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17. August 2015

"Schwarzwald-Wintersport keine Zweite Liga"

GASTBEITRAG:CDU-Bundestagsabgeordneter Schuster besucht Nordic-Center Notschrei / Olympiastützpunktleiter Wiedmann informiert bei Fachgespräch.

  1. Sie waren alle dabei (von links): Ralf Rombach (Bundestrainer Ski nordisch/Biathlon im Deutschen Behindertensportverband), Christa Bernauer (CDU Todtnau), Bürgermeister Andreas Wießner (Todtnau) und Klaus Vosberg (Oberried), MdB Armin Schuster, MdB Stephan Mayer (innenpolitischer Sprecher CDU/CSU-Bundestagsfraktion), Hans-Ulrich Wiedmann (Leiter Olympiastützpunkt Freiburg-Schwarzwald), Johanna Hagn (Leiterin Bundeswehr-Sportfördergruppe Todtnau-Fahl), Jürgen Willrett (OSP-Laufbahnberater, Leiter Sportinternat Freiburg), Rainer Kiefer (Nordic-Schule Notschrei) Foto: zvg

SKISPORT. Südbaden leistet bei der Sportförderung hervorragende Arbeit. Über die regionalen Strukturen, Aufgaben und Ziele des Olympiastützpunktes Freiburg-Schwarzwald (OSP) informierte Stützpunktleiter Hans-Ulrich Wiedmann in einem sportpolitischen Fachgespräch mit Sportpolitiker Stephan Mayer, der auf Vermittlung des Lörracher Wahlkreisabgeordneten Armin Schuster (beide CDU) das Nordic-Center am Notschrei besuchte. Schwerpunkt unter anderem: die Förderung des Behindertenleistungssports.

Zunächst gab Wiedmann den Besuchern des Loipenhauses einen Überblick über die Schwerpunktsportarten, Einrichtungen und Sportstätten des OSP. Neben den beiden Sportinternaten und Eliteschulen in Furtwangen und Freiburg verwies er auf Bundesstützpunkte und Leistungszentren in den Sommersportarten und Wintersportdisziplinen. Sodann informierte er über die Betreuungsleistungen des OSP für Kaderathleten und Trainer, die Zusammenarbeit mit den sportwissenschaftlichen und sportmedizinischen Instituten, der Bundeswehr-Sportfördergruppe in Todtnau-Fahl sowie Schwerpunkte im Paralympischen Sport.

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Bundeswehr für mehr Öffnung für Menschen mit Behinderung

Der OSP, so Wiedmann, biete aufgrund der kurzen Wege ideale Trainingsbedingungen für Skisportler. Vom Freiburger Trainingszentrum erreiche man die Skisprunganlage in Hinterzarten oder den Notschrei in 20 Minuten. Daher befinde sich in Freiburg auch der einzige Paralympische Trainingsstützpunkt für Ski nordisch und Biathlon in Deutschland. Der Standort solle weiter ausgebaut werden, berichtete der Bundestrainer für Ski nordisch und Biathlon im Deutschen Behinderten-Sportverband, Ralf Rombach.

Die Professionalisierung im Leistungssport von Menschen mit Behinderung habe in den letzten Jahren enorm zugenommen, hieß es. Der zeitliche Aufwand für Heimtraining, zentrale Lehrgänge und internationale Wettkämpfe entspreche fast dem von Langläufern und Biathleten des Deutschen Skiverbandes. Dies gelte bei Athleten mit Sehbehinderung zudem für deren Begleitläufer, auf die sie sportlich angewiesen sind.

Ziel sei auch hier der Weg der dualen Karriere (Sport/Beruf). Dies gelinge durch die Unterstützung des OSP in Einzelfällen gut. Doch müssen jeweils individuelle Lösungen gesucht werden. Mit der Bundespolizei gebe es eine Zusammenarbeit bei einzelnen Sportarten, mit der Landespolizei befinde man sich in guten Gesprächen. Auch private Arbeitgeber böten spitzensportkompatible Ausbildungsplätze an. Zudem besuchen ab Herbst erstmals zwei Skisportler mit Behinderung das Sportinternat in Freiburg, so Internatsleiter Jürgen Willrett.

Begleitläufer könnten seit zwei Jahren auch in eine Sportfördergruppe der Bundeswehr, ergänzte die Leiterin der Fahler Sportfördergruppe Johanna Hagn. Die Bundeswehr strebe eine weitere Öffnung für Menschen mit Behinderung an, die bisher in der Regel durch strikte Tauglichkeitskriterien ausgeschlossen seien.

Ohne Ehrenamtliche kein Nordic-Center

Da im Dreiländereck die Bundespolizei stark vertreten sei, wäre es mit Blick auf den Ausbau des Paralympischen Trainingsstützpunkts in Freiburg interessant, wenn jene wie die Bundeswehr in stärkerem Maße Sportler freistellen würde. Rombach berichtete vom Fall eines Freiburger Bundespolizisten, der als Ex-Leistungssportler der Nordischen Kombination nun als Begleitläufer aktiv sei. Zur optimalen Vorbereitung auf die WM 2017 in Deutschland und die Paralympischen Winterspiele 2018 in Korea seien individuelle Lösungen nötig, um eine intensivere Vorbereitung zu ermöglichen. Sportausschussmitglied Mayer und Schuster sagten zu, sich beim Bundesinnenministerium für eine entsprechende Unterstützung einzusetzen.

Ein dezidierter Dank ging auch an die vielen ehrenamtlichen Helfer beim Nor-dic-Center, durch die die Anlage in den vergangenen Jahren immer weiter optimiert wurde. Zuletzt wurde ein neues Mehrzweckgebäude fertiggestellt. Dies sei eine riesige Leistung. Indes habe er Angst vor einer Überlastung der Ehrenamtlichen, sagte Todtnaus Bürgermeister Andreas Wießner. Der Trägerverein, dem die Bürgermeister von Oberried und Todtnau vorstehen, komme bei einem Budget von 140 000 Euro auf einen Förderanteil von nur 20 000 Euro, fügte Oberrieds Bürgermeister Klaus Vosberg an. Dies sei ein Missverhältnis. Andere Bundesländer wie Thüringen, Bayern und Sachsen erhalten deutlich mehr.

Bei einem Anteil von 20 bis 25 Prozent der Bundeskader müssten entsprechende Anteile nach Baden-Württemberg fließen. Ab 2019 sei eine Umschichtung der Bundesmittel nach einheitlichen Kriterien vorgesehen, berichtete Mayer aus dem Bundestag-Sportausschuss. Bei der Förderung des Leistungssports müsse es mehr Transparenz und kein Besitzstandsdenken geben, so Wiedmann. Schuster pflichtete dem OSP-Leiter bei: "Wir akzeptieren nicht Zweite Liga für den Wintersport im Schwarzwald." Um die Strukturen auch mit privaten Mitteln zu verbessern, habe er die Sportstiftung Südbaden mit ins Leben gerufen.

Dr. Carsten Vogelpohl ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Büro des Lörracher Bundestagsabgeordneten Armin Schuster.

Autor: bz