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17. Dezember 2011
Heizen mit Hackschnitzeln
Planung für Nahwärmenetz im Söldener Gemeinderat vorgestellt / Umfrage startet im Januar.
SÖLDEN. Gibt es genügend Interessenten für ein Nahwärmenetz in Sölden und kann dieses wirtschaftlich betrieben werden? Diesen Fragen wird das Freiburger Planungs- und Ingenieurbüro Endura in den kommenden Wochen nachgehen. Die Gemeinde strebt an, im Rahmen der Sanierung der Herrgasse ein Nahwärmenetz zu installieren, an welches neben privaten Haushalten auch der neue Bauhof, die Grundschule und das Klosterareal angeschlossen werden sollen.
Das geplante Nahwärmenetz soll den oberen Teil der Herrgasse, die Abt-Steyrer-Straße, die Straße "Am Helgenacker" und den Meierhofweg – das sind insgesamt zirka 60 Haushalte – abdecken. Schon in seiner Junisitzung hatte sich der Gemeinderat mit dem Aufbau eines solchen Versorgungsnetzes befasst, dazu hatte die Gemeinde im Vorfeld eine Umfrage bei den Hauseigentümern über ihr Interesse an dieser Heizform gestartet. Mit dem Rücklauf von 20 Prozent war die Gemeinde damals nicht zufrieden gewesen. "Ich finde dieses Ergebnis gar nicht schlecht", sagte dagegen Rolf Pfeifer, Geschäftsführer der Firma Endura Kommunal, in der Ratssitzung am Mittwoch. Seine Firma hat den Auftrag bekommen, die Machbarkeit eines Nahwärmenetzes in Sölden zu prüfen, nachdem sich mehrere Ingenieurbüros dem Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung vorgestellt hatten.Werbung
Gebaut werden soll ein System, dessen Kern ein mit Holzhackschnitzeln befeuerter Brennofen ist. Die dort entstehende Heizenergie wird als Warmwasser über in den Straßen verlegte Rohre zu den einzelnen Häusern geleitet und durch eine sogenannte Wärmeübergabestation in das dortige Heizsystem eingespeist. Gewonnen werden die Holzhackschnitzel aus Restholz, das bei der Durchforstung von Wäldern anfällt. "Und zwar nicht irgendwelcher Wälder, sondern der Wälder in der Region", erklärte Pfeifer und verwies beispielsweise auf die Forstbetriebsgemeinschaft Belchen-Neumagen in Mün- stertal, die Holzhackschnitzel herstellt und verkauft.
In Spitzenzeiten, sprich im Winter, wenn viel Wärme benötigt wird, werde das Hackschnitzellager in Sölden wohl alle drei Tage von einem Lastwagen angefahren und aufgefüllt. "Im Sommer reicht es, wenn der Laster alle vier Wochen kommt", informierte Pfeifer. Für den Fall, dass der Holzhackschnitzelkessel einmal nicht genügend Wärme produzieren kann, ausfällt oder gewartet werden muss, wird ein zweiter Kessel installiert, der mit Gas betrieben wird. Die Sorge von Gemeinderat Norbert Gross, bei einer zu hohen Nachfrage könnten Holzhackschnitzel knapp werden und ihr Preis enorm steigen, teilte Pfeifer nicht: "Lieferprobleme wird es keine geben und eventuelle Preissteigerung werden nie so hoch sein wie bei Erdöl oder Erdgas."
In den nächsten Wochen startet die Endura eine Umfrage, um bei den Hausbesitzern Energieverbrauch, Heizart und das Alter ihre Heizung abzufragen. "Basierend auf diesen Angaben und den Investitionskosten für das Nahwärmenetz werden wir ausrechnen, wie viel die Kilowattstunde Heizenergie kosten wird und ob wir damit unter dem Preis bleiben können, den die Haushalte jetzt bezahlen. Zudem wollen wir mit allen Anliegern ins Gespräch kommen und offene Fragen klären", erklärte Rolf Pfeifer. Oft, so seine Erfahrung, entstünden aus Unwissenheit Vorurteile gegen diese Art der Wärmeversorgung. "Dabei gibt es Nahwärmenetze schon seit einiger Zeit, beispielsweise in Vauban oder in Merzhausen."
Natürlich müsse nicht jeder Anlieger mitmachen, doch sei solch ein Nahwärmenetz auf jeden Fall sinnvoll und richtig, sagte Bürgermeister Markus Rees: "Man kann nicht gegen Atomkraft sein, sich aber neuer Wege verschließen." Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie werden in zwei bis drei Monaten im Gemeinderat vorgestellt.
Autor: Tanja Bury
