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26. Juli 2010
Jugendlicher Mut auf der Schanze
13-jährige Anna Rupprecht gewinnt DM-Gold, Niklas Wangler (16) von der SZ Breitnau holt Team-Bronze / Pechvogel Fabian Rießle.
SKI NORDISCH. Die Kleinste und Jüngste war überraschend die Größte und stahl selbst den Altmeistern auf der Schanze die Schau: Anna Rupprecht (13) gewann bei der deutschen Meisterschaft in Oberhof das Spezialspringen von der 70-Meter-Schanze und bescherte damit dem mit 19 Athleten angereisten baden-württembergischen Team den einzigen DM-Titel. Martin Schmitt (Furtwangen) bot drei Tage lang solide Leistungen und holte sowohl im Einzelwettkampf auf dem 120-Meter-Bakken im Kanzlersgrund als auch im Teamwettkampf gemeinsam mit dem erst 16-jährigen Niklas Wangler (Breitnau), Maximilian Mechler (Isny) und Pascal Bodmer (Meßstetten) die Bronzemedaille.
Regen, Wind und immer wieder heftige Böen begleiteten die dreitägigen Titelkämpfe. Schwierige Bedingungen, die Mut auf der Schanze und Nehmerqualitäteten bei der wilden Hatz der Kombinierer auf Skirollern erforderten. Durchwachsen wie das Wetter waren die Leistungen der baden-württembergischen Sportler. "Nicht schlecht und nicht super", fasste Hansjörg Löffler, Vizepräsident des Skiverbands Schwarzwald und SBW-Delegationsleiter die Ergebnisse des Teams zusammen: "Aber es gibt ermutigende Tendenzen." Vor allem dort, wo keiner damit gerechnet hatte. An der Basis.Werbung
Mit 13 ist Anna Rupprecht noch mehr Kind als Backfisch. Das erklärt ihre Unbekümmertheit. Angst vor der Schanze? Lachhaft! Auf dem 70-Meter-Bakken in Oberhof bot die Nachwuchsspringerin des SC Degenfeld nach 68 Metern im ersten Durchgang im Finale einen perfekten 72,5 Meter weiten Satz und einem Telemark zum Niederknien. Und doch gaben die Kampfrichter nur 16,5 von 20 möglichen Punkten. "Das war unterste Schublade", zürnt Hansjörg Löffler. Gereicht hat es trotzdem zum DM-Titel. Über den Sieg der kindlichen Rivalin konnte sich schließlich sogar JWM-Starterin Melanie Faißt (Baiersbronn) freuen. Die Abiturientin hatte das Training dominiert und führte nach dem ersten Durchgang, musste sich dann aber nach 71,5 Metern und einem gekachelten Aufsprung hinter der DM-Zweiten Ulrike Grässler mit Bronze zufrieden geben. Magdalena Schnurr (7.) und Svenja Würth (8./beide Baiersbronn) rundeten das herausragende SBW-Teamergebnis ab, Ramona Straub (Langenordnach) fehlte wegen schulischer Verpflichtungen.
Natürlich den Titel erhofft hatte sich Martin Schmitt. Doch Michael Uhrmann (Rastbüchl) markierte in beiden Durchgängen auf dem 120-Meter-Bakken im Kanzlersgrund zweimal Bestweite und sicherte sich verdient den Einzeltitel vor Michael Neumayer (Berchtesgaden). Dennoch nicht Gold und Silber verloren hat Schmitt. Denn mehr wert als Rang drei ist die Erkenntnis, dass der 32-jährige Tannheimer, der für den SC Furtwangen startet und längst als Freiburger Bobbele vereinnahmt ist, noch immer gebraucht wird auf den Schanzen der Welt. "Der Martin ist in sehr stabiler Form", lobt Hansjörg Löffler den Altmeister, "vom ersten Trainingssprung am Donnerstag bis zum Teamwettkampf am Sonntag hat er konstant gute Leistungen gebracht".
Auf den ersten Blick eine Enttäuschung ist Rang zehn für Pascal Bodmer. Immerhin war der 19-jährige Blondschopf vor zwei Jahren deutscher Meister und dominierte im vergangenen Winter die Vierschanzentournee. Doch die Sommer-DM kam für Bodmer ein paar Tage zu früh. Direkt aus dem harten Training heraus "hat dem Bodo die Spritzigkeit gefehlt", erklärt Löffler. Mindestens so frech wie Anna Rupprecht ist Niklas Wangler. Der 16-Jährige von der SZ Breitnau wagte sich erstmals in seinem Leben auf eine 120-Meter-Schanze und entdeckte nach anfänglichem Respekt sein Fluggefühl. Rang 29 war mitten im Feld der Arrivierten mehr als ein Achtungserfolg. Sein Breitnauer Teamkollege Nico Faller (21) wurde 32. Noch immer treiben Kevin Horlacher (SC Degenfeld) Gedanken an seinen Horrorsturz vor knapp zwei Jahren um. Das lähmt die Gedanken und bremst die Luftfahrt. Mehr als Rang 35 unter 40 Athleten war so nicht drin.
Belohnt wurde Niklas’ Wanglers Wagemut am Sonntag: Im Teamspringen hob der junge Breitnauer gemeinsam mit Martin Schmitt, Maximilan Mechler und Pascal Bodmer ab und gewann hinter dem Team Bayern I (Neumayer, Schoft, Freund, Uhrmann) und dem Quartett aus Thüringen die Bronzemedaille. Nur Rang acht im Neuner-Feld blieb Baden-Württemberg II mit Jonas Faller (Menzenschwand), Nico Faller, Kevin Horlacher und dem Wahl-Freiburger Christian Ulmer, der am Vortag mit 84 Metern den kürzesten Hüpfer der Titelkämpfe gezeigt hatte. Und doch war Rang acht ein Befreiungsschlag – für Nico Faller: Im zweiten Durchgang flog der Breitnauer 121 Meter weit auf Rang fünf der virtuellen Einzelwertung und schulterte im Auslauf mit breitem Grinsen die Sprunglatten. "Der Nico hat bewiesen, dass er’s noch kann", freut sich Hansjörg Löffler.
Auf Skatingski, Inlinern und Skirollern braucht Team-Junioren-Weltmeister Fabian Rießle von der SZ Breitnau keinen Gegner zu fürchten. Schwächen offenbart er höchstens auf der Schanze. Dabei hat er bei der Luftfahrt viel dazugelernt. Das bewies der 20-Jährige beim Training am Donnerstag mit einem blitzsauberen 125-Meter-Satz. Doch im Wettkampf war Rießle vom Pech verfolgt. Im Teamwettkampf hatte er gemeinsam mit Manuel Faißt (Baiersbronn) beim Skiroller-Rennen Tuchfühlung zu Rang drei, als ein technischer Defekt alle Hoffnungen zunichte machte. Eine lockere Schraube machte den Skiroller zum Bremsschuh – Rießle musste das Rennen in der fünften Runde aufgeben. Im Einzelwettkampf über zehn Kilometer fehlten dem Vierten Manuel Faißt nur knapp zwei Sekunden zu Bronze. Nach Rang 26 auf der Schanze stürmte Fabian Rießle mit der zweitbesten Laufzeit noch auf Rang neun. Sein Breitnauer Teamkollege Tobias Simon wurde zusammen mit Thomas Faller (Furtwangen/12.Einzel) Sechster im Team und 14. im Gundersen-Wettkampf.
Autor: Johannes Bachmann
