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17. Dezember 2011
Jedes Schaf hat seine Körperhaltung
BZ-SERIE "WEIHNACHTSZEIT – KRIPPENZEIT": Die Krippe in der Söldener Kirche und die Arbeit von Restaurator Wolfgang Karle.
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Ungewöhnliche Figur in der Söldener Krippe: das Mädchen mit dem Obstkorb auf dem Kopf. Foto: Tanja Bury
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Foto: Michael Saurer
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Zur Krippe in der Söldener Kirche (Bild von 2011, links) gehören auch die Schafe. Derzeit werden die schätzungsweise 100 Jahre alten Tierfiguren von Restaurator Wolfgang Karle (Bild rechts) repariert. Foto: Michael Saurer/Tanja Bury (2)
BREISGAU. Egal wie unterschiedlich sie auch sind – Jesuskind, Maria, Josef, Ochs und Esel gehören zu jeder Krippe. In der Serie "Weihnachtszeit – Krippenzeit" wird die Breisgau-Redaktion in den kommenden Wochen Krippen in Kirchen und Wohnzimmern im Freiburger Umland ebenso vorstellen, wie Leute, die sich dem Krippenbau verschrieben haben. Heute: Die Krippe der Kirche in Sölden und die Arbeit des Restaurators Wolfgang Karle in St. Ulrich.
Der Zahn der Zeit macht auch vor den schönsten Weihnachtskrippen nicht halt. In Sölden stand zum Beispiel noch vor rund 20 Jahren eine sehr große Krippe, die den gesamten Seitenaltar ausfüllte. Da der findige Tüftler und begabte Handwerker Albert Bleichner, der für sie zuständig war, verstarb, verfiel danach auch das große Ensemble der Weihnachtsfiguren. Eine kleinere Krippe wurde von dem damaligen Mesner Meinrad Frey installiert, nicht mehr im linken Seitenaltar, sondern auf der rechten Seite. Einige der Figuren und Bauwerke der alten Krippe konnten aber in die neue integriert werden. Dazu gehört auch eine besondere kleine Figur: ein Mädchen, das einen Korb mit Obst auf dem Kopf trägt. Der für die jetzige Krippe zuständige Mesner und Söldener Diakon Gerhard Ostertag erinnert sich noch, dass die ungewöhnliche Figur wohl auch aus der alten Krippe stammt und offenbar eine der Lieblingsfiguren der Kinder war. Auch das Krippenhäuschen und die vielen Schafe stammen wohl noch aus früheren Zeiten. Wie alt sie tatsächlich sind, lässt sich nicht mehr mit Bestimmtheit sagen.Werbung
Da ihnen die Zeit aber ziemlich zugesetzt hat, werden die Schafe derzeit in der Werkstatt des St. Ulricher Restaurators Wolfgang Karle wieder auf Vordermann gebracht. Einige Beine haben sie verloren, auch das eine oder andere Ohrläppchen hat sich im Laufe der Jahrzehnte verabschiedet. Karle schätzt, dass die Pappmaché-Schafe um die 100 Jahre alt sein könnten. Behutsam feilt er an den fehlenden Gliedmaßen – was mitunter gar nicht so einfach ist. Denn jedes Schaf ist ein Unikat und verfügt über seine eigene Körperhaltung. "Ich muss bei jedem Schaf überlegen, wie das fehlende Bein ausgesehen haben mag, sonst verliert das einfach seine Natürlichkeit", erklärt Karle seine mitunter fast detektivische Puzzlearbeit. Mindestens eine Stunde sei er pro Schaf beschäftigt, und nicht selten müsse man später noch einmal nachschleifen und feilen. "Der Restaurator hat dann gute Arbeit geleistet, wenn man nicht sieht, was er eigentlich gemacht hat", meint der Handwerker.
Bis zum Heiligabend muss er seine Arbeit fertig haben, denn sollen die Schafe wieder auf ihrer Weide um das Krippenhäuschen zu sehen sein.
Gute sieben Stunden wird Gerhard Ostertag dann damit beschäftigt sein, das weihnachtliche Arrangement in Position zu bringen. Schon seit Wochen hat er sich Gedanken gemacht, wie die Krippe in diesem Jahr aussehen soll. Viele Tücher wird er benutzen, die den Hintergrund wie auch die Abdeckung in Form eines Sternenhimmels bilden sollen. Wichtig ist ihm auch, dass viele natürliche Materialien verwendet werden. Es ist gar nicht so leicht, passendes Moos zu finden. Die bekannten Moos-Stellen im Söldener Wald waren beinahe flächendeckend "abgegrast" – wohl von anderen Söldener Krippenbesitzern. "Die Söldener kennen da ihre Stellen", meint Gerhard Ostertag lachend. Nur mit etwas Glück hat er dann noch eines der letzten Stückchen der grünen Pflanzen gefunden.
Trotz des vielen Aufwands freut sich Ostertag bereits jetzt auf seine Arbeit an der diesjährigen Krippe. Besonders die Kinder sind Jahr für Jahr von der Krippe fasziniert und entpuppen sich mitunter als ebenso aufmerksame wie hartnäckige Kritiker. So sei von einigen Kindern über Jahre hinweg moniert worden, dass beim Ochsen ein Horn abgebrochen war. Lange Zeit dachte Ostertag, dass man den kleinen Makel einfach verstecken könnte. "Ich hab den Ochsen dann auf die andere Seite gedreht, in den Hintergrund gestellt – genützt hat es nichts, die Kinder haben es doch immer wieder gemerkt." Letztendlich gab sich der Mesner geschlagen und ließ das Rind in der Werkstatt von Wolfgang Karle verarzten – seitdem hat es wieder beide Hörner.
"Ich finde es einfach toll, wie aufmerksam die Kinder die Krippe immer betrachten. Wenn die zu Weihnachten mit leuchtenden Augen vor der Krippe stehen, dann hat sich meine Mühe gelohnt."
Autor: Michael Saurer


