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25. Februar 2010

"Ein Traum hat sich erfüllt"

BZ-Interview mit Tobias Bach von der SZ Breitnau, der den Rucksacklauf gewonnen hat.

  1. Tobias Bach und Frau Carina Foto: Ruoff

  2. Tobias Bach, SZ Breitnau Foto: Ruoff

SKILANGLAUF. Zwei Kinder spielen im Schnee, das Holzhaus ist dunkelrot gestrichen. Die Geschichte könnte aus Skandinavien stammen, sie spielt aber in Breitnau. "Ja, unser Leben ist nordisch angehaucht", sagt Tobias Bach (34) – er liebt Schnee, er liebt klassischen Skilanglauf, er mag die Natur und sein Holzhaus. Und er hat den 100 Kilometer langen Rucksacklauf von Schonach zum Belchen gewonnen. BZ-Redakteur Jürgen Ruoff hat sich mit ihm über den Erfolg, die Vereinbarkeit von Beruf und Sport und sein Engagement in der Skizunft Breitnau unterhalten.

BZ: Wie fühlt es sich an, wenn man nach 100 Kilometern das Ziel in Belchen-Multen als Sieger erreicht?

Bach: Da ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Als Hochschwarzwälder Langläufer beim Rucksacklauf mitzumachen ist schon eine tolle Sache, den dann auch noch zu gewinnen, ist unbeschreiblich. Ausgiebig freuen konnte ich mich auf den letzten Kilometern aber nicht. Jochen Burkart war nur kurz hinter mir, deshalb bin ich bis zum Schluss voll gelaufen. Ich habe mich nicht getraut, mich umzudrehen. Als ich mir kurz vor dem Ziel meiner Sache sicher war, habe ich dann vor Freude eine Gänsehaut bekommen.

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BZ: In der Siegerliste des Rucksacklaufs stehen Sie jetzt neben so klangvollen Namen wie Georg Thoma, Eduard König, Peter Zipfel und Walter Kuß.

Bach: Das waren alles Top-Langläufer und wenn man sich da einreihen kann, macht das einen schon stolz.

BZ: Wie entstand die Vorliebe für den klassischen Stil und lange Distanzen?

Bach: Ich war schon immer der Klassiker, auch in der Jugend und als Junior. Im klassischen Stil habe ich meine größten Erfolge erzielt. Und auch die Vorliebe für die Langstrecke war damals schon ausgeprägt. Als Junior war ich in Deutschland erweiterte Spitze, so zwischen Platz sechs und acht. Mit der Mannschaft haben wir mal Bronze bei der deutschen Meisterschaft gewonnen, in den Einzelrennen hat es nie für ganz vorne gereicht. Ich war mal Dritter bei einem Deutschlandpokal und Schwarzwaldmeister.

BZ: Der Rucksacklauf ist das härteste Skilanglauf-Rennen in Mitteleuropa, reduziert auf das Wesentliche: Sportler, Ausrüstung, Anstrengung, Weg, Ziel. Was muss man neben einer guten Physis mitbringen, um das Rennen gewinnen zu können?

Bach: Vor allem mentale Stärke, denn es ist ein sehr langes Rennen. Am Anfang darf man nicht zu schnell unterwegs sein, andererseits darf der Rückstand in Hinterzarten auch nicht zu groß sein, sonst hat man keine Chance mehr. Das richtige Tempo ist wichtig. Am Feldberg wird dann der mentale Aspekt immer wichtiger. Man muss das Ziel am Belchen klar vor Augen haben und darf nicht schwach werden. Die Versuchung, in Hinterzarten stehen zu bleiben oder am Feldberg zu resignieren, besteht schon. Auch ich hatte am Feldberg eine Schwächephase, da war ich leer, sonst wäre er mir (Anm. der Redaktion: Jochen Burkart, der Zweite) nicht weggelaufen. Tiefs gibt es in langen Rennen immer mal. Es gibt aber auch immer einen Weg heraus, wenn man nicht völlig blau ist.

BZ: Wie wichtig ist die Ernährung?

Bach: Die spielt eine große Rolle. Vor allem in den Wochen davor. Die Zufuhr von kohlenhydratreicher Nahrung, das sogenannte Carbo-Loading, am Abend vor einem langen Wettkampf, ist zwar wichtig, aber viel wichtiger ist, dass man sich das ganze Jahr über ausgewogen ernährt. Man sollte die Speicher über einen langen Zeitraum auffüllen. Ich bin nicht extrem, wir essen auch mal Süßes oder Pommes, aber generell ernähren wir uns gesund und mit Vollwertkost. Morgens esse ich am liebsten ein Frischkorn-Müsli, das war auch am Wettkampfmorgen so. Normalerweise sollte man vor Rennen nur leicht verdauliche Dinge essen, aber vor so einer langen Belastung darf’s auch mal ein Müsli sein. Während des Rennens habe ich Schwarztee mit Apfelsaft und einer Prise Salz getrunken, eine andere Mischung war mit Früchtetee. Gegessen habe ich die selbst gemachten Müsliriegel und einen speziellen Schokokuchen von meiner Mutter. In Hinterzarten gab es zudem eine Gemüse-Kartoffelsuppe von meiner Frau. Ich kam sehr gut ohne die üblichen Power-Riegel und Energie-Gels aus.

BZ: Sie haben viermal den langen Rucksacklauf beendet, sind einmal Fünfter geworden, einmal Dritter und einmal Zweiter. Ist Erfahrung eine Voraussetzung, um das Rennen gewinnen zu können?

Bach: Sie ist hilfreich. Man kennt jeden Abschnitt und weiß, wie man sich das Rennen einteilen muss. Aber grundsätzlich müssen am Renntag einfach mehrere Faktoren zusammenkommen, damit es klappt. Die Tagesform muss stimmen, der Ski muss passen und ich war sicher auch besser trainiert als in den Vorjahren. Ich habe nicht mehr Schnee-Kilometer gehabt als sonst. Ich weiß nicht genau, wie viel es waren, ich schreibe mir das nicht mehr auf. Ich gehe einfach trainieren, wenn es vom Geschäft und von der Familie her passt. Dieses Jahr habe ich aber vor allem im Herbst mehr gemacht. Am liebsten stehe ich auf die Skiroller, auf dem Rennrad war ich auch unterwegs. Im Sommer bin ich spontan in vier Tagen 650 Kilometer nach Riva an den Gardasee gefahren.

BZ: Trainieren Sie täglich?

Bach: Nein, das schaffe ich nicht. Das ist aber auch nicht nötig, wenn die Qualität des Trainings stimmt. Erholungspausen sind sehr wichtig für den Formaufbau. Für so ein langes Rennen wie den Rucksacklauf muss auch die Mischung der Trainingsreize stimmen. Ich bin den Brendschild mitgelaufen, um mich kurz und intensiv zu belasten und eine Woche vor dem Rucksacklauf war ich beim König-Ludwig-Lauf in Oberammergau am Start, das war ein Marathon über 42 Kilometer.

BZ: Sie sind Hufschmied, kein Beruf, bei dem man sich ausruhen kann. Was treibt Sie dennoch abends auf die Loipe?

Bach: Der Drang nach Bewegung in der Natur und am besten dazu im Schnee.

BZ: Ihre Frau hat erzählt, dass Sie abends oft mit der Stirnlampe unterwegs waren.

Bach: Ja, im Winter fällt mir das leichter als beispielsweise im Herbst. Die Verbindungsloipe von Breitnau zum Thurner führt nur wenige Meter hinter unserem Haus vorbei, bis zur Thurner-Rundloipe habe ich einen Kilometer. Ich ziehe abends am liebsten mit meiner Stirnlampe los, das ist mir lieber als Flutlicht-Laufen. Ich habe eine richtig gute Stirnlampe, die hat sogar Aufblendlicht.

BZ: Sie sind einer von drei Vorsitzenden der SZ Breitnau. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich ein junger Mann in der Vereinsführung engagiert.

Bach: Ich möchte dem Verein etwas zurückgeben, nachdem ich ihm viel zu verdanken habe. Wir hatten damals mit Helmut Hug einen tollen Trainer, der uns viel beigebracht hat. Seit drei Jahren bin ich nun im Vorstand, wir teilen uns dort die Aufgaben. Franz Lickert kümmert sich mehr um administrative Dinge, Isolde Ruf kümmert sich um unseren sehr großen Helferstab und ich mich um den sportlichen Bereich.

BZ: Sie trainieren selbst eine Gruppe von Nachwuchs-Langläufern im Alter von zehn bis 15 Jahren. Wo sehen Sie die Unterschiede zu Ihrer Generation?

Bach: In der Bereitschaft, an die Leistungsgrenze heranzugehen. Die war früher mehr vorhanden. In unserer Trainingsgruppe wollte jeder der Schnellste sein. Man musste uns mehr bremsen als antreiben. Das ist heute anders. Grundsätzlich bringen unsere Breitnauer Kinder aber sehr viel Bewegungsdrang mit. Darauf lässt sich aufbauen.

BZ: Mit dem Sieg beim Rucksacklauf hat sich ein Traum erfüllt. Welche Träume haben Sie noch?

Bach: Den, beim Wasalauf mitzumachen, habe ich mir 2006 und 2008 erfüllt. Da gab es Blaubeersuppe, die war klasse. Der Marcialonga in Italien und das Birkebeiner-Rennen in Norwegen, das ist auch ein Rucksacklauf, reizen mich noch. Eine große Herausforderung wäre es, einmal beim Arctic-Circle-Race in Grönland mitmachen zu können. Da gilt es in drei Tagen 160 Kilometer zu bewältigen. Allerdings fehlt mir für dieses Langlauf- Abenteurer noch ein Sponsor. Und beim Schwarzwälder Rucksacklauf werde ich immer wieder am Start stehen, wenn er stattfindet.

Autor: off