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20. November 2008

So viel Reisig, wie sich tragen lässt

Förster Bernhard Friedmann lud Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sozialer Einrichtungen zum Schmuckreisigschneiden in den Wald.

WALDSEE. Schnaufend und mit rotem Kopf beugt sich Inge Hübner über einen Berg Tannenzweige. "Eigentlich bin ich schon in Rente, aber beim Reisigschneiden fürs Studenten-Wohnheim mache ich noch mit, das ist Tradition", erklärt sie. Um sie herum – im Wald nahe dem Konrad-Guenther-Park wimmelt es von Menschen in festen Schuhen und warmer Kleidung, die mit Kennerblick die schönsten Zweige aussuchen, zurechtschneiden, und in dicken Bündeln zu Autos und Anhängern tragen. Etwa zwanzig Fahrzeuge stehen bereit, um mit dem weihnachtlichem Grün beladen zu werden.

Die meisten von denen, die sich am Dienstag im Forstrevier Waldsee getroffen haben, sind nicht zum ersten Mal hier. Schon seit 1990 lädt Förster Bernhard Friedmann alljährlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von sozialen Einrichtungen, Schulen und Kindergärten dazu ein, gegen ermäßigte Preise Schmuckreisig selbst zu schneiden. Wer einmal dabei war, kommt meistens wieder.

Eine tolle Einrichtung findet das Bettina Ring vom Kindergarten "Haus Kunterbunt": "Die Aktion ist perfekt vorbereitet, es geht sehr schnell, und die Zweige sind wesentlich billiger als auf dem Markt oder im Blumengeschäft." Und wenn das Wetter so gut ist wie an diesem Tag, macht es auch erkennbar Spaß.

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"Wir wiegen

oder zählen das

Geschnittene nicht."

Bernhard Friedmann
Spaß haben auch die Kinder der Michael-Schule. Um ihr Schulhaus in der Vorweihnachtszeit mit Kränzen zu schmücken und einen kleinen Adventsgarten anzulegen, helfen sie ihrem Lehrer bei der Materialbeschaffung. "Am lustigsten ist es, wenn man bergab rennt und große Zweige hinter sich herzieht", weiß die 12-jährige Jaqueline Schächtele, und führt das auch gleich vor.

Zu den "Veteranen" unter den Reisigschneidern zählt sich Christiane Neugebauer. Die Lehrerin ist schon seit 18 Jahren dabei und gibt ihre Erfahrungen gerne weiter: "Wenn man die Tannenzweige nicht gleich verarbeitet, muss man sie draußen im Garten lagern, da halten sie sich besser." Sie wird aus ihrer Beute Kränze basteln und findet auch einzelne Zweige in Vasen dekorativ.

Am ersten Adventskranz seines Lebens will sich Justus Zorn nach der Schneide-Aktion versuchen. Er macht ein Freiwilliges Ökologisches Jahr beim "Lernort Kunzenhof", einem alten Freiburger Bauernhof, der Interessierten Einblicke ins landwirtschaftliche Leben und Arbeiten gibt. "Wir wollen außerdem unseren Stall schmücken", erklärt er, "und damit wir alles transportieren können, haben wir sogar den Traktor mitgenommen." Förster Bernhard Friedmann sagt: "Wir wiegen oder zählen das Geschnittene nicht, das sind Schätzpreise." Ein Bund Zweige, das noch unter den Arm passt, kostet bei ihm etwa drei bis fünf Euro. Für einen Kofferraum voll Reisig verlangt er zwischen zehn und zwanzig Euro. Wer einen ganzen Anhänger voll mitnimmt, muss mit 40 bis 50 Euro rechnen. Die Vergünstigung gibt Bernhard Friedmann seinen Kunden gern, denn er findet es wichtig, soziale Einrichtungen, und die Personen, die dort arbeiten, zu unterstützen. Ganz kostenlos möchte der Förster den Weihnachtsschmuck aber nicht abgeben, denn er weiß: "Was nichts kostet, ist nichts wert."

Wenn alle Kofferräume und Anhänger gefüllt sind, geht es zurück nach Hause oder zum Arbeitsplatz. Und dann kann das große Adventsbasteln losgehen.

Autor: Veronika Keller