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11. August 2012
Simulation hilft gegen Prüfungsangst
Ausbildung im Christlichen Jugenddorf erhöht die Chancen auf einen Job / Test-Kochen unter Echt-Bedingungen als Vorbereitung.
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Gut geübt ist halb bestanden – das CJD setzt auf Prüfungssimulationen (v. l.) : Jinito de Lorez, Azubi im Fachbereich Gastronomie, Alexandra Groß, Ausbildungsleiterin Gastronomie, Sarina Lang und Sero Osmanov, Azubis Beikoche, dahinter Schulleiter Mark Bühler, Kurt Maier, Ausbilder (r.). Foto: Ullmann
OFFENBURG. Die im Christlichen Jugenddorf Offenburg absolvierten Ausbildungen sind erfolgreich und vermitteln Chancen für die Azubis auf einen Job. Dafür sprechen laut Mark Bühler, Schulleiter im Christlichen Jugenddorf, auch die Zahlen.
So haben mehr als 40 Prozent der 77 Abgänger in den drei Ausbildungsbereichen Wirtschaft, Gartenbau und Ernährung eine Arbeitsstelle. Im Bereich Gartenbau sind es sogar über die Hälfte, nämlich 17 von 33 Abgängern. Im Bereich Ernährung, wo Hauswirtschafterinnen, Köche und Beiköche sowie Fachkräfte für das Gastgewerbe ausgebildet werden, haben immerhin zehn der 28 Absolventen bereits eine Arbeitsstelle. Im Bereich Bau/Farbe/Holz/Metall endet die Ausbildung erst im September, hier liegen laut Bühler deshalb noch keine Zahlen vor. Sechs der zehn Azubis im Bereich Holzfachwerker hätten jedoch bereits Arbeitsverträge. Die Lehrzeit beträgt Bühler zufolge in der Regel drei Jahre. Sie kann jedoch unter Umständen bis zu fünf Jahren dauern, da manche der lernbehinderten Azubis in speziellen schulischen Maßnahmen zur Ausbildungsreife geführt werden. Auch wenn es – wie es in den letzten Wochen der Fall war – um den Berufsabschluss geht, investieren Azubis und die Ausbilder des Jugenddorfs viel Zeit in eine gute Vorbereitung.Werbung
Im gastronomischen Bereich zum Beispiel gab es in diesem Jahr an drei Abenden eine Prüfungssimulation – unter Echt-Bedingung! Denn die Beikoch-Azubis bekochten dabei jedes Mal zwischen 18 und 25 externe Gäste mit einem Drei-Gänge-Menü, die Gastgewerbe-Fachkräfte deckten ein, servierten, berieten bei der Weinauswahl. "Das nimmt ein bisschen den Prüfungsdruck", erklärt Kurt Maier, einer von drei Koch-Ausbildern im Jugenddorf. "Die Azubis werden mit der Situation vertraut. Natürlich sind sie bei der Prüfung trotzdem aufgeregt, was normal ist. Aber die Situation ist nicht mehr ganz so neu." Dazu tragen auch die externen Gastprüfer bei. Die essen kritisch mit und sprechen mit den Lehrlingen und ihren Ausbildern durch, was gut war, was verbessert werden sollte.
Dasselbe macht auch Alexandra Groß, die Ausbilderin des künftigen Servicepersonals, mit ihren Schützlingen. Für die Azubis ist es ein aufregender Abend, für die Gäste ein eher entspannter. Sie werden im Restaurant am Sägeteich auf dem Jugenddorf-Gelände in schön hergerichteten Räumen an schön hergerichteten Tischen bedient. Shrimps, Schweinemedaillons und Erdbeeren sind seitens der Prüfungskommission in diesem Jahr für die drei Gänge vorgesehen. Die sechs Beikoch-Azubis müssen um diese Zutaten selbständig ein Menü planen und erstellen. Entsprechend gibt es sechs unterschiedliche Menüs, die nach dem Zufallsprinzip an die Gäste ausgeteilt werden. Etwa Blattsalat mit Shrimps und Balsamico-Dressing, Schweinemedaillon an Pfifferlingrahmsauce und als Dessert Panna Cotta im Erdbeerbeet. Dazu gibt es unterschiedliche Weiß- und Rotweine.
Die Kochausbilder greifen nicht ein, sie überwachen lediglich, und auch Alexandra Groß lässt es Laufen. Durchgesprochen wird hinterher. "Klar passieren Fehler", sagt Alexandra Groß, "aber sie merken es mittlerweile von selbst." Es sei wichtig, gemeinsam mit den Azubis herauszufinden, wo ihre Talente liegen und diese zu fördern. Manche seien besser im rückwärtigen Service-Bereich aufgehoben, andere fühlen sich wohl im Umgang mit den Gästen. Zu denen gehört der junge Mann mit dem klangvollen Namen Jinito de Lores, ein Charmeur – und der geborene Kellner. Der junge Mann aus Friesenheim fand keine Lehrstelle und entschloss sich, es beim Christlichen Jugenddorf zu versuchen. "Es war eine gute Entscheidung", sagt er.
Sero Osmanov kam über die Waldbachschule zum Jugenddorf, eine Förderschule. Er sei der Schlimmste dort gewesen: "Ständig zu spät! Aber das hat sich gebessert." Er ist voller Energie, offen, optimistisch, nicht leicht unterzukriegen. Sarina Lang bekommt von ihrem Ausbilder Kurt Maier bescheinigt, dass sie der Team-Typ sei: "Sie sieht die Arbeit." Hektik dagegen sei nicht ihre Sache, das weiß die blonde junge Frau selbst. Sie hofft auf einen Arbeitsplatz in einer sozialen Einrichtung: "Das würde ich sehr gern machen."
Autor: Robert Ullmann



