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29. August 2009
Spannende Einblicke in den Bergbau
Stadtgeschichtliche Tour: Mit Reinhold Hämmerle und der Badischen Zeitung auf den Spuren des Erzbergbaus in Herbolzheim
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Der „
Stollen Herbolzheim“: Hier fuhren in den 70er Jahren Lastwagen in den Berg - und beladen wieder raus. Foto: Hagen Schönherr -
Unerreichbarer Rastplatz: Die Natur erobert sich das Sperrgebiet zurück. Foto: Hagen Schönherr
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Blick aus sicherer Entfernung auf den Krater (BIldmitte), der beim Tagebruch 2008 am Kahlenberg entstand und zu einem großräumigen Sperrgebiet zwang. Foto: Hagen Schönherr
HERBOLZHEIM. Ein tiefes Loch, ein Sperrgebiet und jede Menge Bergbaurelikte – Kahlenberg-Experte Reinhold Hämmerle hat für die BZ eine Wanderroute ausgetüftelt, vorbei an den letzten Spuren des alten Bergwerks von Herbolzheim, das in den 70er Jahren seine Tore schloss. Auch Touristen könnten hier Spannendes über den Bergbau mitten im Breisgau erfahren. Doch noch fehlen Wegweiser und Hinweisschilder, die den Besuch des zerfallenden Industrie-Denkmals lohnenswert machen könnten.
Reinhold Hämmerle ist Vermessungstechniker und hat den Betrieb der früheren "Barbara Erzbergbau AG" in der Breisgaugemeinde noch selbst miterlebt. "Noch heute gibt es gut sichtbare Luftschächte und Zufahrtstunnel des alten Bergwerks in der ganzen Oberstadt", sagt er. Denn in Herbolzheim wurde zwischen 1937 und 1973 Eisenerz abgebaut. Zunächst für die Rüstungsindustrie im Zweiten Weltkrieg gedacht, lieferte das Werk später Material fürs Wirtschaftswunderland. In drei Bauabschnitten durchzieht seither ein riesiges unterirdisches Stollennetz den Berg. Es reicht vom Ortseingang Herbolzheim bis an die heutige Kahlenberg-Deponie.Werbung
Längst lohnt sich der Abbau des Erzes nicht mehr und die Anlagen in und am Berg rotten vor sich hin. Herbolzheims Bergbau-Geschichte gerät langsam in Vergessenheit, wenn sich das Bergwerk nicht wie bei einem Stolleneinbruch im Frühjahr 2008 wieder spektakulär in Erinnerung ruft. Auf Anfrage der BZ tüftelte Hämmerle daher einen Wanderweg aus, vorbei an den Resten der Anlage. Die Idee: Ausgebaut und beschildert könnte dieser Pfad auch für Touristen interessant sein. Noch bietet sich ein anderes Bild. Ohne Karten oder Ortskenntnis und gutes Schuhwerk ist die Wanderung schwer zu bewältigen. Es bräuchte eine Initiative, die sich der Sache annimmt und vielleicht sogar begrenzten Zugänge in die Anlage ermöglicht.
Los geht die Erkundungs-Wanderung durch Herbolzheims Industriegeschichte am Parkplatz zwischen Haupt- und Schwimmbadstraße. Von hier führt ein enger Fußweg mit schöner Aussicht langsam in die Höhe. Direkt über dem Felsenkeller soll ein alter Notausgang liegen, der aber erst wieder freigelegt werden müsste. Wer ihn nicht findet, läuft weiter den Berg hinauf bis zur evangelischen Kirche.
Mit etwas Glück trifft der Wanderer hier auch auf das Ehepaar, das schon bei der Probe-Wanderung in Erinnerungen an das alte Bergwerk schwelgt. "Als Junge habe ich den Bergmännern hierher ihre Brotzeit gebracht", sagt der Mann und deutet auf einen zugemauerten Rundbogen direkt vor der Kirche. Dahinter liegt ein alter Wetterschacht, der zur Belüftung und gleichzeitig als Nebeneingang in den Berg diente. Seit das frühere Gitter durch eine Mauer ersetzt wurde, lassen sich Details nur mehr erahnen. Die Anlage hinter der Mauer müsste aber noch intakt sein.
Zurück auf die Steigstraße: Jetzt wird der Tagesbruch angepeilt. Der Krater von mehr als 20 Metern Durchmesser, der im Frühjahr 2008 ohne Vorankündigung in einen alten Bergwerksstollen einbrach, beweist, wie es unter der Erde weiter rumort. Weil seither ein weitläufiges Gebiet abgesperrt ist, ist ein Blick auf den so genannten Bergbau-Spätschaden gar nicht leicht zu erhaschen. Vor dem Sperrgebiet wird also nach rechts abgebogen, nach nur 30 Metern geht es wieder scharf nach links. Vorbei an einer alten Trockenmauer und Rebterrasse gelangt der Wanderer bis zum bekannten Hüttenbühlhäuschen. Von dort geht es nach Norden zum Hammersbrunnen am oberen Ende des Sperrgebiets. Vom Brunnen aus wird im Verlauf der langen Linkskurve wieder scharf nach links auf einen Schotterweg abgebogen. Entlang schöner Wiesen hält sich der Sperrzaun immer links im Blick. Wenn sich der Weg nun gabelt, geht es links direkt auf ihn zu. Es ist geschafft: Nach einigen Metern durch kniehohes Gestrüpp ist in rund 80 Metern Entfernung der Tagesbruch-Krater zu sehen, der sogar einen ganzen Geräteschuppen verschluckte.
Zeit für ein Picknick mit bester Aussicht über die ganze Rheinebene. Übrigens: Vom Ausgangspunkt der Wanderung bis zu diesem Punkt erstreckt sich das Bergwerk bereits über beeindruckende zwei Kilometer.
Von hier aus ließen sich noch weitere Sehenswürdigkeiten an der Kahlenberg-Deponie ansteuern. Auch der Heubergturm, die Kahlenbergkapelle oder eine Strauße in der Nähe laden zum Verweilen und Entspannen ein.
Da die Route nicht ausgeschildert ist, lohnt sich eine geführte Begehung zusammen mit Reinhold Hämmerle am 19. September. Zusätzlich werden ein sonst nicht zugänglicher Steinbruch und weitere Natur-Sehenswürdigkeiten angesteuert. Nähere Infos gibt es unter 07643/4892.
Autor: Hagen Schönherr


