Spannender Kulturkampf zwischen Baden und Schwaben

Bianca Flier

Von Bianca Flier

Di, 26. Juni 2018

Eschbach

Kabarett im Weinstetter Hof: Fidelius Waldvogel und Marlies Blume tischten den begeisterten Zuschauern das "BaWü-Menü" auf.

ESCHBACH. Im Rahmen der Reihe Kultur im Weinstetter Hof gastierten Fidelius Waldvogel und Marlies Blume mit ihrer Kabarett-Live-Show "Das BaWü-Menü – zum Fressen gern!". Die Veranstaltung war praktisch ausverkauft – und das, obwohl im TV gleichzeitig das Weltmeisterschafts-Match Deutschland gegen Schweden lief. Der "Kulturkampf" zwischen dem badischen Ur-Schwarzwälder und der schwäbischen Dialekt-Queen war jedoch ebenso spannend und mit Sicherheit lustiger als das Fußballspiel.

Mit ihrem "BaWü-Menü" feiern Marlies Blume und Fidelius Waldvogel, mit bürgerlichen Namen Heike Sauer und Martin Wangler, auf ihre ganz spezielle, humorvolle Art die "Eiserne Hochzeit" zwischen Baden und Württemberg. Nach 65 Jahren Ehe gibt es da allerhand Streitpunkte, die unbedingt geklärt werden müssen. Das Traumpaar ist nämlich vom "Ministerium für Integration und Völkerverständigung" dazu ausersehen worden, selbige Tugenden glaubhaft zu repräsentieren. Und das tun sie denn auch, singend, tanzend, feixend und vor allem mit nimmermüder Mundwerkakrobatik.

Wenn es um die Verständigung zwischen zwei so unterschiedlichen Stämmen wie den Schwaben und den Alemannen geht, dann sind natürlich in erster Linie sprachliche Hürden zu überwinden. Und da weiß das "extra stille Wasser" aus dem Schwarzwald der geschwätzigen Schwäbin ganz gut Paroli zu bieten. Allein mit der lakonischen Silbe "Hä!" kann der Badener rhetorische Wunder vollbringen. Keinen Spaß verstehen die Kontrahenten, wenn es um die Frage geht, was denn nun zu einem echten "BaWü-Menü" gehört: Knöpfle oder Spätzle, Nonnefürzle oder Buebespitzle.

Zur Eisernen Hochzeit gehört natürlich auch die Erneuerung des Eheversprechens. Sie wird mit einem wilden Hochzeitstanz besiegelt. Und schließlich ist man sich ja auch einig. Der Kulturkampf zwischen Baden und Schwaben gehört praktisch zum Weltkulturerbe. Leider ist der Frieden zwischen den streitbaren badisch-schwäbischen Eheleuten nicht von langer Dauer, und es hilft nur noch die Scheidung. Die wird rigoros vollzogen, mit gelb-schwarzem Trennungsband mitten durch Bühne und Publikum. Beim anschließenden Rosenkrieg bleibt kein Auge trocken.

Doch dann müssen die Streithammel feststellen, dass das badisch-schwäbische Häusle beim Streit auseinanderzubrechen droht, mitsamt den stolzen Wappen. Man merkt, dass man doch aufeinander angewiesen ist. Versöhnliche Worte fliegen von hüben nach drüben, und der erneuten Völkerverständigung zwischen Baden und Schwaben steht nichts mehr im Wege. Aus dem Stegreif wird ein badisch-schwäbisches Völkerverständigungs-Orchester mit Flötenklang und Tuba-Tönen auf die Bühne gestellt.

Fidelius Waldvogel und Marlies Blume sind ein kongeniales Kabarettistenduo. Ihr badisch-schwäbischer Wortwitz, ihre ausdrucksstarke Mimik, die herrliche Kostümierung, dazu die genialen instrumentalen Einlagen mit Akkordeon, Tuba und Flöte – diese Mischung bildet ein grandioses Gesamtkunstwerk des bodenständigen Humors. Wie die beiden die ewigen Kabbeleien zwischen Baden und Württemberg auf die Schippe nehmen, das reizt zum Lachen und stimmt manchmal auch nachdenklich. Das Publikum zieht in jedem Moment mit, es wird gelacht und mitgesungen, dass das Zwerchfell wackelt.

Das große Finale bezieht dann in die Versöhnung zwischen den beiden Ländle auch die globale Völkerverständigung mit ein. Niemand soll ausgegrenzt werden. Und sogar die Streitfrage, ob Gutedel oder Trollinger, wird sozusagen "handfest" aus der Welt geschafft: Mit dem "Edeltroll", einem Wein, der speziell für diesen Anlass kreiert wurde.

Das Publikum war begeistert. Wie üblich bei Kultur im Weinstetter Hof wurde das Publikum außerdem kulinarisch verwöhnt.