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18. April 2010 18:33 Uhr
Landwirtschaft
Spargelsaison in der Ortenau startet mit Sorgen
Am Wochenende gingen die Spargelstecher "in die Vollen" wie es Harald Heitz vom Spargelhof Hügel-Heitz in Neuried-Altenheim formulierte. Am Thema Spargel-Ernte zeigen sich aber auch so manche Probleme der regionalen Bauern, die im Ortenaukreis inzwischen fast ausnahmslos auf Selbstvermarktung setzen.
Billiger Spargel aus Griechenland und Peru treibt die Spargelbauern um, manches Hofladen-Konzept ist nicht nach dem Geschmack der Kollegen, und das Thema Erntehelfer beschäftigt die Erzeuger mehr denn je.
Auch wenn er sich mit den polnischen und rumänischen Helfern teils mit Händen und Füßen verständigen muss – auf dem Spargelhof von Willi Wurth in Zusenhofen, größter Anbauer im Renchtal, wird jetzt gestochen. 40 bis 50 Helfer hat er über die Saison im Einsatz. "Der Großteil ist schon da", weitere würden kurzfristig alarmiert. Praktisch alle Bauern setzen inzwischen auf Selbstvermarktung. "Beim Preis orientieren wir uns an den Notierungen des Großhandels." So macht man es auch bei Hügel-Heitz in Altenheim. "Der Großmarkt kann oder will ja nichts mehr zahlen", so Harald Heitz.
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Dass dieses Konzept zuweilen ausgereizt wird, findet Annerose Rettig vom gleichnamigen Hof in Mösbach. "Viele Hofläden bieten alles an, ob sie das Produkt angebaut haben oder nicht." Die Sachen würden eben vom Großmarkt geholt und weiterverkauft, darüber informiert werde der Kunde selten. "Das entspricht nicht der Idee der Direktvermarktung." Orangen oder Bananen gehörten ihrer Auffassung nach erst recht nicht in Ortenauer Hofläden. Nun freue sie sich aber erstmal auf die Spargel-Saison, die am vergangenen Wochenende begann. Bleibt es warm, könne es mit den Preisen "ratzfatz" nach unten gehen. Der Spargel-Freund müsse die Preise im Auge behalten.
Klar müsse dem Verbraucher aber sein, dass Spargel-Anbau eine kostspielige Sache ist. Einfacher sei es nicht geworden. Der kleine Rettig-Hof habe nur einen Rumänen beschäftigt, für die größeren Betriebe werde es jedoch immer schwieriger, Arbeitskräfte zu bekommen. Private Vermittlungsagenturen seien inzwischen am Markt – gegen Provision natürlich. "Es ist schwieriger geworden, gute Leute zu finden", betont Willi Wurth. Wenn 2011 wie geplant die Freizügigkeit für Arbeitskräfte innerhalb der EU umgesetzt wird, werde es wohl nicht einfacher. Dann könnten die Arbeiter etwa auch auf dem Bau anheuern, was finanziell oft attraktiver sei.
Schon bisher steigen die Personalkosten der Landwirte pro Jahr erheblich, sagt Wurth. Harald Heitz ist froh, dass seine Osteuropäer bei der Stange bleiben. Viele der Kräfte wollten aber nurmehr zwei bis drei Monate arbeiten. Das sei zu wenig für die gesamte Saison, zu der natürlich auch die Erdbeerernte gehöre. Manche Betriebe hätten das Problem, dass Erntehelfer erst gar nicht erscheinen. Dann sitze man da. Das Experiment "Arbeitslose als Spargelstecher von der Arbeitsagentur" habe sich gänzlich erledigt. "Hat keinen Wert."
Das weiß man auch beim OGS Südbaden. Die Anlieferungen seien nun im Kommen, so Geschäftsführer Peter Krüger. Von Preisen um die 20 Euro vor Ostern habe man sich schon lange verabschiedet. Den Handel stellt Krüger er an den Pranger. "Billig-Spargel aus Griechenland wird oft als Zugpferd genommen, um die Leute ins Geschäft zu bekommen." Der Peru-Spargel überschwemme seit 2009 den Markt mit Ware von riesigen Anbauflächen bei Lima und komme per Schiff oder Flugzeug. "Der sieht gut aus - schmeckt aber zum Glück nicht so gut wie der Badische", meint er – vom ökologischen Aspekt ganz zu schweigen. Mit der badischen Ernte könne man qualitativ zufrieden sein. "Gut und gerade gewachsen", so Krüger. Der lange Winter mache nichts aus.
Autor: bz
