Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

01. August 2011

Backstage

So arbeiten die Künstlerbetreuer beim Stimmen-Festival

Während den „Stimmen“-Konzerten im Rosenfelspark verwandelt sich das benachbarte Hebel-Gymnasium Jahr für Jahr in einen Backstagebereich. Wenn die Künstler eintreffen, läuft alles strikt nach Plan. Künstlerbetreuer sorgen dabei dafür, dass sich die Musiker auch rund ums Konzert wohlfühlen.

  1. Künstlerbetreuung Rosenfelskonzerte Foto: Dilbahar Askari

  2. Wer im Rampenlicht steht – das Foto zeigt den „Stimmen“-Auftritt von Agnes Obel – freut sich über die kleinen Aufmerksamkeiten hinter der Bühne. Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH. Während den "Stimmen"-Konzerten im Rosenfelspark verwandelt sich das benachbarte Hebel-Gymnasium Jahr für Jahr in einen Backstagebereich. Wenn die Künstler eintreffen, läuft alles strikt nach Plan. Künstlerbetreuer sorgen dabei dafür, dass sich die Musiker auch rund ums Konzert wohlfühlen.

Es ist ganz ruhig auf der kleinen Schulterasse mit Blick ins Grüne. Vom Park nebenan, in dem gerade die Techniker bei der Arbeit sind, klingt momentan nur Vogelgezwitscher herüber, denn die Künstler sind noch nicht eingetroffen. Laut "Running Order", dem Zeitplan, nach dem der Nachmittag koordiniert wird, ist Agnes Obel eine halbe Stunde zu spät. Kein Grund, gestresst zu sein. "Wir haben heute ziemlich viel Luft", sagt Anke Kurz, die Leiterin des Burghof-Produktionsbüros, die vor den Konzerten meistens vor Ort ist. Das Rattern eines Rollkoffers ist auf dem Gang zu hören. "Das ist sie", sagt die "Stimmen"-Mitarbeiterin. So dezent trifft die Sängerin ein, keine geheimnisvollen blauen Shuttle-Busse sind in Sicht, keine Security-Leute, die breitbeinig den Backstagebereich bewachen, wie es bei den Marktplatzkonzerten der Fall war. "Die Musiker, die im Rosenfels auftreten, sind meistens ganz bodenständig", sagt Lena Knoblich, die schon zum dritten Mal während des "Stimmen"-Festivals die Künstler betreut. Sie ist an diesem Nachmittag für Agnes Obel zuständig. Die Musikerin wird zunächst durch die zum Backstagebereich umfunktionierten Klassenzimmer und den in charakteristischem Blau-Weiß gehaltenen Cateringraum geführt und erhält dann ihren Backstage-Pass. Anschließend zieht sie sich in ihre Garderobe zurück.

Werbung


"Es ist verständlich, wenn die Künstler nach einer langen Reise erst einmal ihre Ruhe haben wollen", meint Anke Kurz. Sehr viele reisten wie Agnes Obel in diesem Jahr selbstständig an. Die langen Autofahrten zum Flughafen und zurück entfielen somit – eine große Entlastung für die "Stimmen"-Crew.

Bei der Betreuung der Musiker kommt es hauptsächlich auf die Details an: "Wenn sie beispielsweise auf einer Tournee und mit dem Nightliner unterwegs sind, freuen sie sich, wenn alles wirklich so ist, wie es sein soll". So früh wie möglich hieße es deshalb mit den Agenturen Kontakt aufzunehmen, sich mit den Künstlern abzustimmen, Informationen einzuholen. "Wenn im Vorfeld alles geklärt wurde, ist man viel entspannter und kann leichter auf Unerwartetes reagieren", erklärt Kurz. Unerwartet kann vieles sein, von Zug- oder Flugzeugausfällen über verlorene Gepäckstücke bis hin zu fehlenden Requisiten, die es zu organisieren gilt. Erst am Dienstag sei auf dem Flug ein Cello verschollen, aber glücklicherweise am nächsten Morgen früh genug wieder aufgetaucht. "Letzte Woche mussten wir Kindersitze besorgen", erzählt der technische Leiter Mark Searle. Die Tochter von Judith Holofernes, der Sängerin von "Wir sind Helden", feierte ihren zweiten Geburtstag. Eine Torte musste her und eben die Kindersitze für die neun kleinen Gäste. Die Künstler schätzten oft auch ganz simple Dinge, ein anständiges Frühstück, einen selbst gemachten Kuchen oder deutsches Bier.

Eine legere Stimmung sorgt für richtige Begleitmusik

Lena Knoblich muss jetzt los. Agnes Obel und ihre begleitende Cellistin Anne-Christin Schwarz sind auf dem Weg zum Soundcheck in den Park. "Hallo", grüßen die beiden kurz, als sie vorbeigehen und laufen zügigen Schritts in Richtung Bühne. Sie dürfen keine Zeit verlieren, denn inzwischen sind bereits "Patty Moon" samt ihrem jungen Streichquartett eingetroffen, außerdem möchten sie vor dem Konzert noch kurz ins Hotel, um sich ein bisschen auszuruhen. Lena Knoblich pendelt zwischen Schule und Park hin und her, setzt sich manchmal kurz vor die Bühne, um in der Nähe zu sein, falls die Musikerinnen sie brauchen. Die goldene Mitte finden, nennt das Anke : Nie zu aufdringlich sein, aber immer erreichbar, wenn es nötig ist. Agnes Obel ist inzwischen zufrieden mit den technischen Einstellungen für ihren Auftritt. "Der Park ist sehr schön", sagt die Dänin kurz darauf in ihrer Garderobe. Besonders die Villa, die über dem Platz thront, hat es ihr angetan "Wir werden heute Abend einen schöneren Ausblick haben als das Publikum"scherzt die Cellistin Anne-Christin Schwarz. Bei dem Ausblick auf den Park wird es wohl auch bleiben, es bleibt nicht viel Zeit, um die Umgebung zu erkunden, wenn man am Tag nach dem Konzert schon wieder abreist. "Ich habe manchmal das Gefühl, ich führe ein Backpacker-Leben", erzählt Agnes Obel. "Mit den guten und den schlechten Seiten".

Während die beiden Musikerinnen vor dem Auftritt noch ein bisschen Ruhe suchen, ist es mit der Ruhe im Rosenfelspark langsam vorbei: Im hinteren Bereich werden die Essensstände aufgebaut, eine Schar von jungen "Stimmen"-Crew-Mitgliedern in schwarzen T-Shirts wuselt herum, richtet die Eingänge ein, wischt über die Stühle und die Jungs vom Streichquartett laufen mit ihren Geigen in der Hand über den Platz.

Nach dem Soundcheck ist Pause, auch die Technik ist soweit fertig, man trifft sich im Catering-Raum, auch Helmut Bürgel kommt hinzu. Es herrscht eine lockere Stimmung, jeder scheint jeden zu kennen, es wird geredet und gegessen. "Die Leute müssen nett sein, das ist das Wichtigste", meint Judith Heusch, die Sängerin und Pianistin von "Patty Moon". Man müsse sich willkommen fühlen, der Rest sei zweitrangig. "Ich bräuchte noch nicht einmal warmes Essen, aber die Jungs schlagen sich den Bauch voll", lacht die Sängerin. Eine gute Künstlerbetreuung sei gar nicht selbstverständlich meint auch ihr Musikerkollege Tobias Schwab: "Im Vergleich zu anderswo kommt uns das hier sehr glamourös vor".

Autor: Dilbahar Askari