Leon Bridges

SOUL: Unentschlossen im Niemandsland

Peter Disch

Von Peter Disch

Mi, 16. Mai 2018

Rock & Pop

Der Sound, die Stimmung rural, tiefster amerikanischer Süden, puritanisch und suggestiv, die Zeit der Freiheit nur noch ein paar Jahre und doch unendlich weit entfernt – als 2015 Leon Brigdes’ Debüt "Coming Home" erschien, waren der Soul der frühen Sechziger, waren Sam Cooke und Otis Redding auferstanden. Drei Jahre nach dem Millionenseller geht der 28 Jahre junge Bridges mit der Platte "Good Thing" den nächsten Schritt, aber nicht den einfachen Weg. "Bet Ain’t Worth the Hand" ist mit seifigen Streichern und süffiger Harfe noch mal eine Reise in die Ära vor der Pop-Revolution. Danach aber überspringt er eineinhalb, zwei Jahrzehnte und landet in "Bad Bad News" bei einer Mischung aus Post-Disco und Fusion. Der Wunsch, das Wiedergänger-Image abzulegen, ist spürbar. Zu oft findet sich Bridges aber im Niemandsland eines glatten, braven Pop-Soul wieder. Der spricht ein noch breiteres Publikum an, wirkt im Bemühen, auf dem Fundament des Debüts eine Zukunft aufzubauen, jedoch unentschlossen.

Leon Bridges: Good Thing (Sony).