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11. Januar 2012 00:08 Uhr
Interview
Böhler: "Hätte kurzzeitig die ganze Welt umarmen können"
BZ-Interview mit der Ibacher Langläuferin Stefanie Böhler, die aus der Tour de Ski viel Selbstvertrauen zieht – und das, obwohl sie die Veranstaltung vorzeitig beenden musste.
Zum dritten Mal in Folge musste Stefanie Böhler die Tour de Ski gesundheitlich angeschlagen abbrechen. Eine fiebrige Erkältung zwang die Langläuferin des SC Ibach am vergangenen Freitag zur Aufgabe. Dabei lag sie zu diesem Zeitpunkt auf Rang elf der Gesamtwertung und erlief mit den Plätzen acht in Oberhof und fünf in Toblach so gute Einzelresultate wie selten zuvor. Obwohl die 30-Jährige damit erneut zum Saisonhöhepunkt erkrankte, klang sie an ihrem Wohnort Ruhpolding im Gespräch mit Redakteur Matthias Kaufhold keineswegs missmutig.
BZ: Frau Böhler, braucht man für die Tour de Ski übermenschliche Kräfte?Böhler: Es ist schon eine extreme Strapaze, diese neun Etappen. Man muss aus besonderem Holz geschnitzt sein, um das wegzustecken, denn man geht jeden Tag an seine Grenzen. Ich kann mir aber nichts vorwerfen. Ich habe nach jedem Wettkampf Vitamine geschluckt und mir gleich wieder was Trockenes angezogen, auch wenn bei dem Dauerregen in Oberstdorf wirklich alles klatschnass war. Irgendwann hat mein Körper aber gesagt, jetzt ist es zu viel.
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BZ: Fehlt Ihnen die nötige Robustheit?
Böhler: Die Wettkämpfe, die ich absolviert habe, waren auf einem hohen Niveau, deshalb kann es nicht ganz so schlimm sein. Sicher bin ich ein anderer Typ als beispielsweise Katrin Zeller, die Sechste wurde und solche Belastungen anders wegsteckt. Doch man darf nicht lange hadern und muss nach vorne schauen. Das habe ich in den vergangenen drei Jahren gelernt.
BZ: Wie bewerten Sie Ihr Abschneiden bei der Tour?
Böhler: Auch wenn der Saisoneinstieg ziemlich verkorkst verlief, habe ich nach dem guten Training im Sommer ohne Ausfalltag gewusst, dass es irgendwann klappen muss. Ich habe in Ruhpolding um mich herum Leute wie den Bernd (Trainer Bernd Raupach, Anm. d. Red), die mehr an mich glauben als ich selbst. Das hat mir Mut gegeben, einfach weiterzumachen. Dass ich nach den vergangenen drei Jahren wieder so gut vorne mitlaufen kann, gibt mir viel Selbstvertrauen. Ich bin happy für die Momente, die ich in der vergangenen Woche erlebt habe. Ich hätte kurzzeitig die ganze Welt umarmen können, auch wenn es knapp am Podium vorbei war.
BZ: Wann wollen Sie wieder in den Weltcup zurückkehren?
Böhler: Ich will so schnell wie möglich auf die Füße kommen, doch erzwingen kann ich nichts. Da am kommenden Wochenende beim Weltcup in Mailand eh nur ein paar Sprinter von uns starten, könnte es vielleicht in der darauf folgenden Woche in Otepää klappen.
BZ: Der DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller will Langläuferinnen zu Biathletinnen ausbilden, um dort im Hinblick auf Olympia 2014 ein Nachwuchsproblem zu lösen. Was halten Sie davon?
Böhler: Ich hab davon gelesen, doch ich fand den Zeitpunkt ein wenig seltsam, da wir Langläuferinnen nun mit guten Ergebnissen aufwarten. Kein Ahnung, was ihn gerade jetzt dazu bewogen hat. Dass im Biathlon mehr Geld verdient wird, das wissen wir auch. Aber jede, die ihre Sportart ausübt, macht das mit Leib und Seele. Da kann man nicht einfach ein paar Läuferinnen rüberdelegieren. Abgesehen davon ist es nicht ganz so einfach, das Schießen zu erlernen.
BZ: Für Sie käme das also nicht in Frage?
Böhler: Wenn das Finanzielle für mich ausschlaggebend wäre, hätte ich mir das schon früher überlegt. Die Popularität von Biathlon gibt dir ja ganz andere Vermarktungsmöglichkeiten. Ich habe mein ganzes Sportlerleben lang für den Langlauf gearbeitet und werde nicht mehr allzu lange auf diesem Niveau weitermachen. Da jetzt für zwei Jahre zu wechseln, macht keinen Sinn.
Autor: mat
