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28. Dezember 2010 16:20 Uhr

Sportlegende

Nachruf: Fredy Stober – der unbequeme Funktionär

Fredy Stober, der Gründer des Badischen und des Deutschen Sportbundes, ist im Alter von 100 Jahren gestorben. Es war ein Abschied in aller Stille von einen unbequemen Funktionär und einem der ganz Großen des Sports in der Region.

  1. Sein letzter großer Auftritt: Fredy Stober bei der Feier seines 100. Geburtstags im Historischen Kaufhaus in Freiburg. Foto: Rita Eggstein

Der Festakt war zugleich ein Kraftakt für Fredy Stober. Mit größter Anstrengung meisterte der Hundertjährige Ende September im Historischen Kaufhaus seiner Heimatstadt Freiburg seinen letzten öffentlichen Auftritt. Der Badische Sportbund wollte mit großem Aufwand den runden Geburtstag seines Ehrenpräsidenten feiern, doch Stober war gesundheitlich schon so sehr angeschlagen, dass sein Arzt ihm jede Aufregung verboten hatte. Stober bündelte seine Kräfte, denn es war sicher auch der Wunsch des wichtigsten Funktionärs der Nachkriegszeit in Baden, noch einmal anerkannt zu werden für sein Wirken.

Der "Patriarch des Sports" formte, entwickelte und begleitete den Vereinssport in der Region wie kein Zweiter. Er zählte zu den Gründern des Badischen und des Deutschen Sportbunds. Über Jahrzehnte prägte er den Skisport, war Präsident des Skiverbands Schwarzwald und in den 1950er Jahren auch des Deutschen Skiverbands. Südbadens Golfer und Tennisspieler verdanken Stober viel.

Seinen Herzenswunsch, eine umfassende Chronik des Wintersports in der Region zu verfassen, konnte er sich nicht mehr erfüllen. Seine Autobiografie ("Ein Leben mit dem Sport") stellte mit 98 Jahren noch fertig.

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Stober war kein bequemer Funktionär, eigentlich wollte er gar keiner sein, er verstand sich als Helfer und Begleiter der Athleten. Klüngel, Machtpoker, Kungeleien und politisches Geschacher der Funktionärsszene waren ihm verhasst. Stober geißelte den Einfluss des Geldes auf den Sport, und er war kein Freund von Versuchen, mit sportlichen Erfolgen nationales Prestige zu erlangen.

Stober kämpfte gegen Doping. Er tat es und redete nicht nur dar über, zumindest in der Anfangszeit. Medikamente zur Leistungssteigerung fanden in den medaillenträchtigen Sportarten seit den 1970er Jahren auch in Westdeutschland weite Verbreitung. Als ein Freiburger Sportmediziner sich auch über Schwarzwälder Wintersportler hermachen wollte, schob Stober ihm einen Riegel vor und sagte: "Mit meinen Jungs tust du das nicht."

Stober sah aber auch, dass der westdeutsche Sport Freiburgs Mediziner damals in eine Schlüsselrolle manövrierte, über die strengstes Stillschweigen zu bewahren war. Die Ärzte sollten Doping nicht nur erforschen und decken, sondern auch regulieren, Auswüchse stoppen und "Schlimmeres verhüten" – so der Schlüsselsatz in den Rechtfertigungsversuchen der Mediziner. Stober bezog hinter den Kulissen klar Stellung und gehörte zu den glühenden Verteidigern namentlich seines Freundes Armin Klümper. Er hielt bis zuletzt Kontakt zu Freiburgs einst berühmtesten Sportarzt. Stober fühlte sich Klümper aus ganzem Herzen verbunden, wenn dieser sich gegen die allgemeine Heuchelei im Sport wehrte. Alle – Journalisten, Sponsoren, Politiker und Funktionäre – forderten zwar stets aufs Neue Erfolge. Wie diese dann aber zustande kämen, wolle man lieber nicht so genau wissen.

Stober wusste viel, man schätzte sein Wissen und suchte immer wieder seinen Rat. Manche fürchteten dieses Wissen auch. Er bat bis zuletzt, die Vergangenheit des Freiburger Sports ruhen zu lassen. "Was bringt es uns, wenn das jetzt alles hochkommt", sagte er in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Stober fügte hinzu, er selbst habe stets versucht, sich nur dann für eine Sache zu engagieren, wenn er etwas Gutes dabei bewirken könne. Viele haben ihn so kennengelernt. Er hat bis zuletzt gekämpft.

Stober starb am 18. Dezember, die Trauerfeier fand am Dienstag im engsten Familienkreis statt.

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Autor: Andreas Strepenick