Höhenflüge in der Zukunftswerkstatt

Dieter Maurer

Von Dieter Maurer

Do, 26. Juli 2018

Skispringen

Hinterzarten lockt am Freitag und Samstag beim Sommer-Grand-Prix Olympiasieger Kamil Stoch und Silbermedaillengewinnerin Katharina Althaus.

SKISPRINGEN. Die Wintersport-Hochburg Hinterzarten steht in diesem Sommer gleich zweimal im Rampenlicht. Zwei Wochen nach den nationalen Titelkämpfen trifft sich am Wochenende die Weltelite der Skispringer im Adler-Skistadion. Dabei gibt es erneut eine Premiere. Auf Beschluss des Weltskiverbands (FIS) starten erstmals Frauen und Männer gemeinsam bei einem FIS-Grand-Prix. Neben diesen hochklassigen Einzelwettkämpfen gibt es ein Jugendspringen um den FIS-Youth-Cup.

Einmal mehr der Star auf der Schanze sein, könnte in Hinterzarten der Pole Kamil Stoch, der in Südkorea Gold auf der Großschanze gewann. Fehlen wird in Hinterzarten der Olympische Goldmedaillengewinner auf der Normalschanze, Andreas Wellinger, der den FC Bayern auf eine Freundschaftsspielreise in den USA begleitet. Ebenfalls nicht dabei ist der Olympia-Achte Markus Eisenbichler, der Prüfungen bei der Bundespolizei abzuleisten hat. Für Wellinger rückt der frisch gebackene Deutsche Meister David Siegel aus Baiersbronn ins deutsche Team. Eisenbichler wird durch Lokalmatador Andreas Wank ersetzt. Der 30-jährige Weitenjäger des SC Hinterzarten gehörte zum Gold-Team bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi/Russland. Im siebenköpfigen Aufgebot von Bundestrainer Werner Schuster mit dabei ist der in Breitnau lebende Stephan Leyhe, Mitglied des Silber-Teams in Pyeongchang.

Bis auf den Oberstdorfer Karl Geiger blieben die deutschen Athleten am vergangenen Wochenende beim Grand-Prix-Auftakt in Wisla/Polen hinter den Erwartungen zurück. "Aufgrund vieler Verpflichtungen sind wir verspätet in die Vorbereitung eingestiegen", erkärt Bundestrainer Werner Schuster. "Mit der Rothaus-Schanze in Hinterzarten sind wir vertraut und wollen uns dort bestmöglich präsentieren."

Für die Frauen ist Hinterzarten die erste internationale Station im Wettkampfkalender des Sommers. "Das Team freut sich auf den gemeinsamen Grand-Prix mit den Männern. Für uns ist das ein Heimspiel", sagt Frauen-Bundestrainer Andreas Bauer. Er nominierte neben der eigentlichen Kernmannschaft mit sieben Athletinnen auch eine fünfköpfige nationale Gruppe. Am Start sind die Silbermedaillengewinnerin von Südkorea, Katharina Althaus sowie die Olympiasiegerin von 2014, Carina Vogt und die Schwarzwälderin Ramona Straub vom SC Langenordnach.

"Hinterzarten wird uns

zeigen, wo wir stehen."

Frauen-Bundestrainer Bauer
"Dieser internationale Vergleich ist für uns nach einem erfolgreichen Winter mit dem Gewinn der Nationenwertung und einer olympischen Silbermedaille eine sehr gute Standortbestimmung. "Hinterzarten wird uns zeigen, wo wir leistungsmäßig stehen und wo wir nachjustieren müssen," blickt Bundestrainer Andreas Bauer voraus. Der Wettbewerb am Samstag ist bereits das 36. Sommerskispringen seit dem Umbau der Adlerschanze im Jahr 1982. Damals gab es eine Sommer-Dreier-Tournee mit den Standorten Hinterzarten, Stams (Österreich) und Predazzo (Italien) mit Athleten aus zehn Nationen. 1993 wurde die Konkurrenz auf Mattenschanzen zum FIS-Grand-Prix gekürt. Seither trifft sich die nahezu komplette Weltelite der Skispringer einmal jährlich im Hochschwarzwald.

Um die Zukunft des Skispringens geht es schon heute, Donnerstag, 15 Uhr, beim Jugendspringen um den FIS-Youth-Cup auf der Europapark-Schanze (HS 77). Am Start sind die talentiertesten Jung-Adler aus zehn Nationen. Der DSV nominierte 16 Athleten, unter ihnen Maximilian Herr vom SC Schonach und Jannik Faißt vom SV Baiersbronn. Den Schanzenrekord auf dem 70-Meterbakken hält seit August 2006 der Nordische Kombinierer Tobias Simon von der SZ Breitnau mit 80 Metern. "Für die jungen Springer ist es die allererste Möglichkeit, sich international zu vergleichen", erklärt Christoph Klumpp, Trainer des deutschen D/C-Kaders. Auf Initiative von FIS-Renndirektor Walter Hofer entstand die einstige Youth- Cup-Serie. Die Idee: an den Grand-Prix- Orten soll auch der Nachwuchs springen. Seit 2006 gibt es den Youth-Cup in Hinterzarten. Während der FIS-Youth-Cup an anderen Grand-Prix-Standorten wieder abgeschafft wurde, halten die Schwarzwälder an dem Wettkampf fest. Horst Hüttel, Sportlicher Leiter Skisprung und Nordische Kombination beim Deutschen Skiverband, bedauert, dass die Serie keinen Bestand hatte. Umso mehr lobt er die Hinterzartener für ihre Wettkampf-Treue.

Sommer-Grand-Prix Zeitplan:
Donnerstag: 15 Uhr: Probedurchgang Youth-Cup auf der Europapark-Schanze (K 70), anschließend Wettkampf.
Freitag: 18 Uhr: Qualifikation der Frauen. 19 Uhr: Qualifikation der Männer auf der Rothaus-Schanze.
Samstag: 13.15 Uhr: Grand-Prix-Wettkampf der Frauen, 17.15 Uhr: Grand-Prix-Wettkampf der Männer auf der Rothaus-Schanze.