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07. April 2009

Siebenjähriger fliegt aus Bus, Schwester muss bleiben

Weil die Schülermonatskarte zu Hause liegen blieb / Die Bahn verspricht, Vorwürfe gegen ihre Südbadenbus-Tochter zu prüfen

"Kann man von Kindern denn nicht die Personalien aufnehmen und die Existenz einer Regiokarte auf diese Art und Weise überprüfen?" Sybille Schick ist noch immer empört. Ihr siebenjähriger Sohn Paul, ein Erstklässler, ist am vergangenen Donnerstag gegen 13.30 Uhr an der Haltestelle am Schillhof im Stadtteil Mooswald aus einem Fahrzeug der Südbadenbus-Gesellschaft (SBG) geflogen, weil seine Regiokarte zu Hause lag. Pikant dabei: Seiner neunjährigen Schwester Clara, die daraufhin mit ihm aussteigen wollte, sei das vom Busfahrer verwehrt worden. Außerdem hielt der Fahrer anschließend nicht an der nächsten Haltestelle Berliner Allee, obwohl die Neunjährige ausdrücklich danach gefragt habe. So die Darstellung der Mutter der beiden.

Zusammen mit der Schwester und deren Freundin war der Siebenjährige an der Falkenberger Straße in den Bus gestiegen. Während die beiden Mädchen dem Fahrer ihre Schülerkarten zeigten, kramte Paul noch suchend in seinem Ranzen – erfolglos. Das Monatsticket war nach einem Schulausflug am Tag zuvor im Rucksack geblieben – und der lag zu Hause. Der Bus fuhr los, so die Mutter, und an der Haltestelle Schillhof hieß es für den Siebenjährigen: "Aussteigen".

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Dass Kinder Züge verlassen müssen, weil sie keine Fahrkarte bei sich haben, das hat in den vergangenen Monaten bundesweit Wellen geschlagen. Auch auf der Höllentalbahn und im Markgräflerland hat es solche Fälle gegeben. Während die Bahn Besserung gelobte und versprach, ihre Mitarbeiter entsprechend zu schulen, scheint das bei der Bahntochter Südbadenbus noch nicht angekommen zu sein. Der Siebenjährige – sonst mit der VAG-Linie 10 unterwegs zum Zuhause in der Blücherstraße – musste sich vor versammelter Mannschaft "Schwarzfahrer" nennen lassen. Alle Beteuerungen der Schwester, die ihm zum Verwechseln ähnlich sieht, und deren Freundin halfen nichts. Nach dem Einstieg in der Nähe der Paul-Hindemith-Schule war am Schillhof Endstation. "Dabei hätte sich der Fahrer nur die Nummer der Stammkarte von Pauls Schüler-Regiokarte geben lassen müssen", klagt Sybille Schick.

Eine Bahn-Sprecherin in Stuttgart versprach gestern den Vorfall zu prüfen. "Eigentlich haben wir da ein System", sagt Anna Mangos, Geschäftsstellenleiterin beim Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF), der Dachorganisation aller Verkehrsunternehmen in der Region, zu denen auch die SBG zählt. Danach bekommen die Kinder ein Kontrollblatt mit Durchschlag für die Eltern – und werden mitgenommen.

"Das kommt schon vor, dass zum Monatsanfang jemand seine alte Regio-Karte vorzeigt", sagt Andreas Hildebrandt von der Freiburger Verkehrs AG. Wem’s passiert, der bekommt einen Zahlschein. Kann er seine reguläre Monatskarte anschließend beim Kundenservice vorlegen, kann er den Schein zerreißen. "So machen wir’s auch bei Schülerfahrkarten", sagt Hildebrandt. "Rausgeflogen ist bei der VAG noch kein Kind." Übrigens: Paul fand zu Fuß nach Hause.

Autor: Hans-Henning Kiefer