Souverän und transparent

Bianca Flier

Von Bianca Flier

Do, 04. Januar 2018

Münstertal

Euphorischer Beifall für das Neujahrskonzert mit Orgel und Trompete in St. Trudpert in Münstertal.

MÜNSTERTAL. Beim traditionellen Neujahrskonzert in St. Trudpert war die barocke Pfarrkirche wieder einmal bis auf den letzten Platz besetzt. Von nah und fern waren die Musikfreunde herbeigeströmt, um die virtuosen Künstler Karin Karle an der Orgel und Frieder Reich an der Trompete zu hören. Das zugleich abwechslungsreiche und anspruchsvolle Programm bot Werke vom Barock bis zur Neuzeit. Für die Reihe der St.-Trudpert-Konzerte im Jahr 2018 war die Veranstaltung ein Erfolgsstart.

Der Auftakt mit Georg Friedrich Händels Suite D-Dur (HWV 349) aus der "Wassermusik" war mit der festlich zelebrierten Ouvertüre, der beschwingten Gigue und der kantabilen Arie ein reiner ein Hörgenuss. Der triumphale Schlussmarsch bildete ein Kabinettstückchen für die beiden "königlichen" Instrumente. Eine gelungene Einstimmung! Ruhige, beinahe schon meditative Wirkung verströmten die folgenden Choralbearbeitungen vom Barockkomponisten Johann Ludwig Krebs. "Komm Heiliger Geist", "O Gott, du frommer Gott" und "Wachet auf ruft uns die Stimme" waren durchdrungen von inniger Andacht und heiterer Besinnlichkeit. Ein harmonischer Dialog zwischen Orgel und Trompete zeichnete diese Vorträge aus.

Für das "Pièce de Concert" von Alexandre Guilmant, einem Komponisten der französischen Romantik, wechselte das Duo auf die Empore. Aufregende Klangfülle und spannende Kontraste, divergierende Tempi und farbenprächtige Sequenzen markierten die Interpretation. Orgelornamentik, Trompetenkoloraturen und Kantilenen faszinierten mit ihren herrlich ausgeführten Nuancen. Drei weitere Choralvorspiele, diesmal von dem 2006 verstorbenen niederländischen Komponisten Jan Koetsier, demonstrierten erneut das kongeniale Zusammenwirken der "singenden" Trompete und der feinsinnig ausgesponnenen Orgelmalereien. "Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" war mit großer Andacht ausgeführt, während das rhythmisch vibrierende "Jesu meine Freude" schon fast tänzerische Eleganz hatte. Subtile Akzente setzten beide Instrumente in "Gott des Himmels und der Erden". Die luzide, transparente Trompetentechnik von Frieder Reich und das souveräne Spiel von Karin Karle ergänzten sich perfekt. Zwei Orgelsoli versetzten die Hörer in eine Klangwelt der Kontraste. Georg Friedrich Händels "Grobschmied-Variationen" aus der Klaviersuite HWV 430 gaben der Solisten Gelegenheit, die große Emporenorgel in all ihrer Registerfarbenpracht glänzen zu lassen. Verspielte und kapriziöse, feinziselierte und florale Elemente, schelmische Stückchen und klangselige Variationen liefen auf einen machtvollen, berauschenden Schluss zu. Von geradezu magischem Effekt war die Darbietung von Jehan Alains "Litanies". Der leider im zweiten Weltkrieg viel zu früh verstorbene, geniale französische Komponist und Organist an verschiedenen Pariser Kirchen hat mit diesem Werke eine fantastische Musik für Orgelsolo hinterlassen. Karin Karle präsentierte die "Litanies" in ihrer ganzen Fülle dramatischer, rasanter und gewaltiger Tongemälde, die sich bis zum fulminanten Finale immer mehr in ihren auftrumpfenden Registerfarben steigerten.

Höhepunkt des Neujahrskonzertes war dann das letzte Stück, zu dem das Duo sich wieder in der Chorraum begab. Mit Tomaso Albinonis Konzert in A-Dur, einem Muster an barocker Heiterkeit und bukolischer Sinnenfreude, zelebrierten Karle und Reich eine wahre Neujahrs-Festmusik. Es gab euphorischen und nicht enden wollenden Beifall, so dass das Duo noch eine Zugabe gab. Zur Freude der Hörer erklang als Abschiedsgruß Johann Sebastian Bachs "Jesu, meine Freude" – ein wunderschöner Ausklang.