Sich selbst aus dem Sumpf gezogen

Jochen Dippel

Von Jochen Dippel

Mo, 29. Oktober 2018

Handball 3. Liga

Drittliga-Handballerinnen der HSG Freiburg drehen erneut einen Rückstand und feiern 26:24-Heimsieg gegen Pforzheim.

HANDBALL. Dritte Liga Frauen: HSG Freiburg – TG 88 Pforzheim 26:24 (12:14). Kleidermotten stehen auf den Speisezetteln von Schlupfwespen ganz oben. In Gestalt der Drittliga-Handballerinnen der TG Pforzheim, die sich nach den zur Familie der Hautflügler zählenden Insekten benannt haben, wollten sie sich auch in der Freiburger Gerhard-Graf-Halle ihre Leib- und Magenspeise einverleiben. Und beinahe wäre ihr Beutezug auch geglückt. Doch die Klamotten, respektive Trikots der HSG-Ballwerferinnen hielten allen gegnerischen Attacken stand.

Dank einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit drehten die Gastgeberinnen einen zwischenzeitlichen Vier-Tore-Rückstand und behielten in einer überaus packenden Partie gegen den Aufsteiger mit 26:24 Toren die Oberhand. Damit wuchs das Punktekonto des neuen Tabellenzweiten auf 9:3 und ließ Trainer Ralf Wiggenhauser ungläubig staunen, "mit welcher Energieleistung mein Team ein verkorkstes Spiel herumgebogen hat". Er ziehe vor allen Spielerinnen den Hut, "wie sie sich da noch selber aus dem Sumpf gezogen haben". In der Liga sei alles "so eng, dass jeder jeden schlagen" könne. Mit der Abwehr, die nach der Pause nur zehn Treffer zuließ, durfte der Coach wiederum hochzufrieden sein. "Aber im Angriff spielen wir zu Hause noch zu verkrampft, machen zu wenig aus unseren Aktionen."

Vor dem Happy End erlebten die rund 200 Zuschauer erneut einen hochspannenden Handballkrimi. Nachdem die Freiburgerinnen in der von starken Abwehrreihen geprägten Begegnung bis zum 7:6 (15.) stets knapp vorgelegt hatten, liefen sie aufgrund zahlreicher individueller Fehler mit sieben torlosen Minuten und eines konfusen Angriffsspiels fortan lange einem Rückstand hinterher. TG-Torjägerin Desire Kolasinac avancierte dabei fast zur Alleinunterhalterin. Die aus Gaggenau stammende, groß gewachsene Cousine von Ex-Schalke-Profi Sead Kolasinac (FC Arsenal) traf nach Belieben aus dem Rückraum und erzielte bis zur Pause allein acht der 14 Gästetreffer.

Die Verunsicherung der Einheimischen wuchs von Minute zu Minute. Auch nach dem Wechsel, als Rebecca Dürr, die nie aufsteckte und etliche Siebenmeter herausholte, zweimal frei an der 16-jährigen Jugendnationaltorhüterin Claire Bäcker scheiterte, ebenso wie kurz darauf Angelika Makelko, Nadine Czok und Carolin Spinner. Es häuften sich technische Patzer und Fehlpässe und die HSG lag unversehens mit 13:17 (35.) und 15:18 (41.) im Hintertreffen. HSG-Torhüterin Zoe Ludwig verhinderte in dieser Phase sogar einen höheren Rückstand.

Indes bewiesen die Gastgeberinnen großartige Moral und kämpften sich mit unbändigem Willen ins Match zurück. In der nun auf ein verkapptes 5:1-System umformierten Abwehr bekam Alica Burgert ("Wenn man solche Spiele über den Kampf gewinnt, ist das einfach geil") an der Spitze die konditionell abbauende Kolasinac immer besser in den Griff. Und ihre Kolleginnen fighteten auf schnellen Beinen buchstäblich bis zum Umfallen, provozierten etliche Ballverluste der Gäste. Beim 18:18 war der Gleichstand hergestellt, wenig später hieß es sogar 24:22.

Doch glich Pforzheim, das in dieser Phase zahlreiche Zeitstrafen und Siebenmeter kassierte, erneut aus. Erst Tore von Burgert (Strafwurf) und Makelko (Konter) ließen die Einheimischen 40 Sekunden vor dem Ende jubeln und die Gäste verzweifeln. TG-Trainer Matthias Schickle fühlte sein Team von den Schiedsrichtern um den Sieg gebracht, attestierte ihnen "die schlechteste Leistung in dieser Saison" und eine "katastrophale Bewertung mit zweierlei Maß". Doch habe man auch "zu viele technische Fehler" gemacht.

Tore HSG: Czok 8/4, Makelko 7, Burgert 4/1, Spinner 3/3, Margull 2, Schilling 2. Spielfilm: 3:1, 6:4, 7:6 (15.), 7:9 (22.), 8:12 (25.), 12:14. – 13:17 (35.), 15:18 (41.), 18:18 (44.), 22:22 (51.), 24:22, 24:24 (56.), 26:24.