Gegner lassen nicht locker

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

So, 15. Juli 2018

Sölden

Der Sonntag Für einen Supermarkt bei Sölden soll das Grundstück aus dem Landschaftsschutzgebiet genommen werden – alle Hürden sind genommen, doch der Protest hält an.

Am Ortsausgang von Sölden soll an der Landstraße Richtung Wittnau ein Edeka-Supermarkt gebaut werden. Ende 2019 könnte er fertig sein. Schon 2011 starteten die ersten Planungen für die Ansiedlung eines Vollsortimenters. Seit Jahren gibt es Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern, wobei ein Bürgerentscheid 2015 eindeutig zugunsten des Supermarktes ausfiel. Doch Umweltverbände und der Verein Zukunft Hexental lassen nicht locker. In einem offenen Brief an Entscheidungsträger in Verwaltung und Politik fordern sie die Planung auf der grünen Wiese zugunsten des Landschaftsschutzes aufzugeben.

Die Verfasser des offenen Briefes kritisieren neben der Größe des geplanten Supermarkts vor allen Dingen den Standort im bisherigen Landschaftsschutzgebiet und das krebsartige Ausufern der Siedlungsbebauung. Besonders erbost sind sie darüber, dass die zuständigen Behörden, nämlich die untere und obere Naturschutzbehörde beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald und beim Regierungspräsidium Freiburg, zustimmten, den geplanten Standort aus dem regionalen Grünzug des Regionalplans sowie aus dem Landschaftsschutzgebiet herauszunehmen.

"Wir haben drei Jahre lang alles Notwendige abgearbeitet", sagt Söldens Bürgermeister Markus Rees, "deshalb verstehe ich nicht, wieso sich die Gegner nicht damit abfinden, dass die Mehrheit den Supermarkt an dieser Stelle will." 81 Prozent hatten sich im Oktober 2015 am Bürgerentscheid beteiligt, 67 Prozent sprachen sich für den Supermarkt aus, der geplante Standort im Gebiet "Obere Tormatten" sei sogar in die Fragestellung aufgenommen gewesen, erläutert er. "Es geht um Grundversorgung für die 1 300 Einwohner Söldens und die 1 500 Einwohner Wittnaus und um einen Supermarkt von maximal 800 Quadratmetern an der Landstraße", sagt Rees. Eine Unzahl von Standorten in beiden Gemeinden habe man von anerkannten Gutachtern prüfen lassen, auch alle möglichen innerörtlichen Flächen. Keine sei machbar gewesen, sagt der Bürgermeister.

Erst nachdem klar gewesen sei, dass innerorts keine Standorte vorhanden seien, habe man den Suchraum auf Flächen im Außenbereich und im Landschaftsschutzgebiet ausgeweitet. In der Sitzung der Verwaltungsgemeinschaft Hexental im Juni war die für den Supermarktbau notwendige dritte Änderung des Flächennutzungsplanes einstimmig beschlossen worden. In der 79 Seiten umfassenden Begründung zur Änderung des Flächennutzungsplanes werden zwölf Standorte in Sölden und 14 in Wittnau geprüft und die Abwägung hinsichtlich der Standorte dargestellt. Der Standort "Obere Tormatten" sei nicht auf der grünen Wiese, sondern liegt gegenüber einer bestehenden Wohnbebauung und grenze an Sportplatz und Bauhof an, so Rees. Voraussetzung für die Herausnahme der Fläche für den künftigen Supermarkt aus dem Landschaftsschutzgebiet "Schönberg" sei gewesen, dass die Gemeinde eine andere Fläche ins Landschaftsschutzgebiet aufnehmen lasse. Diese Fläche, die 6 700 Quadratmeter umfasst und nach Angaben des Bürgermeisters höherwertig und größer sei, liegt auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Gebiet "Obere Breite" und gehört zum Landschaftsschutzgebiet "Oberes Hexental."

Stephan Pflanz, Vertreter des Vereins Zukunft Hexental, der etwa 50 bis 60 Mitglieder aus dem gesamten Hexental hat, kritisiert, dass innerörtliche Flächen nicht ausreichend geprüft worden seien. "Natürlich soll die Nahversorgung verbessert werden, das ist unstrittig, aber wir brauchen keinen Vollsortimenter mit 800 Quadratmetern", sagt er, "wir sind überrascht, dass die untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt der Herausnahme der Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet zugestimmt hat, trotz unserer kritischen Stellungnahmen während aller Phasen der Planungen."

Der Verein und auch die Umweltverbände befürchten in ihrem offenen Brief, dass die jetzige Planung den Weg für weitere Projekte ebnen könnte. Genau die seien nicht geplant, versichert Bürgermeister Markus Rees und fordert die Gegner auf, die Planung, die auf allen Ebenen demokratisch abgesichert sei, endlich zu akzeptieren.

Die Beratungsvorlage Anlage 3.1. bis 3.13 Teil 1 der Verwaltungsgemeinschaft Hexental kann man unter dem Kurzlink http://mehr.bz/37yb herunterladen. Die Verordnungen des Landratsamts zur Änderung der Landschaftsschutzgebiete stehen auf der Seite der Gemeinde Sölden unter http://mehr.bz/ gyii zum Download bereit.

Gabriele Hennicke