"Eine Herausforderung, die wir gerne annehmen"

Andrea Gallien

Von Andrea Gallien

Di, 24. Juli 2018

Ehrenkirchen

Geburtstagsfeier des Vereins Hilfe von Haus zu Haus obere Möhlin, der Nachbarschaftshilfe für Sölden, Ehrenkirchen und Bollschweil.

EHRENKIRCHEN. Mitgliederversammlungen erfreuen sich in der Regel keines allzu großen Zuspruchs. Zu eintönig ist das Regelwerk und ab und zu droht auch noch die Übernahme eines Postens, den man eigentlich überhaupt nicht hatte übernehmen wollen. Dass es auch anders gehen kann, hat jetzt der Verein Hilfe von Haus zu Haus Obere Möhlin bewiesen. Das Geburtstagsfest aus Anlass des zehnjährigen Bestehens im Georgsheim in Ehrenstetten wurde begonnen mit einem ökumenischen Gottesdienst und anschließend verbunden mit der ordentlichen Mitgliederversammlung. Die Geschichte des Vereins und die Regularien der Versammlung wurden von der Vorsitzenden Waltraud Kannen und ihrer Stellvertreterin Elisabeth Groß in Quizform gepackt, und das Publikum durfte per Los die Reihenfolge von Fragen und Themen bestimmen.

Mit etwas Glück zog man einen Joker, erhielt dafür ein kleines Präsent für sich oder sorgte für ein besonderes Klangerlebnis für alle mit einem Auftritt der vier jungen Musiker von Nontacet. Ehrenkirchens Bürgermeister Thomas Breig hatte die Aufgabe, den Überblick zu wahren und auf einer eigens angelegten Checkliste abzustreichen, welche offiziellen Regularien erledigt waren. Ordnung muss sein, auch bei einem Geburtstagsfest.

Das Ganze sorgte bei den rund 100 Gästen in Saal für viele Lacher, für viel Applaus und beim ein oder anderen fielen auch die "Werbeeinlagen" von Waltraud Kannen auf fruchtbaren Boden. Acht ließen sich als Neumitglieder (Jahresbeitrag 20 Euro) registrieren. 132 Mitglieder hat der Verein derzeit, dem Ziel der magischen Grenze von 200 ist er an dem Abend so ein ganz kleines Stück näher gekommen.

Was den Verein auszeichnet, erfuhren die Gäste häppchenweise über die Antworten zu den Quizfragen. Zehn Jahre ist es her, dass die Nachbarschaftshilfe für Menschen in Sölden, Bollschweil und Ehrenkirchen gegründet wurde, unterstützt von den politischen Gemeinden und der evangelischen und katholischen Kirche. Der Verein ist Mitglied im Netzwerk der Nachbarschaftshilfen in Kooperation mit der Katholischen Landfrauenbewegung Freiburg (KLFB). Benedikt Schalk, der Vorsitzende des Vereins, nannte den Wunsch nach einem gemeinschaftsstiftenden Projekt in der damals neu gegründeten Seelsorgeeinheit als ein Motiv seines Engagements; dass ältere Menschen möglichst lange und selbstbestimmt in ihrer vertrauten Umgebung leben können, als ein wichtiges Ziel.

Von der Kinderbetreuung über Begleitung bei Einkäufen oder Arztbesuchen bis hin zu gemeinsamen Spaziergängen, die Einsatzkräfte, mittlerweile sind es 35, haben damals wie heute viel zu tun, um die Wünsche der derzeit 71 Menschen aus den Gemeinden zu erfüllen, die das Angebot des Vereins mehr oder weniger regelmäßig in der Woche nutzen und dafür auch bezahlen. Fast 4000 Einsatzstunden wurden 2017 geleistet, 2016 waren es noch rund 600 weniger. Nicht zum Aufgabengebiet gehört, aber besonders häufig nachgefragt ist, so die Antwort auf eine Quizfrage, das Putzen.

Maria Munsel aus Bollschweil war übrigens die erste, die einen solchen Einsatz für den Verein übernahm. Sie wurde wie die weiteren zahlreich anwesenden Einsatzkräfte mit Lob und Applaus bedacht. Freude an der Arbeit, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit – viele Charaktereigenschaften wurden aufgezählt, die die Damen auszeichnen, ebenso wie die Organisatorinnen der Einsätze, Erika Grammelspacher – wie der größte Teil des Vorstands bereits seit der Geburtsstunde des Vereins dabei – und Claudia Held.

Die Hilfe von Haus zu Haus steht gut da, hat "ordentlich gewirtschaftet", erläuterte Waltraud Kannen den Gästen. Allen, die sich für seine Gründung engagiert haben, attestierte sie großen Weitblick.

Nachbarschaftliche Unterstützung sei heute nicht mehr so gegeben wie früher, älteren Menschen fehle die Unterstützung durch Kinder, die weggezogen sind und woanders arbeiten, umgekehrt wiederum jungen Familien die Hilfe durch die Großeltern. In all diesen Gebieten werde der Verein in den nächsten Jahren gefordert sein, "eine Herausforderung, die wir gerne annehmen".