dem Publikum einen Hörgenuss vermittelten. Die Moderation hatte Saxophonist Marcel Hiller übernommen, der mit witziger Ansage die jeweiligen Musikstücke beschrieb. Zu Beginn erklang "Fanfare for the common Man" 1942 von Aaron Copland geschrieben, ein Stück mit hohem und tiefen Blech anstelle der originalen Streicher, anfangs wuchtig durch Trommelschläge intoniert. Dem folgten aus "Pomp and Circumstance" von Edward Elgar zwei Märsche, die Streicher werden in dem Arrangement durch Klarinetten und Querflöten ersetzt. "Land of Hope and Glory" gilt als die heimliche Nationalhymne Englands. In "Face down" zog Konrad Thoma alle Register des Tenorhorn-Solos, mit prächtigen rhythmischen und melodischen Eigenschaften, markant sind die Wechsel von Holz- und Blechregister. Danach folgten zwei Filmmusiken: Jade aus "The Rock", eine langsame Komposition mit einem schönen Querflöten-Solo von Larissa Blust und "Dr. No", der erste James Bond-Film mit Sean Connery, ein Medley der bekannten Melodien. Danach ging es zur gemütlichen Bergmusik "Alphornzauber" mit dem Alphorn-Solo von Christoph Gutjahr, die Melodie wird weitergegeben von hohem und tiefem Blech, ein Ohrenschmaus mit frenetischem Beifall. Von Abba erklang zum Schluss die Poplegende für Blech und Schlagzeug: "Weiß deine Mutter das". Zwei Zugaben ein Marsch und eine Polka wurden vom Publikum herbeigeklatscht, das nie mit Beifall sparte.

Das Orchester spielte fast alles Neueinstudierungen, bis dem Dirigenten die Socken qualmten, dafür erhielt Koch vom Vorsitzenden ein Paar Pantoffel, die er prompt gegen seine Schuhe tauschte und die letzten drei Stücke darin dirigierte.

Zum Schluss des Abends trumpften die Polka-Blech-Bläser aus Freiamt unter Dietmar Kern auf, der seit drei Jahren mit acht guten Musikern Polka-Blech spielt. Aus den elf gespielten Stücken, davon eines mit Gesang von Petra Sillmann, die auch die Moderation machte, war die "Südböhmische" die Königin der Polkas und das Highlight des Abends.

Ehrungen: Marcel Hiller (Saxophon) und Annabelle Göhringer (Klarinette) erhielten das Leistungsabzeichen in Bronze. Larissa Blust (Querflöte und E-Bass) wurde für 15 Jahre aktive Musik geehrt, Konrad Thoma wurde für 35 Jahre aktive Musik zum Ehrenmitglied ernannt.