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11. Juli 2016

So ähnlich muss es zu Mozarts Zeiten geklungen haben

Ettenheimer Musiksommer mit Urte Lucht am Hammerflügel und Theresa Salomon auf einer Geige aus dem Baujahr 1780.

  1. Urte Lucht und Theresa Salomon in der Kunsthalle Altdorf Foto: S. Decoux

ETTENHEIM. Ein an Konsequenz kaum zu übertreffendes Programm bot das dritte Konzert des Ettenheimer Musiksommers am Samstagabend in der Kunsthalle Altdorf: Vier Violinsonaten von Mozart, dazu eine Polonaise von Mozarts jüngerem Sohn Franz Xaver. Zwei Stunden Mozart pur, dargeboten von Urte Lucht am Nachbau eines Hammerflügels von 1787, und Theresa Salomon, die auf einer Geige aus dem Baujahr 1780 spielte.

Die Pianistin Urte Lucht und Theresa Salomons Vater, der in Ettenheim aufgewachsen ist, gehören zur "Gründerfamilie" des Ettenheimer Musiksommerns und sind bis heute im künstlerischen Beirat aktiv. Urte Lucht und Theresa Salomon sind durch Konzerttätigkeit und CD-Einspielungen ausgewiesene Profis, die sich unter anderem der historisch informierten Aufführungspraxis verschrieben haben – die zentrales Element des Ettenheimer Musiksommers ist. Das Publikum in der ausverkauften Kunsthalle konnte sich also in die Zeit Mozarts zurückversetzt fühlen: So ähnlich muss es geklungen haben, als diese Stücke zu Lebzeiten ihrer Komponisten aufgeführt wurden. Der Hammerflügel etwas tiefer gestimmt als Klaviere heute, aber auch mit dem silbrigen Klang, der feineren und durchsichtigeren Ansprache, die dem eher zurückhaltenden Stil von Urte Lucht sehr entgegenkommt. Theresa Salomon hat den körperlich anstrengenderen Part in der schwülen Hitze des historischen Gemäuers übernommen, zumal das Spiel auf Darmsaiten mehr Kraft erfordert. Dennoch bleibt bei allen Stücken eine große Leichtigkeit zu spüren, die zum Beispiel im abschließenden Prestosatz der Violinsonate A-Dur (KV526) an freie Improvisationen erinnert. Mozart hat in den späteren Sonaten geradezu provokant gegen enge Genregrenzen verstoßen, seine Unangepasstheit ist das, was bis heute an dieser Musik fasziniert.

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Und dann natürlich der besondere Mozart-Ton, das übermütig Verspielte, das schon in den ersten Takten der Violinsonate G-Dur (KV 301) von 1778 dafür sorgt, dass auch Laien das Stück sofort zuordnen können. Wäre das Stück eine Ballettmusik, man müsste die Tänzer wie Kinder Treppenstufen hochhüpfen lassen, mit Reifen, Kreisel und Ball spielen lassen. Zierlich, munter, aber nie süßlich ist die Mozart‘sche Grundhaltung, und – auch in den langsamen Sätzen – von Dynamik geprägt. So erklingt das Andante aus der Sonate B-Dur (KV 454) eindringlich und ungewohnt, der Dialog zwischen Violine und Klavier holt weit aus, um in einer Wendung zusammenzufinden, die man als Zuhörer nicht vorausahnen kann – und die genau deshalb so eindrucksvoll im Gedächtnis bleibt. Ein Konzert, das – auch durch die Moderation von Urte Lucht – den begeisterten Zuhörern Mozart wirklich näher brachte. Sehr zu Recht großer Applaus, und eine Wiederholung des Allegretto-Satzes aus der B-Dur-Sonate als Ohrwurm-Zugabe für den Heimweg.

Autor: Juliana Eiland-Jung