Gemeinderat

Weiterer Schritt auf dem Weg zum Lebensmittelmarkt Sölden ist getan

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Mo, 30. Juli 2018 um 17:25 Uhr

Sölden

Einstimmig erfolgte der Offenlagebeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan "Lebensmittelmarkt" im Gemeinderat Sölden.

Einen weiteren Schritt zum geplanten Bau eines Lebensmittelmarktes am nördlichen Ortsausgang von Sölden tat der Gemeinderat auf seiner jüngsten Sitzung. Zuvor wurde nochmals auf die wesentlichen im Rahmen der frühzeitigen Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung eingegangenen Stellungnahmen – insbesondere die von einzelnen Bürgern – eingegangen. Fragen aus der Bürgerschaft gab es in der Sitzung nicht.

Lang währte der Prozess bis zum Offenlagebeschluss. "Teilweise sind die Einwendungen zwei Jahre alt", so Bürgermeister Markus Rees über das gut 60 Seiten starke Kompendium. Er versicherte, dass nicht nur die Einwände und Stellungnahmen, sondern auch Planwerk und Gutachten zeitnah auf der Gemeindehomepage veröffentlicht werden. "In den Stellungnahmen der Bürger wurde der Gemeinderat teils direkt angesprochen und kritisiert", meldete sich Bernhard Scherer (BS) zu Wort. Ihm war es aus diesem Grunde wichtig, die zentralen Argumente gegen den Markt, die von drei Personen gesammelt und eingebracht worden waren, nochmals zu nennen und aus seiner Sicht zu bewerten.

Gemeinderat wurde "Salamitaktik" vorgeworfen

Gleich mehrfach war nicht nur dem Söldener, sondern auch dem Wittnauer Gemeinderat sowie den jeweiligen Verwaltungen "Salamitaktik" oder einseitige Informationspolitik pro Supermarkt vorgeworfen worden. "Das sehen wir anders. 67 Prozent der Bürger wollen den Markt", blickte Bernhard Scherer auf die Bürgerbefragung vom Oktober 2015 zurück. Aufgrund dieses klaren Votums sei es Aufgabe des Gemeinderates, den Bürgerwillen umzusetzen, fand Scherer. Kategorisch verwahrte er sich gegen einen weiteren Einwand, der in Sachen Gutachten sowie Standortprüfungsverfahren "Gefälligkeitsgutachten" monierte.

Weitere Gegenargumente, wie die Lage im Landschaftsschutzgebiet sowie im regionalen Grünzug seien inzwischen obsolet, da die Fläche aus den fraglichen Schutzzonen hinausgenommen worden sei. Ein weiteres Gutachten hätte ergeben, dass der Rotmilan weder auf der Fläche brütet, noch auf diese als Nahrungshabitat angewiesen sei. Auch archäologische Funde waren bei der Prüfung durch das Landesdenkmalamt nicht gemacht worden, so Scherer. "Diese Themen sind durch", blickte er auf die frühzeitige Beteiligung zurück.

Holz, Glas und mit extensiver Dachbegrünung

Als ärgerlich empfand der die Tatsache, dass in einer Stellungnahme die Länge des geplanten Gebäudes mit 80 statt der vorgesehenen knapp 64 Meter angegeben worden sei. Der Standortvorschlag "Obere Breite" sei kaum für einen Supermarkt geeignet, da "dann der ganze Verkehr durch das Dorf führt", so Bernhard Scherer zu einer Anregung in einem der Einwände. Auch das Argument, der Markt zöge mehr Verkehr in den Ort, wollte Scherer nicht einleuchten. Im Gegenteil. Er erhoffte sich weniger Einkaufsfahrten durch einen Vollsortimenter am Ort. "Man sollte diese Behauptungen kritisch prüfen", lautete Scherers Fazit hinsichtlich sämtlicher privater Einwände. Eine Einschätzung, die seine Ratskollegen mit Tischklopfen bestätigten.

Anhand einer Bildpräsentation zeigte Bürgermeister Markus Rees nochmals auf, wie der Supermarkt einmal aussehen soll – aus Holz, Glas und mit extensiver Dachbegrünung. "Es ist ein landschaftstypisches Gebäude", betonte Rees auch mit Blick auf eine Anzeige der Supermarktgegner in der Badischen Zeitung, in welcher – wenn auch symbolisch – ein optisch von den Plänen deutlich abweichendes Gebäude gezeigt worden sie. Markus Rees wiederholte zudem, dass im Falle einer Aufgabe des Supermarktes durch den Betreiber Johannes Ruf, dieser sich zum Abbruch des Gebäudes verpflichtet und der Gemeinde ein Vorkaufsrecht für das Grundstück eingeräumt habe.

Um die Befürchtung, im gesamten Hexental könne ein Einkaufstourismus Richtung Sölden entstehen, zu entkräften, wird wohl auch der Arbeitstitel des Bauvorhabens, "Hexentalmarkt Sölden", der Geschichte angehören, wusste Rees. Inzwischen firmiert Johannes Rufs Supermarkt in St. Peter, der Pate für das Vorhaben in Sölden steht, unter dem Namen "Beckesepp".