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01. August 2012
Sieben Messer und eine Pistole
Seit 50 Jahren lesen Kinder Otfried Preußlers Geschichten vom Räuber Hotzenplotz.
"Oh, Verzeihung, Herr Plotzenhotz, äh Lotzenpotz!" kräht der freche Kasperl nach seiner Gefangennahme in der Räuberhöhle und bringt damit den struppigen Rauhbautz vor ihm mächtig auf die Palme. Dabei ist der mit sieben Messern und einer Pfefferpistole bewaffnet und schreckt auch nicht davor zurück, hilflosen Großmüttern Bratwürste mit Sauerkraut oder gar die geliebte Kaffeemühle zu klauen. – Zum großen Vergnügen von Generationen junger Leser! Schließlich ist dieser großmäulige Bösewicht einer der ulkigsten Kriminellen der Kinderliteratur, der im ewigen Katz- und Mausspiel gegen Kasperl, Seppl und den dämlichen Wachtmeister Dimpfelmoser sogar als türkischer "Haydut Haytazot", als chinesischer "Dadao Huochenbuluci" oder als finnischer "Ryöväri Hurjahanka" um den Erdball poltert.
Am 1. August 1962 erblickte er beim Stuttgarter Thienemann Verlag als Geschöpf des 1923 im nordböhmischen Reichenberg geborenen Kinderbuchautors Otfried Preußler das Licht der Welt und feiert seitdem ungebrochen lustiges Räuberleben: In 64 Auflagen wurden die drei Hotzenplotz-Bände weltweit 7,5 Millionen mal verkauft, in 34 Sprachen übersetzt und ungezählte Male für Theater und Hörbuch adaptiert. Nicht zu vergessen die Fernsehinszenierungen der Augsburger Puppenkiste und drei fulminante Verfilmungen. Dabei wollte sich Herr Preußler mit seinem Hotzenplotz eigentlich nur vom düsteren Jugendroman "Krabat" entspannen – und schuf dabei das entdämonisierte Böse mit soviel zipfelmützigem Kasperltheatercharme, dass ihm die Leserschaft in den folgenden Jahren auch noch zwei ungeplante Fortsetzungen aus der Feder quengelte.
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Zum Glück! Denn die Abenteuer dieses verfressenen Vollblutwegelagerers sind bis heute staubfreie Spaßliteratur und kindgemäße Räuberpistole: Da gibt es zum schrulligen Personal wie dem Zauberer Petrosilius Zwackelmann, der nicht mal seine Kartoffeln selber schälen kann oder der Hellseherin Frau Schlotterbeck und ihrem Krokodildackel Wasti auch jede Menge Slapstick, Sprachwitz und eine temporeiche Handlung, die in all ihrer Erwartbarkeit doch immer spannend bleibt. So viel Mikrokosmos-Albernheit kam zwar bei den gestrengen Kritikern der 70er Jahre nicht gut an, bei den Kindern dafür umso mehr, denn die sind in diesen Geschichten immer ein Stück schlauer als die Großen ...
Zu seinem fünfzigsten Berufsjubiläum treibt’s der Satansbraten bunt: Nicht nur größer sind die Bücher geworden, sondern Illustrator Mathias Weber hat auch alle Originalzeichnungen und Vignetten von Franz Josef Tripp stimmungsvoll am Computer koloriert. Eine Schmuckbühne sozusagen für Wald, Zauberschloss und Spritzenhaus... Und auch wenn der Bösewicht am Ende sein wildes Räuberleben erst mal an den Nagel hängt, so wünschen wir ihm doch zum Geburtstag weiterhin Bratwurst mit Sauerkraut – und viele, viele junge Leser!
– Otfried Preußler: Der Räuber Hotzenplotz. Jubiläumsauflage Band 1-3, Thienemann-Verlag, Stuttgart 2012, jeweils 12,95 Euro.
– Ausstellung "50 Jahre Der Räuber Hotzenplotz" noch bis 15. September, Württembergischen Landesbibliothek, Konrad-Adenauerstr.8, Stuttgart.
Autor: Marion Klötzer



