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08. August 2012

Russland

Prozess gegen die Band Pussy Riot

Verteidiger der russischen Band Pussy Riot fordern Freispruch / Staatsanwalt will drei Jahre Haft.

MOSKAU. "Nur" jeweils drei Jahre Haft hat Staatsanwalt Alexander Nikiforow am Dienstag als Strafe für Maria Aljochina, Nadeschda Tolokonnikowa und Jekaterina Samuzewitsch verlangt. Die drei jungen Frauen – Mitglieder der feministischen Punk-Gruppe Pussy Riot – hatten kurz vor der russischen Präsidentenwahl Anfang März auf dem Altar der Moskauer Christ-Erlöserkirche ein Gebet um Vertreibung Wladimir Putins an die Gottesmutter gerichtet und dabei in "Narrenkleidung" die orthodoxe Liturgie verballhornt. So jedenfalls steht es in der Anklage, die auf "groben Unfug zwecks Anstiftung zu religiösem Hass" lautet. Darauf stehen nach russischem Recht bis zu sieben Jahre Haft.

Doch es war ausgerechnet Putin höchstselbst, der am vergangenen Donnerstag für Gnade warb: Die Performance in der Kirche sei nicht gut gewesen die drei Punkerinnen hätten ihre Lektion jedoch gelernt, das Urteil sollte daher "nicht zu hart ausfallen". Sogar die Anwälte der Pussy-Frauen, die kurz zuvor noch die Abhängigkeit der russischen Justiz bejammert hatten, sahen in Putins Worten "den Wendepunkt des Prozesses". Kenner der Materie halten es für unwahrscheinlich, dass das Urteil, das womöglich schon diese Woche verkündet wird, den Strafrahmen von sieben Jahren voll ausreizt. Die Verteidigung indes plädiert auf Freispruch und führt dazu immer neue, gewichtige Argumente ins Feld. Etwa die des Verbandes der Verbraucherschützer: Nach dessen Erkenntnissen ist das Gotteshaus nicht Eigentum der Kirche, wurde dieser von der Stadt Moskau lediglich zur Nutzung überlassen und ist demzufolge ein öffentlicher Ort. An dem aber, so argumentiert die Verteidigung, sei nichtliturgisches Singen und Hopsen ohne Einschränkung erlaubt.

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Autor: Elke Windisch