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11. Januar 2011

Freiburger Fight-Night: Treten, werfen, feiern

Auf der dritten Freiburger Fight-Night im Circolo-Zelt sehen knapp 1000 Zuschauer harte Kämpfe.

  1. Der Freiburger Gregor Herb nach seinem Sieg auf der dritten Freiburger Fight Night. Foto: Eisele

KAMPFSPORT. Zum dritten Mal fand am vergangenen Samstag die Freiburger "Fight-Night" statt, dieses Mal im Weihnachtszirkus Circolo. Knapp 1000 Zuschauer sahen zwölf Kämpfe, eine Freiburgerin, die Europameisterin im Kickboxen wurde und den früheren Judoka Gregor Herb, der seine Freiheiten im Ring genießt.

Spannend ist es bereits, bevor die "Fight-Night" überhaupt begonnen hat. Mäuschen spielen hinter den Kulissen ist angesagt. Beim Wiegen der Kämpfer am Vortag der Veranstaltung hat Daniele Moro ein halbes Kilo zu viel auf die Waage gebracht – und ist damit zu schwer, um am Kampf teilzunehmen. Fassen kann er es nicht. Laut zeternd verlässt der Schweizer das Zelt. Besser, man gibt seine Worte nicht wieder. Aber schon wird spekuliert, ob er es nicht schaffen könne, das überschüssige halbe Kilo über Nacht loszuwerden. Die Vorschläge reichen von "Durchhungern" über "Seil springen" bis hin zu "saunen gehen". Doch am nächsten Tag steht fest, dass Moro nicht an der Fight-Night teilnimmt. Den knapp 1000 Zuschauern im fast ausverkauften Zirkuszelt an der Neuen Messe sagt Ringsprecher Andreas Eckerlin, dass Moro wegen Krankheit nicht teilnehmen könne. Das stimmt auch, so Henri Chalet, der technische Leiter der Fight-Night. Chalet ist trotzdem sauer über Moros Wutausbruch: "Das war kein guter Stil". Die Veranstalter nehmen ihren Wettbewerb sehr ernst. Die Regularien lassen wenig Spielraum. Und es geht auch um Respekt.

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"Aggressiv, aber nicht

gewaltverherrlichend."

Freefighter Gregor Herb
"Ich denke schon, dass sich die Kämpfer respektieren", sagt Nummerngirl Aisha, die in High Heels über die Bretter stolziert, "schließlich geben die sich nach dem Kampf brav die Hand." Trotzdem müsse sie ab und an wegschauen: "Mir ist das zu aggressiv." Aggressiv ja, sagt der Freiburger Gregor Herb (32), aber nicht "gewaltverherrlichend oder irgendwie abartig". Die Disziplinen, in denen die World Kickboxing Association (WKA) ihre Wettkämpfe in Freiburg austrägt, stehen im Ruf Gewalt und Brutalität unnötig zur Schau zu stellen. Das gilt auch für Gregor Herbs Disziplin "Mixed Martial Arts", bekannt als "Freefight". Es ist eine Mischung verschiedener Kampfkünste und unterliegt nur wenigen Beschränkungen. Erlaubt sind das Treten, Schlagen, Werfen und der Bodenkampf. Der Kampf endet, wenn ein Kämpfer vorzeitig aufgibt oder der Kampfrichter den Kampf abbricht.

Herb gewinnt seinen Kampf gegen David Radeff aus Straßburg. Nach 1:02 Minuten hat er den Franzosen per Armhebel außer Gefecht gesetzt. Das Zelt kocht. "Es liegt vor allem an der Unwissenheit, dass manche unseren Sport als sinnlos oder brutal betrachten", erklärt Herb. Angefangen hat Herb als Judoka. Seine große Stärke ist der Bodenkampf. Über das sogenannte "Brazilian Jiu-Jitsu" hat er zum Freefight gefunden: "Ich finde es spannend, wie man versucht, sich und seinen Stil dem Gegner aufzuzwingen."

Die Kämpfe der Fight-Night wirken anspruchsvoll. Die Kampfsportler achten tunlichst darauf, nicht wild um sich zu boxen, sondern gezielt Treffer zu landen. Für die gibt es Wertungspunkte, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Auch für die Freiburgerin Claudia Schemmer (39) reicht es zum Sieg. In ihrem ersten Profikampf sichert sich Schemmer den Europameistertitel im Vollkontakt-Kickboxen gegen die Französin Marjorie Lock. "Wow", sagt sie und kann es kaum fassen. Schemmer trägt aber eine angeknackste Rippe davon, auf die es ihre Kontrahentin immer wieder abgesehen hatte. Auch das ist Teil dieser Kampfsportarten, ganz wie im Boxen. "Man will den Kampf so schnell wie möglich beenden", so Schemmer. Da werden Verletzungen des Gegners konsequent ausgenutzt. Zu "99 Prozent" fair seien die Kämpfe aber verlaufen, sagt Ringrichter Goran Pilipovic. Schemmer scheint sich um ihre Schmerzen gar nicht zu kümmern. Vollgepumpt mit Adrenalin und überglücklich zieht es sie in die Stadt: "Jetzt wird gefeiert."

3. Freiburger Fight-Night: Julian Chapoutot (Sarreguemines) besiegt Willy "the Lion" Bertrand (München), Weltmeisterschaft K-1, nach Punkten 49:48, 48:49, 49:46.
Claudia Schemmer (Freiburg) besiegt Marjorie Lock (Sarreguemines), Europameisterschaft Kickboxen Vollkontakt, nach Punkten 69:65, 65:68, 68:66.
Loic Janin (Straßburg) bes. Omar Rondo Velasco (München); Dt. Meisterschaft K-1, Technischer K.o. nach 2:45 Minunten in Runde drei. Gregor Herb (Freiburg) bes. David Radeff (Straßburg), MMA, Sieg durch Armhebel nach 1:02 Minuten in Runde eins.

Autor: Matthias Eisele