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10. Januar 2012 00:06 Uhr
Deutschland-Pokal
Kanadische Langläufer fühlen sich am Notschrei wohl
Viel Wald, breite Straßen und jede Menge Möglichkeiten zum Überholen. Kein Wunder, dass sich die Skilangläufer aus Kanada im Nordic-Center Notschrei fast wie zu Hause fühlten.
Beim Deutschlandpokal, der durch die Teilnahme von Athleten aus Nordamerika, Australien und Brasilien zu Rennen des internationalen Skiverbands (FIS) aufgewertet wurde, prägten zwei Topkräfte aus Kanada das Geschehen.
Len Väljas kam sich am Samstag vor wie auf einer Autobahn. "Die Strecken hier sind so breit wie unsere Highways – perfekt", urteilte der 23-jährige Langläufer aus Toronto. Im Finale des Männersprints ging der Kanadier möglichen Rangeleien frühzeitig aus dem Weg. Schon beim Start setzte sich Väljas an die Spitze des sechsköpfigen Feldes und zog an den beiden folgenden Anstiegen mühelos davon. Der Sieg sah so spielend leicht aus, doch Väljas, der tags darauf über zehn Kilometer Freistil (23:25,1 Minuten) mit elf Sekunden Vorsprung vor dem Thüringer Roy Meingast gewann, zollte der Konkurrenz Respekt: "Ich war überrascht vom Niveau, im Halbfinale musste ich ziemlich kämpfen."
Dabei kennt sich Väljas, zum Weltcupauftakt in Kuusamo immerhin Fünfter im Sprint, am Notschrei aus: Vor zwei Jahren war der hoch aufragende Läufer mit estnischen Wurzeln bei der U-23-WM an gleicher Stelle auf den neunten Platz gesprintet. Im Halbfinale landete der Skistock eines Konkurrenten in seinem Gesicht und Väljas schied aus. Den Notschrei mit seinem selektiven Auf und Ab hat er jedoch in guter Erinnerung behalten: "I love it."
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Ähnlich wie Väljas musste auch Landsfrau Chandra Crawford in der Sprint-Qualifikation am Samstagmorgen das Jetlag aus den Beinen schütteln. Erst zwei Tage zuvor war die kanadische Crew mit dem Flieger aus Übersee in Europa eingetroffen. Die Rennen am Notschrei dienen zur Vorbereitung auf den Sprintweltcup in Mailand am nächsten Wochenende.
Für den Dauerschneefall an den zwei Tagen hatte Crawford nur ein Wort übrig: "fun". Da könne man endlich mal das Material testen. Im Prolog hatte es für die Sprint-Olympiasiegerin von 2006 nur zur siebtbesten Zeit gereicht, doch in den K.-o.-Rennen kam die Läuferin aus Canmore von Runde zu Runde besser in Schwung. Ihr Sieg im Finale war ebenfalls ungefährdet. Auch am Sonntag sorgte sie mit 20:47,6 Minuten für die schnellste Frauenzeit über 7,5 Kilometer.
Nach Jahren mit Verletzungen und gesundheitlichen Rückschlägen scheint Crawford in dieser Saison zu alter Stärke zurückzufinden. Beim Weltcup-Sprint in Rogla lief die 28-Jährige im Dezember auf den zweiten Platz. Dass sie wie Väljas die Tour de Ski ausgelassen hat, schiebt sie ihrem Trainer zu: "Der wollte nicht, dass wir dort starten." Doch Sprint-Asse wie die Kanadier sind bei der Tour wohl überfordert.
Dass die Autobahnen vom Notschrei nicht jedem liegen, zeigte sich am Samstag in der Jugendklasse 16: Adrian Schuler, die 15-jährige Nachwuchshoffnung der WSG Schluchsee, schied im Halbfinale aus. "Blöd gelaufen, einer hat die Tür zugemacht", haderte Schuler mit seiner Renntaktik. Auf dem Highway ist manchmal die Hölle los. Tags darauf holte sich der Schwarzwälder mit Platz zwei im Freistilrennen der U16 das rosa Trikot für den Führenden in der Gesamtwertung des Deutschlandpokal wieder zurück.
Mit Rang sechs im Sprint der U16 sorgte Simon Baum von der SZ Brend für einen Achtungserfolg. Ansonsten verfehlten Schwarzwälder Talente Topresultate. Michael Fehrenbach vom SC St. Märgen, ein Kandidat für die Junioren-WM, weilte beim Continentalcup in Frankreich. In den älteren Klassen war national gesehen eher die dritte Garde am Start. So lief Julia Ebner von der SZ Brend in der U 20 über 7,5 Kilometer auf Rang zwei. Benno Kuhbandner vom SV Kappel verfehlte im Sprint durch einen Sturz einen Podestplatz bei den Männern und wurde Vierter.
Dass Brasilianer nicht unbedingt für den Langlauf geboren sind, bewies Leandro Lutz: Über zehn Kilometer Freistil hatte er zehn Minuten Rückstand auf den Australier Paul Kovacs – den Vorletzten.
Autor: Matthias Kaufhold
