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14. Juli 2012

Sinnvolle und praktische Ergänzung

Reise-Apps fürs Smartphone unterscheiden sich redaktionell kaum von den gedruckten Reiseführern.

  1. Foto: BZ

Mit dem Baedeker in der Hand durch Venedig streifen hat Stil – und ist ziemlich "old school". Denn die Technik des 21. Jahrhunderts macht es inzwischen möglich, auf gedruckte Reiseführer zu verzichten und – so das Werbeversprechen der Softwarehersteller – beim Erkunden fremder Städte mittels Smartphone viel mehr Nutzwert zu haben als früher.

Etwas mehr als jeder dritte Deutsche besitzt inzwischen ein Smartphone – angesichts dieser Zahl klingt der Ansatz ebenso verlockend wie logisch: Warum nicht auf einem Gerät, das sowieso immer greifbar ist, Informationen zu fremden Städten abrufen, Restauranttipps lesen, Stadtkarten anzeigen und dafür auf den unhandlichen Reiseführer verzichten?

Bedenkenträger werden den Einwand vorbringen, dass der Abruf von Daten im Ausland immer noch sehr teuer ist. In der EU ist der Preis pro Megabyte seit dem 1. Juli zwar auf 50 Cent beschränkt, aber ein Smartphone funkt ziemlich unberechenbar vor sich hin. Deshalb gilt eigentlich immer: Datenroaming ausschalten! Dann funktionieren allerdings E-Mail, Internet und Kartenabruf nur noch im W-LAN, zum Beispiel im Hotel. Darauf haben sich die Hersteller von Reiseführer-Apps eingestellt und bieten ihre Software in der Regel offline-fähig an. Das bedeutet, dass mit dem Programm schon vor der Reise alle relevanten Daten auf das Telefon geladen werden und so ohne Mehrkosten im Ausland die Funktionen des Reiseführers genutzt werden können.

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Meist unterscheiden sich die redaktionellen Inhalte der Reiseführer-Apps kaum von den
gedruckten Pendants, sind aber speziell für den kleinen Bildschirm aufbereitet und bringen Smartphone-spezifische Erweiterungen mit, zum Beispiel die Möglichkeit, mit einem Knopfdruck im gerade betrachteten Restaurant anzurufen, um einen Tisch zu reservieren. Gute Reise-Apps haben auch eine routingfähige Offline-Kartenfunktion, mittels derer es kein Problem     mehr ist, den   schnellsten Fußweg zum Buckingham-Palast zu finden und auf dem Weg dorthin noch schnell zwei weitere empfohlene Sehenswürdigkeiten mitzunehmen. Ebenso sind in der Regel sogenannte Points of Interest wie zum Beispiel Restaurants, Bankautomaten, Apotheken enthalten und lassen sich mittels GPS kostenlos ansteuern.

Manche Apps bieten sogar einfache Übersetzungsfunktionen. Wer die Landessprache nicht spricht, klickt einfach den gewünschten Satz an und lässt das Smartphone für sich sprechen. Die Antwort des Muttersprachlers kann das Gerät freilich (noch) nicht übersetzen.

Zwei entscheidende Nachteile weisen allerdings alle elektronischen Reiseführer gegenüber den gedruckten Ausgaben auf: Der Bildschirm aller Smartphones ist wesentlich kleiner als eine Buchseite und kann deshalb viel weniger Informationen auf einmal darstellen. In einem Buch kann viel schneller mal eben zwei Seiten zurückgeblättert werden, als sich bei einem Smartphone die gewünschte Funktion ansteuern lässt. Außerdem kann es beim altehrwürdigen Baedeker nie passieren, dass plötzlich der Akku leer ist.

Smartphone-Reiseführer, das zeigen Beliebtheitsranglisten der App-Portale, sind noch nicht ganz bei den Anwendern angekommen. Den besten Ansatz haben deshalb die Verlage, die Reiseführer-Apps als Gratiszugabe zur Papiervariante liefern. Sie haben erkannt, was die Programme am ehesten darstellen: eine sinnvolle und praktische Ergänzung zur gedruckten Ausgabe.

Autor: Matthias Weniger


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