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18. Januar 2012

"Pilates ist Prävention pur"

BZ-Interview mit Verena Geweniger, Präsidentin des Deutschen Pilatesverbandes, über Rückenschmerzen und den Pilatesboom.

  1. Geweniger Foto: privat

Pilates wird mittlerweile in fast jedem Fitnessstudio angeboten. Erfunden wurde die Bewegungsform von dem Deutschen Joseph Hubertus Pilates. Er eröffnete im Gebäude des New York City Balletts ein Trainingsstudio. Die Tänzer waren begeistert – die Pilateswelle schwappte durchs ganze Land. Verena Geweniger, Präsidentin des Deutschen Pilatesverbandes, erklärt im Gespräch mit Nora Brand, warum Pilates bei Rückenschmerzen hilft und was Madonna mit dem Boom zu tun hat.

BZ: Es gibt zahlreiche Prominente, von denen man liest, dass sie Pilates machen, um ihren Körper in Form zu bringen. Ist Pilates ein Fitnessprogramm oder steckt da mehr dahinter?
Geweniger: Ja, Pilates ist ein effektives Fitnessprogramm. Es verlangt – wie andere Programme auch, wenn man wirklich etwas erreichen möchte – kontinuierliches Üben. Bei Pilates spielt dazu auch die Konzentration, die Besinnung auf das Wesentliche, eine große Rolle. Joseph Pilates nannte sein Programm Contrology, er verlangte, dass wenige, aber sehr exakte Wiederholungen seiner Übungen absolviert werden. Kursteilnehmer, die zum Unterricht kommen, um zu entspannen, tun sich daher erst mal etwas schwer. Nach der Stunde allerdings, wenn man sich tatsächlich mal auf seinen Körper, auf seine Bewegungen konzentriert hat und nicht an tausend andere Dinge dachte – fühlt man sich wie neu geboren.

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BZ: Gibt es Leiden, bei denen Sie Pilates zur Vorbeugung besonders empfehlen würden?
Geweniger: Pilates ist Prävention pur, das haben auch die Krankenkassen erkannt und bezuschussen – eine gründliche Ausbildung des Trainers vorausgesetzt –, die Kurse. Die bewusst ausgeführten Übungen, die den gesamten Körper, besonders aber die Rumpfmuskulatur trainieren und Fehlhaltungen korrigieren sollen, sind unter anderem bei der Volkskrankheit Nummer eins, nämlich Rückenschmerzen, sehr wirkungsvoll. Pilates ist die erste deutsche Rückenschule überhaupt.
BZ: Haben sie eine Erklärung für diesen Pilatesboom in den vergangenen Jahren? Man kann das doch nicht allein auf Madonna zurückführen, die einst erzählt hat, ihren Körper mit Pilates in Form gebracht zu haben.
Geweniger: Man sollte dies nicht unterschätzen: Wenn Stars oder Sternchen sich zu Pilates bekennen, steigt immer das Interesse bei Otto-Normalverbraucher. Es hat sich aber langsam auch herumgesprochen, wie effektiv das Training ist und dass es auch wirklich Spaß macht. Hobbysportler haben auch zunehmend begriffen, dass sie zu ihrem Hobbysport einen fundierten Ausgleich brauchen, Ärzte empfehlen statt schonen bewegen und sinnvolles Training. Eben Prävention, Selbstverantwortung tragen. Mit vielen Kleingeräten im Bodenprogramm kombiniert wird es auch nicht langweilig, sondern abwechslungsreich. Ich glaube allerdings, dass nun auch noch ein weiterer Aspekt hinzukommt: Wenn Sie mit eigenem Körpergewicht und ohne computergesteuerte Geräte trainieren, erfahren sie ihren Körper auf ganz andere, viel intensivere, umfassendere Art und Weise. Die Menschen scheinen mir gerätemüde, das sehen wir auch in dem unglaublichen Yoga-Boom oder in den neuesten Entwicklungen auf dem Fitnessmarkt: Medizinbälle, Keulen werden geschwungen, schwere Taue bewegt – das ist Körpererfahrung und Körperbewusstsein – hier setzt ein Umdenken, oder besser Umspüren ein. Joseph Hubertus Pilates wäre begeistert.

Autor: bz