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17. Februar 2016

Olympisches Gold für Jana Fischer

Snowboard-Crosserin des SC Löffingen dominiert mit dem Team.

SNOWBOARD. Das Beste gibt’s zum Schluss: Einen Tag nach einer überzeugenden Fahrt auf Rang sechs im Einzel-Wettkampf vergoldete Snowboard-Crosserin Jana Fischer vom SC Löffingen bei den Olympischen Jugendspielen im norwegischen Lillehammer ihren größten sportlichen Traum. Zusammen mit dem Albstädter Sebastian Pietrzykowski, der im Einzel Bronze gewonnen hatte sowie den Skicrossern Celia Funkler (TG Tuttlingen) und Cornel Renn (Hindelang), gewann die 16-jährige Bräunlingerin am Dienstag Gold im Teamwettbewerb.

Es ist ein Triumph nach entwaffnender Bescheidenheit. Nicht viel Aufhebens machen wollte Jana Fischer im Vorfeld der Olympischen Jugendspiele, ihre Hoffnungen, ihre Zweifel hatte sie ganz für sich behalten und im BZ-Gespräch ihre Mutter vorgeschickt. Am Dienstag, um kurz nach eins liegen sich die beiden in Lillehammer in den Armen, sonnenüberstrahlt, mit Freudentränen, die bei 15 Minusgraden über glühende Wangen rinnen. Momente des Glücks, die die BZ miterleben darf, zugeschaltet per Mobiltelefon. "Jana, jetzt sag was", fordert Mutter Freya Fischer. Aus dem Telefonhörer dringt ein doppelter Aufschrei. Von beiden. "Wahnsinn, absoluter Wahnsinn."

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Während die Mama ihr Glück kaum fassen kann, kehrt Jana, die, wie ihre Freunde berichten, nicht einmal Angst davor hat, dass ihr der Himmel auf den Kopf fallen könnte, in den Analyse-Modus zurück. "Das hab’ ich so nicht erwartet", sagt die Gymnasiastin, die am Skiinternat in Oberstdorf trainiert und die elfte Klasse besucht. Und dann gibt sie doch ganz kontrolliert ein bisschen Bodenhaftung verloren, so wie auf ihrem Raceboard, das sie zuvor in Viertel- und Halbfinale und im Endwettkampf mit ausgeprägtem Flugtalent über den mit Sprüngen gespickten welligen Kurs gesteuert hatte.

"Na ja, ein bisschen war da schon dieser Traum von einer Medaille." Aber der Gedanke an Gold? "Nein, eigentlich nicht." Vielleicht ist es dieses sich-keinen-Druck-machen, das Jana Fischer an diesem traumhaft schönen Wintertag in Lillehammer so stark macht. "Der erste Lauf war gut", erinnert sie sich, "dann wurde es immer besser". Als jeweils Zweite ihrer Vierer-Heats hat die 16-jährige maßgeblichen Anteil am Gold der deutschen Snowboarder und Skicrosser, die im Finale souverän die Schweizer Brettartisten auf Rang zwei verweisen.

Genug geredet, alles gesagt, das Gold richtig eingeordnet. "So, ich muss jetzt weg", erklärt Jana Fischer dem BZ-Menschen. Die Flower-Ceremony wartet. Und abends eine Party. Nicht im von Sicherheitsleuten hermetisch abgeriegelten Athletendorf, sondern draußen in der Stadt, mitten in Lillehammer. Zusammen mit den Teamkollegen, Trainern, Betreuern. Und mit der Mama. Die hat das Handy jetzt allein am Ohr. "Ach, was soll ich sagen", sagt Freya Fischer. Und plötzlich ist es hörbar still. Glücksmomente muss man nicht zerreden.

Autor: Johannes Bachmann