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19. Juni 2017

Hoch hinauf, damit zwei Buben gesund werden

Sven Baumer aus Simonswald will Ende Juli auf den höchsten Berg Afrikas / Und sammelt damit Spenden für zwei Kinder mit einer seltenen Krankheit.

  1. Der Kilimandscharo, hier etwas fantasievoll und zu Kolonialzeiten – ein Gemälde von Rudolf Hellgrewe. Foto: Privat

  2. Sven Baumer beim Kilimandscharo-Training auf der Hohen Steig: 1003 Höhenmeter statt knapp 5895 – noch etwas Luft nach oben. Foto: regina Lorenz

SIMONSWALD/WALDKIRCH. Auf den Kilimandscharo klettern und dafür Spenden sammeln: Eine Fasnachtsidee zwischen dem Sportler Sven Baumer und Manfred Göpfrich vom Verein "Hoffnung für Kinder im Elztal" war es – dabei ist der Anlass wirklich nicht lustig: Zwei Kinder brauchen eine Operation, damit sie wieder laufen können – und Sven Baumer will mindestens mal einen Teil der Kosten dafür erklettern.

Baran und Bahoz sind Cousins. Ein tragischer Zufall hat die beiden Familien aus Kollnau gleich doppelt getroffen. Beide Jungen leiden unter dem Tibialen Aplasie-Ektrodaktylie-Syndrom oder kurz: Dem Tibiadefekt. Nur eines von einer Million Neugeborenen ist von dieser Erbkrankheit betroffen. Die Symptome: Die Knochen, die den Unterschenkel bilden, fehlen oder sind stark fehlgebildet. Patienten, die am Tibiadefekt leiden, können nicht selbstständig stehen und nur schwierig oder nicht laufen. Beide Kinder – zwölf und drei Jahre alt – sind schon mehrfach operiert worden, tragen Orthesen und leiden dauerhaft unter Schmerzen. Eine Amputation ist oft die letzte Möglichkeit. In den USA allerdings gibt es einen Arzt, der Heilung verspricht. Dr. Dror Paley hat Baran und Bahoz bereits untersucht und bestätigt, dass insgesamt drei Operationen die Jungs soweit heilen könnten, dass sie laufen, Radfahren, rennen, Fußball spielen könnten – Dinge machen, die Buben eben so machen. Aber das Ganze ist sehr teuer und wird von deutschen Krankenkassen nur zu einem kleinen Teil gezahlt.

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Und da kommt die Fasnacht ins Spiel: Bei dieser Gelegenheit erzählte Sven Baumer dem Narrenzunftkollegen Manfred Göpfrich von seinen sportlichen Plänen. Seit Jahren klettert er in den Alpen, lief schon mehrmals Marathon und nimmt an Bergläufen teil. Bei einem Seminar von Extremkletterer Hubert Schwarz bekommt er ein neues Ziel: Den höchsten Berg Afrikas ersteigen, den Kilimandscharo. Den Gesundheitscheck macht er im September 2016 – Ende Juli 2017 geht es jetzt los. Aber ist das alles? "Meine Frau und ich haben uns immer schon gedacht, dass wir uns sozial mehr engagieren wollen", sagt der 41-jährige Baumer.

Manfred Göpfrich ist Vorsitzender der Narrenzunft Burghexen und auch von "Hoffnung für Kinder im Elztal und Seitentälern e.V.". So entsteht die Idee zur Spendenaktion "Bergauf". Inspiriert wird Baumer von einem Buch von Christel Zachert. Sie erstieg ebenfalls den Kilimandscharo, sammelte für jeden Höhenmeter Geld. Genauso funktioniert "Bergauf" auch. Das gibt dem "Kili"-Projekt einen ganz anderen Stellenwert und bringt die Baumers zum Nachdenken: "Wollen wir diese Öffentlichkeit?" Das erzeugt viel Druck. Andererseits braucht Sven Baumer das. Als er seine Marathons vorbereitete , erzählte er ganz vielen Leuten davon: "Da konnte ich nicht mehr zurück".

Schnell war klar: Die Unterstützung ist riesig. Seine Kollegen von der Deutschen Vermögensberatung unterstützen ihn, eine Krozinger Agentur bastelt eine Webseite für die Aktion und zum Spendensammeln. Und bald kommen erste Firmen, die spendenbereit sind.

Seitdem wird das Training intensiviert. Auf den Kilimandscharo steigt man ja nicht wie auf den Kandel. "Es ist zwar kein Kletterberg mit Felssteigen und Seillängen – aber die Höhe macht ihn sehr anspruchsvoll", sagt der dreifache Familienvater. 20 000 Menschen pro Jahr versuchen, den "Kili" zu bezwingen, die Hälfte scheitert. Dabei hört es sich so leicht an: Zwei Tage Anreise, sechs Tage Auf- und Abstieg, zwei Tage Erholung und Rückreise. Doch dazwischen liegen etwa 4000 Höhenmeter hoch und runter zu Fuß. Am Fuß des Bergs subtropischer Regenwald, oben Schnee und Kälte. Maximal 25 Kilo Gepäck auf dem Rücken. Am Gipfeltag 13 Stunden Gehzeit. Schlafen in Zelten.

Es hört sich leicht an, ist aber sehr hart

Wie trainiert man für so etwas im Schwarzwald? " Bergläufe", sagt Sven Baumer, und im Dolomitenurlaub trug er seine kleine Tochter in der Kraxe – um das Gepäck zu simulieren. Zudem hat der selbständige Vermögensberater Klettererfahrung aus den Alpen. Klar aber ist, dass es ein großes Abenteuer wird und "ohne die Unterstützung der Familie nicht geht", Baumer ist dankbar für sein großartiges soziales Umfeld. "Das ist kein Egotrip, ich allein würde das ja nie schaffen".

Und so schließt sich der Kreis zum "Bergauf"-Projekt. Die beiden Jungs Baran und Bahoz schaffen es auch nicht allein. Und so klettert ein fast Fremder für sie auf einen afrikanischen Berg, damit sie hoffentlich wieder laufen können. 400 000 Euro werden gebraucht. "Ich bin nicht vermessen und denke, wir schaffen alles – aber wir wollen etwas dazu beitragen". Und vielleicht ist das ja nicht das letzte Projekt dieser Art.

Wer helfen will: Für jeden der 5895 Meter, die der Berg hoch ist, einen bestimmten Betrag oder einfach eine Pauschalsumme spenden. Formulare dafür gibt es auf der Webseite des "Bergauf"-Projekts (http://www.baran-bahoz.adimals.de Sven Baumer wird dort auch mit einem Blog über seinen Aufstieg berichten.

"Hoffnung für Kinder im Elztal" (http://www.hoffnung-fuer-kinder-im-elztal.de/ Der Verein sammelt für die Operationen von Baran und Bahoz (http://www.helft-bahoz.de

Autor: Regina Lorenz