"Ich mach’ noch ein Selfie von dir..."

Georg Voß

Von Georg Voß

Mi, 14. Februar 2018

Sexau

Viel Spaß und Nachdenkliches beim 52. Lafrie-Schoppen in Sexau .

SEXAU. Auch wenn der evangelische Gemeindesaal eher eng ist und die Bühne zu klein für eine komplette Tanzgarde, so stößt auch der 52. Lafrie-Schoppen der Narrenzunft Lafrianer von 18:48 auf große Beliebtheit und wirkt wie eine kleine, aber feine, fast intime – das Wortspiel intim/im Team musste fallen! – närrische Veranstaltung, wo jeder jeden kennt; mit Besuch auch von auswärts, so aus Vörstetten. Die Showelemente treten in den Hintergrund, während im Mittelpunkt die traditionelle Büttenrede steht. Präsident Gunter Härer weiß, wie man das Publikum morgens um 11.11 Uhr in Stimmung bringt. Ein dreifaches Lafrie Lafro. Und dann sind die Gäste aufgefordert, sich warm zu schunkeln, sich zuzuprosten und zu trinken. "Das Glas fest an die Unterlippe drücken", empfiehlt Gunter Härer. "Bei Stimmungsabfall fällt Bürgermeister Michael Goby von der Decke." Überall auf den Tischen lagen Luftschlangen: "Für die Vegetarier gibt es Konfetti." Und die Stimmung steigt .

Marcel Hiller als De Bott teilt die tragischen Ereignisse in Sexau mit. Da waren Sexauer in Urlaub in Südafrika und wollten sich ein Souvenir besorgen. Gefunden haben sie Servietten, bedruckt mit Giraffen oder Affen – und auf dem Etikett stand "Made in Germany". Die hätten auch daheim beschafft werden können: "In Sexau gibt’s auch Affen." Über den kleinen Unterschied zwischen Mann und Frau, ohne den Frauen die Männer nicht brauchten, klärt Ingrid Fritz auf. Die Frau hatte Geburtstag und der Mann versprach, tief in die Tasche zu greifen. Doch selbst zum Blumenstrauß reichte es nicht mehr, da der Blumenladen geschlossen war. Zum Schlagabtausch zwischen Mann und Frau tritt ein Ehepaar an. Tanja und Gunter Härer schlüpfen in diese Rollen. Der Mann mache im Haushalt keinen Finger krumm. "Der ganze Haushalt würde im Chaos versinken. Nach Schweiß und alten Socken würde er stinken." Doch wer kann den Glühbirnen auswechseln oder den Fernseher reparieren, kontert er – auch wenn’s bis zum Auswechseln der Birne 40 Tage dunkel blieb und der Fernseher nach der Reparatur Schwarz-Weiß zeigte. Doch am Ende hat sich das Paar wieder lieb. "Du hast ja einen kleinen Vogel", sagt die Frau. "Ich weiß, mein kleiner Spatz", entgegnet der Mann. Auch Paula (Ingrid Fritz) und Klärli (Irmgard Emmenecker) lassen sich auf einem verbalen Schlagabtausch ein. Während die Bänkelsänger Helmut Hiller, Rene Hiller, Gunter Härer, Patrick Kasper und Karsten Wieber über das Kneipensterben in Sexau klagen und auf das Tempo 30 an Rathaus und Schule hinweisen, an dem mancher mit 100 Stundenkilometer vorbeifahre, lamentierte Peter Fritz als Antonio mit Ferrari-Mütze über das Fehlen der italienischen Fußballmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2018.

Über die Schwierigkeiten der Elterngeneration mit modernen Kommunikationsmitteln berichtet Selli klei Wild alias Anna Emmenecker: Da benehme sich ihr Vater wie ein 13-Jähriger bei seiner ersten WhatsApp, während Mutter stolz verkündete: "Ich habe eben gegoggelt." Selli klei Wild verzog das Gesicht und wollte die Diskussion aufgeben. Doch die Mutter setzte nach: "Warte, ich mache noch ein Selfie von dir."

Zur Auflockerung tanzten in wunderbarer Choreografie die Lafrianergarde beim Gardetanz. Hier war schnell eine Zugabe fällig. Das Gleiche gilt für das Tanzmariechen Alina Wieber, die mit Unterstützung ihrer Schwester Anne mit ihrem Tanz das Publikum bestens unterhielt. Ungewohnt für eine Fasnetsveranstaltung ist ein Programmpunkt, bei dem der Redner sich selbst das Lachen verkneifen muss. Denn Marcel Hiller schlüpfte in die Rolle eines Demotivationstrainers. "Beginn den Tag mit einem Lächeln", empfahl er. "Dann hast du es hinter dir."

"Trauriger" Höhepunkt der närrischen Veranstaltung war der Auftritt der "Sexauer Trauerschnalle", die nicht mehr so frisch sind, dafür umso giftiger und auf dem Friedhof erfahren, was wichtig ist. So habe sich eine 90-Jährige einen weitaus Jüngeren geschnappt. Der Arzt warnte: "Sex im Alter kann zum Tode führen." "Dann kann man nix machen", so die Antwort. "Dann stirbt er halt."