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21. Januar 2009 20:00 Uhr
Ufer-Umgestaltung
Spaziergänger entrüstet über Kahlschlag am Rhein
Die Rodungen am Altrheiner Ufer sind in vollem Gange. Interessierte sich bislang niemand für das Integrierte Rheinprogramm, hat sich das mit dem Kahlschlag drastisch geändert.
"Die Umgestaltung des Rheinufers interessiert keinen Menschen", war der Kleinkemser Ortsvorsteher Dieter Haberstroh noch vor kurzem überzeugt. Dieses scheint sich nun aber gründlich geändert zu haben, seitdem die Arbeiten begonnen haben.
Der Spatenstich zum Bau der Aussichtsplattform an den Isteiner Schwellen war der Vorbote, am Montag nun haben die Rodungsarbeiten begonnen. Dort, wo am Altrhein das Gelände abgebaggert werden soll, um mehr Raum für das Wasser zu schaffen, müssen zuerst die Bäume und Büsche entfernt werden. Das Projekt wurde unter dem Stichwort "Integriertes Rheinprogramm" seit vielen Jahren diskutiert. Notwendig wurde es zum Schutz rheinabwärts liegender Städte und Gemeinden vor Hochwasser. Als die Planunterlagen im Rathaus Kleinkems öffentlich auslagen, kam kein Bürger vorbei, um sich zu informieren, erinnert sich Ortsvorsteher Haberstroh fest. Die nun begonnenen Arbeiten rufen allerdings zum Teil heftige Reaktionen hervor. Eine Frau aus Efringen-Kirchen, die auf dem Leinpfad gerne joggt, empfindet das, was sich mit der Rodung abzeichnet als "eine einzige Katastrophe." "Unsere schönen Rheinauen, auf Jahrzehnte zerstört – wer will denn da noch hin?", klagt sie. "Joggen, Radfahren, Spazierengehen kann man nicht mehr", schimpft sie, "dabei war dies das Juwel unserer Gegend."Werbung
Und so wie sie denken viele. Es gibt aber auch Spaziergänger oder Radfahrer auf dem Weg, die das Abholzen auch gelassen sehen. "Es ist eben nötig", ist von ihnen zu hören. Und mit der Zeit würden sich auf den ausgebaggerten Uferrändern ja auch wieder Pflanzen ansiedeln, vielleicht sehe es ja dann aus wie im Naturschutzgebiet Taubergießen. Es brauche eben Geduld.
Wiederum andere werden erst durch die Fällarbeiten auf das Hochwasserschutzprojekt aufmerksam. Wie jene Frau, die gestern mit ihrem Rad auf dem Leinpfad unterwegs war, und im ersten Moment über den Kahlschlag erschrak. Sie fürchtete, dass dort gebaut werden sollte. Dass dort "nur" Überflutungsflächen entstehen, beruhigt sie dann. Die meisten Reaktionen, die im Rathaus Efringen-Kirchen ankamen, gab es allerdings nicht zu den Abholzungen, wie Hauptamtsleiter Walter Silbereisen berichtet, sondern zum begonnenen Aussichtsplattformbau an den Isteiner Schwellen.
Wozu soll diese Plattform gut sein, das fragten sich viele. Mancher mag jetzt nur Nachteile in dem Projekt sehen, das vom Regierungspräsidium als Bonbon für die Unannehmlichkeiten während der Ausbaggerzeit und danach gesehen wird. Kritiker fürchten, dass die Plattform noch mehr Publikum zu den Schwellen lockt, auch Jugendliche, die auf dem Steg Partys feiern und dann ihre leeren Flaschen "über Bord werfen". Eine Efringen-Kirchenerin ist sich sicher, dass diese Plattform "schlicht keiner will."
Autor: Victoria Langelott


