04. Februar 2009
Forscherin der Nebenhöhlen
SKI NORDISCH. Diese kleinen, gemeinen Parasiten. Ausgerechnet zum Zeitpunkt ihres bislang größten Einzeltriumphes nisteten sich diese fiese Viren in den Nebenhöhlen von Stefanie Böhler ein. "Ich habe schon auf der Pressekonferenz in Rybinsk gespürt, dass etwas nicht in Ordnung ist", bekennt die Langläuferin des SC Ibach. Direkt nach ihrem dritten Platz beim Weltcup in Russland am vergangenen Freitag erlebte sie die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Ihre Stimme am Telefon klingt am Dienstag so belegt, als ob sie sich eine Klammer auf die Nase gesetzt hätte.
Eigentlich kommt diese Erkrankung zur Unzeit. In 15 Tagen beginnt für die Langläuferinnen mit dem Klassisch-Rennen über zehn Kilometer die Weltmeisterschaft in Liberec. Während ihre deutschen Teamkolleginnen seit Montag in Toblach die WM-Vorbereitung in Angriff nehmen, lässt sich Böhler mit Tees und Vitaminen von der Familie ihres Freundes Josef Wenzl in Zwiesel gesund pflegen. "Der Gluckeninstinkt meiner Eltern in Ibach wäre sicher auch gut gewesen", sagt Böhler. Doch in Zwiesel lässt sich bis Donnerstag noch mit dem Freund kuscheln, ehe die deutsche Sprint-Hoffnung Wenzl selbst nach Toblach aufbricht.
Spätestens mit ihrem ersten Podestplatz in einem Weltcup-Einzelrennen ist die 27-jährige Ibacherin unversehens in die Rolle der Frontfrau des deutschen Langlaufsports geschlüpft. Claudia Nystad und Evi Sachenbacher-Stehle konnten beim Massenstart-Rennen in Rybinsk auf der letzten Schleife nicht mehr mithalten. "Es war ein brutales Gedränge", sagt Böhler. Zwei Runden lang sei sie stets damit beschäftigt gewesen, ihre Position zu finden. Am letzten Anstieg arbeitete sie sich aber im Schlepptau der Norwegerin Kristin Steira in eine günstige Position. "Ich fühle mich am Berg so stark, dass ich da auch mal fünf Positionen gut machen kann." Und dann schlüpfte sie auf der Zielgeraden im richtigen Augenblick aus dem Windschatten und skatete noch auf Rang drei. Als Elfte steht Böhler im Gesamtweltcup so gut da wie noch nie.
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Dass die Temperaturen im Ural anschließend in den Keller wanderten und das Verfolgungsrennen am Sonntag bei minus 22 Grad ausfiel, konnte Böhler nachvollziehen. Leid tat’s ihr nur um die begeisterungsfähigen Zuschauer. "Die kamen bei dem Wetter selbst in Stöckelschuhen an die Strecke." Wenn da die Viren nicht neue Höhlen gefunden haben.
Autor: Matthias Kaufhold





