So klingt Partnerschaft

Mirko Rechnitzer

Von Mirko Rechnitzer

Di, 10. Juli 2018

Klassik

Der Ma’ayan Chor Tel Aviv und der Freiburger Bachchor.

Musik als spirituelle Verbindung über die Grenzen verschiedener Religionen hinweg – von diesem schönen Gedanken war ein einnehmendes Konzert geprägt, das jetzt in der Maria-Hilf-Kirche gemeinsam vom Freiburger Bachchor und dem Ma’ayan Chor aus Freiburgs Partnerstadt Tel Aviv dargeboten wurde. Unter der Leitung von Hannes Reich und Anat Morahg war dabei geistliche Musik aus vier Jahrhunderten zu hören.

Im Programm des israelischen Chores traten Arrangements von Stücken aus traditioneller jüdischer Liturgie zu marianischen Vertonungen des estnischen Komponisten Urmas Sisask und reizend bearbeiteten folkloristische Weisen. Der träumerische Charakter der vertonten Gedichte "Vogel der Seele" von Nathan Zach und des englischen Volkslieds "Turtle Dove" wurde vom Chor durch geschmeidige Wechsel in Dynamik und Timbre dem Publikum nahegebracht – ergänzt durch die mitreißenden Soli von Dary Nof und Noa Oved. Auch die Sänger des Bachchores sowie das vereinte Ensemble boten einen ausgewogenen Chorklang – besonders in mehrchörigen und vielstimmigen Werken wie Giovanni Gabrielis zwölfstimmigem Gloria und Mendelssohns "Mitten wir im Leben sind". Die Fest- und Gedenksprüche von Brahms können, so Dirigent Reich, auch im Sinne globaler Verbundenheit verstanden werden.

Abgerundet wurde die Chormusik von der Organistin Annette Drengk. Überzeugend beschwor sie die Klangwelt des Mendelssohn’schen Orchesters in einer Bearbeitung der Ouvertüre zum Oratorium "Paulus"; reizvoll waren die Registrierungen zu den für Pedalflügel geschriebenen Studien Robert Schumanns. Mit einem Reigen abendlicher Musik wurde das Publikum in die Nacht geleitet – neben Stücken wie Josef Rheinbergers "Abendlied" nutze Hannes Reich eine eigens für das Konzert eingerichtete Bearbeitung von "Schlaf nun und ruhe" aus Schumanns Oratorium "Das Paradies und die Peri", um einen Vorgeschmack auf das kommende Projekt des Bachchors zu geben. Nach stehenden Ovationen folgte die Zugabe in Form des Shalom Aleichem – eine bündige Abrundung der vergangenen beiden Stunden und ein Ausblick zur nächsten Konzertreise des Freiburger Bachchors nach Israel.