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03. Februar 2012
Amtsverweser und Forstwirt
Karl Stratz wird heute 90.
SIMONSWALD (hjwe). Heute, am Freitag, feiert der Alt-Schurtenbauer Karl Stratz seinen 90. Geburtstag. Mit sechs Geschwistern ist er auf dem Hof aufgewachsen. Nach der Schulzeit arbeitete er in der Landwirtschaft. Kaum 20 Jahre alt, wurde er zur Wehrmacht einberufen. Er kam zu einer Eliteeinheit des Heeres und war im Krieg vor Moskau dabei. Später kam er zum Wachbataillon ins Führerhauptquartier, erzählt er und dass er Ende 1945 wieder gesund nach Hause kam.
Sein weiteres Leben war zum Glück friedvoller: Im Jahre 1949 heiratete er Erika Haberstroh vom Oberen-Nonnenbachhof und übernahm den elterlichen Hof, den er mit ihr bis 1988 mustergültig bewirtschaftete. Für seine Verdienste um die Forstwirtschaft wurde ihm die Silberne Staatsmedaille verliehen. 1951 hat er den ersten Traktor angeschafft, hat aber trotzdem mit dem Ochsengespann die Felder und Äcker wegen der Steillage bewirtschaftet. Er war noch ein Bauer vom alten Schlag, der noch Knechte und Mägde als Dienstboten hielt, bis in die 1960er Jahre.
27 Jahre war er im Gemeinderat tätig dazu 20 Jahre stellvertretender Bürgermeister, zuletzt noch Amtsverweser der Gemeinde. Er war auch Befürworter für die Gemeindereform und für den Zusammenschluss aller Simonswälder Gemeinden. Das Interesse an der Politik in der ganzen Welt ist groß bei ihm: "Man muss sich doch schließlich informieren und wissen, was geht".
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Man könnte ihm lange zuhören, wenn er aus dem Leben der Dorfbewohner von einst erzählt, Zahlen und Daten noch im Kopf hat, als wäre es erst gestern gewesen. Der Sonntag ist ihm heilig: Ein Sonntag ohne Kirchgang und Stammtisch, das ist kein Sonntag. Er ist auch Mitgründer der Obertäler Feuerwehr und war 25 Jahre aktiver Imker. Ruhestand kennt er nicht: Jeden Tag hilft er auf dem Hof mit, wo es was zu schaffen gibt. "Das hält doch jung", meint er. Reisen hat er auch gemacht, unter anderem nach Moskau, Kanada und an den Bosporus.
Heute kommt seine Großfamilie zusammen: Seine sieben Kinder, 13 Enkel und 2 Urenkel feiern mit ihm. Er hat im Leben viel erreicht und erlebt und ist Gott dankbar, dass er so alt werden darf. "So long mirs kriege – nemme mirs halt", sagt er und meint damit die Gesundheit und noch ein paar Lebensjahre.
Autor: hjwe
