Wenig Geld für harte Arbeit

Christian Ringwald

Von Christian Ringwald

Mi, 01. August 2018

Sexau

Nicht alle Winzer waren mit dem Auszahlungspreis der WG Buchholz/Sexau zufrieden.

SEXAU. Die Winzergenossenschaft Buchholz/Sexau zählt 68 Mitglieder, die in Buchholz und Sexau 41 Hektar Fläche bewirtschaften. Im Herbst 2017 wurden insgesamt 400 966 Kilogramm Trauben gelesen und zum Ausbau in den Badischen Winzerkeller nach Breisach geliefert. Über die WG-Tochter Weinbau- und Vertriebsgenossenschaft Buchholz konnte Wein im Wert von 745 497 Euro – ein Plus von knapp 40 000 Euro oder eine Steigerung um 5,6 Prozent – abgesetzt werden.

So sind die Buchholzer und Sexauer Genossenschaftswinzer weiter auf Erfolgskurs; gleichwohl waren nicht alle Winzer mit dem Ergebnis – sprich mit dem Auszahlungspreis an die Winzer – zufrieden. Der Auszahlungspreis je Hektar lag bei 9700 Euro, nach Ansicht von WG-Gründungsmitglied Josef Baumer zu wenig für die harte Arbeit in den Steillagen an der Buchholzer Sonnhalde.

Die Winzergenossenschaft Buchholz wurde 1967 gegründet und so war das 50-jährige Jubiläum im vergangenen September der Höhepunkt im abgelaufenen Geschäftsjahr. Ebenfalls ein voller Erfolg war das zweite Lavendelfest rund um die Winzergenossenschaft, im Vergleich zum Vorjahr konnte der Umsatz nahezu verdoppelt werden. Das neue Gebäude am westlichen Ortseingang ist zwischenzeitlich fünf Mal bei Architektenwettbewerben ausgezeichnet worden, worauf WG-Chef Bernhard Reichenbach mächtig stolz ist. Vom einstigen Darlehen für den Neubau in Höhe von 200 000 Euro wurden bereits 72 000 Euro getilgt. Auch bei Weinprämierungen errang die Winzergenossenschaft Buchholz/Sexau viele Auszeichnungen und Medaillen. Bei der Landesweinprämierung 2017 gab es 16 Gold- und zwölf Silbermedaillen. Auf Bundesebene erzielten die Buchholzer und Sexauer Genossenschaftswinzer für ihre Weine und Sekte zwei goldene Preise und drei Mal Bronze. "Die Medaillen zeigen, dass unsere Strategie richtig ist", kommentierte Bernhard Reichenbach die Ergebnisse der Weinprämierungen. Seit dem Bezug der neuen Räumlichkeiten am Burgunderweg mit Vinothek Ende 2014 konnte der Verkauf über das Ladengeschäft um knapp 90 000 Euro auf 255 000 Euro – das entspricht 46 Prozent – gesteigert werden.

Trotz starker Frostschäden größere Mengen bei der Lese

Nach einem milden Winter und warmen März trieben die Rebstöcke im Frühjahr 2017 früh aus. Die beiden Frostnächte am 19. und 20. April mit Temperaturen von bis zu minus acht Grad führten teilweise zu erheblichen Schäden, gleichwohl konnten im September mehr Trauben als im Vorjahr gelesen werden. Mit 194 263 Kilo lag der Blaue Spätburgunder klar vorn, auf den Plätzen folgte der Grauburgunder (67 147 Kilo) vor Müller-Thurgau (54 411 Kilo) und weißem Burgunder (52 694 Kilo). Im Durchschnitt wurden 98,4 Kilogramm je Ar (100 Quadratmeter) gelesen. Beim Flächenertrag hatte der Weißburgunder mit 119 Kilo/Ar vor dem Muskateller (107 Kilo/Ar) und Blauem Spätburgunder (100 Kilo/Ar) die Nase vorn. Die größten Frostschäden gab es beim Müller-Thurgau. Erster Lesetag war der 6. September und am 29. September, 14 Tage früher als im Vorjahr, war alles im Keller.

Neben dem Vorstandsvorsitzenden der beiden Genossenschaften Bernhard Reichenbach stellte Verbandsprüfer Karl Becher vom baden-württembergischen Genossenschaftsverband das umfangreiche Zahlenmaterial vor. Über die Arbeit der Aufsichtsräte berichteten Peter Fehrenbach (Weinbau- und Vertriebsgenossenschaft) und Birgit Ihringer (Winzergenossenschaft Buchholz/Sexau).

In Vorstand und Aufsichtsrat der W&V gab es einen Wechsel. Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Bettina Schätzle zog sich nach 27 Jahren aus dem Gremium zurück, als ihren Nachfolger wählte die Versammlung Matthias Preiß. Als Nachfolger für seine Mutter Birgit zog Winzermeister Sebastian Ihringer in den W&V-Aufsichtsrat ein. Walter Bergmann wurde als Aufsichtsrat bestätigt. In der WG standen heuer keine Wahlen an. Von der Wahl der beiden "jungen und dynamischen" Winzer Matthias Preiß (Sexau) und Sebastian Ihringer (Buchholz) verspricht sich Bernhard Reichenbach neue Impulse, die die Genossenschaft weiter nach vorn bringt. Abschied nehmen hieß es Montagabend im Bergmattenhof auch für Helga Haag. Die Badische Weinprinzessin des Jahres 1967/68 war viele Jahre im Vertrieb und der Verwaltung der WG tätig. Für alle drei scheidenden Damen hatten Bernhard Reichenbach und Geschäftsführerin Margarete Kane Wein- und Blumenpräsente. Für Bettina Schätzle gab es vom Genossenschaftsverband noch eine Ehrenurkunde. Karl-Heinz Hambrecht und Heinz Gerber (beide Sexau) sind seit 40 Jahren Mitglied der WG, Hanspeter Holzer (Sexau) ist seit 25 Jahren dabei.

Zum Abschluss berichtete Eckhard Escher vom Vorstand des Badischen Winzerkellers über Aktuelles in seinem Haus.