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16. Februar 2010

Heute ein König

Der Schweizer Didier Defago gewinnt im Alter von 32 Jahren überraschend den Abfahrtslauf.

  1. Der Mann weiß, wie man sich freut: Didier Defago gewinnt die Königsdisziplin. Foto: DPA

WHISTLER (dpa). Die Olympia-Abfahrt ist weiter nicht das Terrain der Favoriten: Didier Defago aus der Schweiz hat zum Auftakt der alpinen Entscheidungen in Whistler überraschend die Königsdisziplin gewonnen. Im Ziel ließ sich der 32-Jährige rückwärts in die Bande fallen, stand dann als Triumphator von Whistler-Creekside wieder auf, riss jubelnd die Arme in die Höhe und schrie die Freude lauthals hinaus.

Am Pistenrand feierten am Montag die eidgenössischen Fans mit übergroßen Kuhglocken – ihnen war egal, dass der "falsche" Didier gewonnen hatte – nicht ihr Gold-Kandidat Cuche, sondern Defago. "Olympiasieger klingt sehr, sehr gut. Ich bin sehr, sehr zufrieden. Es ist nicht einfach, wenn man immer bei einem Großereignis hohe Ziele hat – und es nicht erreicht. Heute hat es endlich geklappt", sagte Defago nach dem Hundertstel-Duell.

Der Außenseiter, der bislang nur Edelmetall bei einer Junioren-WM gewonnen hatte, schlug den Favoriten und den "Canadian Cowboys" ein Schnippchen. Silber ging an Aksel Lund Svindal (Norwegen), Bode Miller (USA) holte Bronze – beide lagen mit 7/100 und 9/100 Sekunden nur einen Wimpernschlag von der Spitze entfernt. Der Ebinger Stephan Keppler verpasste die erhoffte Top-Ten-Platzierung deutlich und fuhr nur auf Platz 24. "Ich war ja heute leider nur Nebendarsteller. Ich hoffe, dass im Super-G mehr drin ist", kommentierte Keppler. Mit dem nicht erwarteten Coup von Whistler setzte der dreimalige Olympia-Teilnehmer Defago, dem ersten für die Schweiz seit Pirmin Zurbriggen vor 22 Jahren, die große Olympia-Tradition von Abfahrts-Überraschungen fort. Bill Johnson (USA/1984), Tommy Moe (USA/1994), Jean-Luc Cretier (Frankreich/1998) oder Antoine Deneriaz (Frankreich) hießen Abfahrts-Außenseiter vor dem dreimaligen Weltcup-Gewinner Defago, der aber immerhin schon bei den Klassikern in Kitzbühel und Wengen gewinnen konnte. Bei einem Großereignis konnte der Bauzeichner aber noch nie seinen Erfolgsplan verwirklichen – einmal war er WM-Vierter. Mit 32 Jahren und 4 Monaten ist Defago der älteste Abfahrts-Olympiasieger.

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Die Favoriten nach ihm wie Didier Cuche (Schweiz), Manuel Osborne-Paradis (Kanada) oder der nach einem wilden Ritt gestürzte Whistler-Lokalmatador Robbie Dixon bissen sich an der vorgelegten Zeit die Zähne aus. "An diesem bestimmten Tag alle vier Jahre musst du halt mit den richtigen Beinen aufstehen", sagte ARD-Experte Markus Wasmeier. Dann könne man als Fahrer aus dem erweiterten Kreis eben auch die Favoriten schlagen. Auch Miller und Svindal hatten in der Weltcup-Saison noch keine Bäume ausgerissen und holten sich die ersten olympischen Abfahrt-Medaillen. "Ich wollte perfekt fahren – ich weiß auch, wo ich die Fehler gemacht habe. Aber ich bin sehr glücklich über die Medaille", meinte Miller.

Zwei Tage vor der Frauen-Abfahrt mit Maria Riesch und der amerikanischen Top-Abfahrerin Lindsey Vonn am Mittwoch konnten die Eidgenossen die erste alpine Goldmedaille dieser Spiele einfahren. Dagegen ging der Alpin-Rivale Österreich wie in dieser Weltcup-Saison in der Abfahrt wieder leer aus. "Aus rot-weiß-roter Sicht laufen die Spiel zäh an. Nach fünf Bewerben, in denen realistische Medaillenchancen bestanden, ist die Ausbeute mit einer Bronzemedaille dürftig", sagte Alpin-Chef Hans Pum.

Autor: dpa