Nichts für schwache Nerven

Moritz Ullrich

Von Moritz Ullrich

Di, 16. Oktober 2018

Sonstige Sportarten

In erster Linie Männersache: Bei der fünften Auflage von Cage Bros verwandelt sich die Staudingerhalle in eine Kampfsportarena.

KAMPFSPORT. Am Samstagabend fand in Freiburg die fünfte Auflage der Kampfsport-Gala Cage Bros statt. Vor mehr als 400 Zuschauern standen in der Staudinger Sporthalle elf MMA-Kämpfe (Mixed Martial Arts) und ein K1-Kampf auf dem Programm. Veranstalter waren Gregor Herb und die Freiburger Kampfsportschule Fight Bros.

Es ist kurz nach 21 Uhr. Auf dem Programm der Fight-Night Cage Bros V steht der drittletzte Kampf des Abends. In dem Profikampf, der über dreimal fünf Minuten dauern soll, stehen sich Lokalmatador Philipp Haarburger von den Freiburger Fight Bros und sein österreichischer Herausforderer Max Goldenberg aus Wien in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm gegenüber. Umgeben von einem Zaun halten sich beide noch in ihrer jeweiligen Ecke des Rings auf und bekommen letzte Anweisungen von ihren Trainern. Nach und nach richten sich die Blicke der Zuschauer in der dunklen Sporthalle auf den Käfig, in dessen Mitte ein weißer Lichtkegel fällt. Schließlich gibt der Kampfrichter ein Signal und die Kontrahenten klatschen sich ein letztes Mal ab.

Der Kampf beginnt.

Sprechchöre setzen ein aus dem Publikum, das hauptsächlich aus Männern besteht. Aber auch einige Frauen haben den Weg in die Halle gefunden – obwohl auf dem Flyer der Veranstaltung ein durchgestrichener Stöckelschuh abgebildet war. Veranstalter Gregor Herb lacht: "Das haben wir nur gemacht, weil solche Schuhe in der Halle verboten sind und den Boden kaputt machen." In der Halle wird Popcorn verkauft, hin und wieder erschallt martialische Musik. Eine Nebelmaschine läuft. Ganz ohne Show kommt die Kampfsport-Gala nicht aus. "Das ist immer wieder amüsant, sich solche Veranstaltungen anzuschauen. Es ist spannend, wie sich die Kämpfer gegenüberstehen und außer ihren zwei Fäusten nicht viel haben", meint unter den Zuschauern der 25-jährige Max, der vor zwei Jahren auf den Sport aufmerksam wurde.

Mittlerweile haben erste Schläge Haarburgers den Gegner getroffen. Die Masse feiert. Plötzlich findet der Kampf am Boden des Käfigs statt. Nicht ungewöhnlich, setzt sich das MMA doch aus verschiedenen Kampfsportarten zusammen. Verwendet werden Schlag- und Tritt-Techniken des Boxens, Kickboxens, Taekwondo, Muay Thai und Karate, aber auch Bodenkampf- und Ringtechniken des Brazilian Jiu-Jitsu, des Ringens, Judo und Sambo. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass unheimlich viel erlaubt ist. Der Ruf, MMA sei eine brutale Sportart, kommt also nicht von ungefähr.

Hallensprecher und Ansager Oliver Orzel, selbst Kampfsportler bei den Fight Bros, sieht das anders: "MMA ist das Schach des Kampfsports. Es gibt so viele strategische Möglichkeiten, einen Kampf zu entscheiden. Das erfordert ganz viel Köpfchen." Nasenbluten oder kleine Platzwunden sind dennoch nicht gerade selten. "Fotos werden immer dann gemacht, wenn ein Kämpfer blutet und schwitzt", versucht Orzel MMA zu verteidigen. Auch Herb meint, die Kritik am MMA sei zu Beginn stark von den Medien gesteuert worden. Er sieht aber eine positive Entwicklung: "Die Berichterstattung ist in den letzten Jahren schon deutlich besser geworden."

Im Käfig unterbricht der Ringrichter plötzlich den Kampf. Er hat die Aufgabe von Goldenberg wahrgenommen, angezeigt durch einen Aufschrei. Doch Goldenberg bestreitet dies vehement. Diskussionen setzen ein. Nach zehn Minuten werden erste Pfiffe laut und das Publikum skandiert "Weiter!" Schließlich wird der Kampf zum "No-Contest" erklärt. Das Duell geht also ohne Gewinner und Verlierer zu Ende.

Am Sonntagmittag wird nach Sichtung von Videoaufzeichnungen die Entscheidung jedoch zu Gunsten des Freiburger Kampfsportlers korrigiert. "Wir haben uns in dem Moment falsch beeinflussen lassen. Als wir das Videomaterial gesehen haben, war die Sache aber klar", erklärt Herb die Entscheidung des Schiedsgerichtes.

Gegen 22 Uhr sind alle zwölf Duelle über die Bühne gegangen. Neben den elf MMA-Kämpfen, von denen drei Profikämpfe waren, fand außerdem ein K-1-Kampf statt. Das K-1 verzichtet im Gegensatz zum MMA auf den Bodenkampf. Ernste Verletzungen hat keiner der 24 angetretenen Sportler erlitten. Für schwache Nerven ist der Platz am Käfig aber definitiv nicht zu empfehlen.