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09. März 2012 20:00 Uhr

Kategorie mittlere Unternehmen

Soitec aus Freiburg gewinnt Jobmotor 2011

Der Trumpf von Soitec aus Freiburg ist die effizienteste Solarzelle der Welt. In der Kategorie mittlere Unternehmen gewann Soitec den Jobmotor 2011. Ein Blick hinter die Kulissen.

  1. Soitec-Chef Lerchenmüller in der hochautomatisierten Produktion Foto: concentrix

Einer der meistbeschäftigten Leute beim Solarstromspezialisten Soitec ist Personalchef Reinhold Sonner. Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Soitec denn gerade? "Das ändert sich jede Woche", sagt Sonner und blättert in den Unterlagen. 77 Beschäftigte waren es Ende 2010, ein Jahr später 140, jetzt schon 175.

Der Jobmotor will in Zukunft mit einer jungen Technik Geld verdienen. Sie macht auf spezielle Weise aus Sonnenlicht Strom und könnte einen Teil beisteuern zur Energiewende – nicht jedoch in Deutschland. Die Anlagen von Soitec brauchen viel mehr Sonnenlicht, als es hierzulande gibt. Bei der herkömmlichen Photovoltaik fangen großflächige Zellen das Licht ein. Bei Anlagen von Soitec fällt das Licht auf eine Linse, die es bündelt. Deshalb heißt die Technik Konzentrator-Photovoltaik. Der konzentrierte Lichtstrahl fällt dann auf eine Zelle, deren Durchmesser kleiner als drei Millimeter ist. Diese Zelle wurde einst entwickelt, um im All Satelliten mit Strom zu versorgen. Laut Soitec gibt es keine Solarzelle, die Licht effizienter in Energie umwandelt. Geschäftsführer Hansjörg Lerchenmüller (44) sagt: "Nur weil das so ist und weil die Qualität von made in Germany so gut ist, können wir im Hochlohnland Deutschland fertigen." Linsen und Zellen werden hierzulande – und nicht etwa in China – zu Modulen zusammengebaut. Diese sehen aus wie eine Doppelglasscheibe. Auf der einen Scheibe befinden sich die Linsen, auf der anderen die Solarzellen. Mehrere Module werden auf einen Ständer gesetzt. Er dreht die Anlage horizontal und vertikal, sodass sie die Sonne stets direkt anbeten kann.

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Vor sieben Jahren gründete der gelernte Physiker Lerchenmüller die Firma aus dem Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme aus. Zuerst hieß sie Concentrix. Wer so schnell wächst, braucht viel Geld. Zuerst war es spanisches Wagniskapital, 2009 kaufte die börsennotierte französische Halbleiterfirma Soitec den Betrieb. In Freiburg flossen 30 Millionen Euro in eine neue Fertigungslinie, die jüngst anlief. Ein Großauftrag für Südafrika wird darauf abgearbeitet. Er wird die Multikultitruppe in der stark automatisierten Produktion zehn Monate lang beschäftigen.

Im kalifornischen San Diego baut Soitec gerade eine Fabrik, die drei Mal so groß ist wie jene in Freiburg. Das kostet 150 Millionen Euro und bringt 450 Jobs. Auch in Amerika hat die Energiewende begonnen. US-Stromkonzerne müssen eine Ökostromquote erfüllen, die über die Jahre steigt. Soitec verkauft Anlagen, die in der kalifornischen Wüste aufgebaut werden und Solarstrom erzeugen. Die Aussichten für Soitec sind umso besser, je mehr sonnenreiche Staaten Ernst machen mit dem Umbau ihrer Stromversorgung. Diese Abhängigkeit von politischen Entscheidungen ist zugleich ein Risiko. Auch kann niemand wissen, ob Soitec auf die richtige Technik setzt oder ob Wettbewerber vorbeiziehen. Firmenchef Lerchenmüller ist sehr zuversichtlich – nicht nur, was das Geschäftliche angeht: "Ich bin Unternehmer, aber auch überzeugt davon, dass wir die Welt verändern können."
Die Platzierten (Kategorie mittlere Unternehmen)
  • Zweiter Platz: Leclanché GmbH, Willstätt
  • Dritter Platz: Ciber Services, Freiburg

Autor: Ronny Gert Bürckholdt